Geld und Währungen – Teil II
James Turk in Traders Daily
vom 25. Oktober 2006 12:00 Uhr
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Warum hält Gold – oder irgendein anderes erfolgreiches Geld – seinen Wert? Nicht weil es einen „intrinsischen“ Wert hat. Abgesehen von seinen anderen Verwendungszwecken in der heutigen Wirtschaft, hauptsächlich im Bereich Schmuck und in einigen wenigen elektronischen Nischen, wäre Gold als reiner industrieller Rohstoff, deutlich weniger Wert als unerlässliche Substanzen wie Weizen oder Öl. Aber Gold ist kein industrieller Rohstoff. Es ist Geld, welches gesammelt, aber nicht, wie andere Rohstoffe, verbraucht wird. Als solches hängt sein Wert von unserem Glauben an seine Fähigkeit, als Geld zu fungieren, ab. Wir trauen diesem „soliden“ Geld, weil es in begrenzten Mengen existiert und weil es, per Definition, nicht für Manipulationen durch die Regierung anfällig ist.
Andere Währungen werden hingegen von Regierungen in Umlauf gebracht, die, wie wir heute wissen, grundsätzlich nicht in der Lage sind, ihre Geldangelegenheiten zu regeln.
Behalten Sie diese Unterscheidungen im Hinterkopf, sie liefern den Schlüssel zu dem gerade laufenden Drama über den Dollar und über Gold.
Im Laufe der Jahrhunderte hat die Menschheit eine erstaunliche Bandbreite von Dingen für die Rolle des Geldes auf die Bühne gebracht. Im alten Ägypten verwendete man Getreide, die Tibeter verwendeten Ziegel aus gepressten Teeblättern (davon wurden kleinere Stücke abgeschnitten, um Wechselgeld zu haben). Die Bewohner der Solomon-Inseln verwendeten Armreifen aus den Schalen gewaltiger Muscheln. Und fast jede Gesellschaft hat im Laufe ihres Bestehens irgendwann Tiere als Tauschmittel verwendet. Ziegen, Kamele, aber auch menschliche Sklaven – alles was einem in den Sinn kommt, ich habe es untersucht.
Aber praktisch alle frühen Geldformen erwiesen sich als nichtoptimale Wahl, aus ziemlich offensichtlichen Gründen. Muscheln sind zerbrechlich und ihr Vorrat neigt dazu, nach einem größeren Sturm in die Höhe zu schießen. Der Vorrat an Tee verändert sich mit der Erntequalität. Ziegen und Sklaven sind nicht austauschbar, sie behalten ihren Wert nicht über größere Zeitspannen und sie lassen sich nicht aufteilen, um Wechselgeld zu haben. Haltbarer als Ziegen und weniger veränderlich als Tee, sind Metalle wie Bronze, Kupfer, Silber und Gold, die aus Minen geholt werden, geschmolzen und in leicht wieder zu erkennende, mehr oder weniger gleichgroße Münzen gepresst werden, die sowohl getauscht, als auch gelagert werden können. Bronze und Kupfer sind weiter verbreitet und haben weniger Anziehungskraft, sie wurden zum Kleingeld, während Silber üblicherweise in der Mitte lag und das seltene und schöne Gold zum höchst geschätzten von allen wurde.
Die ersten echten Goldmünzen tauchten um 600 v.u.Z. in Lydien, heute Teil der Türkei, auf und in den folgenden Jahrhunderten verfeinerten sich die Prägetechniken durch die Griechen, die Perser und die Römer.
Nachdem sich Gold als das bevorzugte Geld der Menschheit etabliert hatte, wurde es zum Synonym für Wohlstand und Macht, und als Europa aus dem Dunklen Mittelalter emporkam und anfing, nach Vorne zu blicken, wurde die Suche nach neuen Goldvorräten zum wichtigsten Antriebsmoment der modernen Geschichte. Die spanischen Eroberer wie Hernando Cortes und Francisco Pizarro führten die Invasionen in die Neue Welt auf der Suche nach den legendenumwobenen Goldstädten, zerstörten dabei die Kulturen der Einheimischen und ebneten den Weg für die Kolonisierung Amerikas. Drei Jahrhunderte später, 1848, tauchten auf einer Farm in Sacramento einige Goldnuggets auf und lösten den Goldrausch in Kalifornien aus. Eine halbe Million Menschen überschwemmten in weniger als einem halben Jahrzehnt den noch dünn besiedelten Westen der USA und lösten eine Migration aus, die noch über weite Strecken bis ins zwanzigste Jahrhundert andauern sollte.
Schließlich wurden die Mängel des Gold- und Silbergeldes jedoch zum Problem. Metallmünzen waren zu laut und unhandlich, um in größerem Umfang noch verwendbar zu sein. Sie haben sich im Laufe der Zeit auch abgenutzt, und so verkam ein kleiner, aber bedeutender Teil des Wohlstands einer Ökonomie. Und so hatten die Gründer der Bank of England – die dazu auserkoren war, in den folgenden zwei Jahrhunderten die führende Bank der Welt zu werden – in den 1690ern einen Einfall: Warum sollte man nicht die Gold und Silbermünzen, anstatt sie zirkulieren zu lassen, in den Schatzkammern einschließen und Papierscheine herausgeben, die anstelle der Münzen verwendet werden können. Die Bank begann, Papier-„Pfunde“ herauszugeben, mit dem Versprechen, dass sie zu jedem Zeitpunkt gegen Pfundmünzen aus Gold oder Silber eingetauscht werden könnten. Die Umtauschbarkeit, so hieß es in dieser radikalen Theorie, würde das Papier akzeptabel machen, weil es die Fragen über seinen wahren Wert ausschloss.
Das Ergebnis war ein konzeptueller Durchbruch: Das erste weit verbreitete Ersatzgeld. Geld (definiert als Werterhalt und Wertstandard) und Währung (als ein Tauschmittel), waren bis dahin ein und dasselbe gewesen, ein greifbarer Vermögenswert, jetzt waren sie unterschiedliche Dinge. Schon bald befand sich ein großer Teil des englischen Geldes in Form von Gold und Silber in den Schatzkammern, während die Währung, jetzt eine Verbindlichkeit (ein Schuldschein) der Bank, in Form von Papierstückchen zirkulierte.
Die Zeit der Freude dauerte drei Jahre lang an. In dieser Zeit war die Bürgerschaft glücklich, die leichten und stillen Pfundnoten herumtragen zu können. Aber schon bald wurde klar, dass die Verantwortlichen für das Geld mehr Papiergeld herausgaben, als durch Gold und Silber in den Schatzkammern gedeckt war – ein Prozess, der sich in späteren Jahrhunderten noch oft wiederholen sollte. Bei einem der ersten Anstürme auf die Banken, sind die Besitzenden hingeeilt, um Papier in Metall zu verwandeln, und das System geriet so sehr durcheinander, dass es so aussah, als sei es gescheitert. In seiner Verzweiflung wandte sich König William III an sein hauseigenes Genie, Sir Isaac Newton, Oberster der Münzprägeanstalt im Jahr 1699. Aufrichtig wandte sich Newton dem Kern der Angelegenheit zu: Er erkannte, dass die Papierwährung eine wichtige Erneuerung war, dass sie aber kein Geld war. Deswegen musste es notwendig in die Katastrophe münden, wenn man Bürokraten die Verantwortung für die Druckpressen gab.