Geld drucken, um eine Weltwirtschaftskrise zu bekämpfen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. November 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Die Investoren möchten Details. Sie möchten wissen, ob und wenn ja wie die Franzosen und die Deutschen für die Schulden von Spanien, Portugal, Irland, Griechenland und Italien einstehen werden.
Italien ist in einer schlechten Position. Es hat kaum mehr Schulden als die USA (in Relation zur Wirtschaftsleistung), aber es hat ein unmittelbares Problem. Italien muss auslaufende Staatsanleihen bedienen und umschichten...deshalb muss es sehr viel neues Geld erhalten, nur damit sich das Rad weiter dreht.
Und Italien hat nicht den Schlüsselvorteil der USA - sie können nicht einfach die Notenpresse anwerfen. Die Macht, selber Geld zu drucken, hat Italien aufgegeben, als es der Eurozone beigetreten ist. Nur die Europäische Zentralbank (EZB) kann Geld drucken....und die wird von den Deutschen kontrolliert!
Was ist los mit den Deutschen? Warum machen die es nicht so wie die Fed? Warum wollen die nicht einfach Geld drucken? Wenn die nur das Signal geben würden - "macht Euch keine Sorgen, wir werden das Geld einfach drucken" - wäre die gesamte Krise vorüber.
In Europa und in den USA wäre das Vertrauen der Anleihen-Investoren wiederhergestellt. Sie würden wissen, dass sie ihr Geld zurückerhalten würden. Die EZB würde italienische Anleihen kaufen, griechische, spanische...ach, sie würde von allen die Anleihen kaufen. Die Anleihen-Besitzer würden ihr Geld erhalten. Sie würden aufhören, die Zinsen in die Höhe zu treiben. Italien könnte durchatmen. Jeder wäre besser dran, nicht wahr? Genau wie jetzt in den USA. Richtig?
Es scheint alles so einfach zu sein. Warum verstehen das die Deutschen nicht?
Während die US-Entscheidungsträger, Volkswirte der offiziellen Linie und andere Angst vor einer neuen Weltwirtschaftskrise haben, haben die Politiker Deutschlands Angst vor einer Hyperinflation. Es gibt kaum noch Deutsche, die alt genug sind, sich daran erinnern zu können, aber die Erfahrung der Hyperinflation zu Beginn der 1920er hat sich in den deutschen Charakter eingegraben wie Graffiti auf einem nationalen Denkmal.
Die Deutschen können das nicht ignorieren. Sie können das nicht vergessen. Es wird Generationen benötigen, um das wegzuwischen. Nach der bitteren Erfahrung des Ersten Weltkriegs hat dann die Hyperinflation das Vertrauen der Deutschen in ihre Institutionen zerstört. Hart zu arbeiten, Geld zu sparen, ein guter Bürger zu sein - nichts davon hatte sich ausgezahlt. Die ehemaligen Soldaten waren tief enttäuscht. Die herrschende Klasse hatte sie im Stich gelassen. Die Banken hatten sie betrogen. Die Politiker hatten ihnen einen Dolchstoß in den Rücken gegeben.
Selbst ihr Geld war wertlos!
"Wie konnten 2.000 Jahre Zivilisation dazu führen..." (Oder so ähnlich, sinngemäß) sagte der Protagonist von Remarques berühmten Roman "Im Westen nichts Neues". Da sie keine gute Antwort fanden, wendeten sich die Deutschen von der Zivilisation ab, und wendeten sich dem bewaffneten, mechanisiertem Zombie-Unwesen zu.
Innerhalb nur weniger Jahre waren die deutschen Fabriken wieder voll ausgelastet - weil sie Panzer und Flugzeuge produzierten. Das war eine Lösung, um die Arbeitslosigkeit zu verringern. Leider war die Lösung schlimmer als das ursprüngliche Problem. Die Züge waren pünktlich.
Aber ihr Ziel war ein Unglück!
Aber das ist eine lange Geschichte.
Zum ersten Teil von: Massive Verwerfungen
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Franz Steinbauer (16.11. 2011 07:57 Uhr):
Natürlich wird jetzt der Ruf nach der Notenpresse laut. Aber ist das eine Lösung des Problems? Die einzige Antwort darauf stellt eine ewige Wahrheit dar und die lautet: Es kommt darauf an, wer am Ende zahlen soll. Dafür gibt es im wesentlichen drei Möglichkeiten: Fall 1: Bailouts ohne Ende - der Steuerzahler zahlt. Fall 2: Anwerfen der Notenpresse - der Konsument zahlt schlussendlich im Wege von Preisinflation. Fall 3: Insolvenz - die Banken und Staaten, die sich verspekuliert bzw. eine nicht nachhaltige Politik betrieben haben, müssen den Schlamassel selbst ausbaden. (Das hat zumeist auch auf die Sparer und Steuerzahler erhebliche Auswirkungen.) Sie können es sich aussuchen. Eine schmerzlose Lösung ist keine der drei Möglichkeiten, es werden lediglich die Schmerzen auf verschiedene Weise verteilt.
Antworten - Kommentar von Thomas (16.11. 2011 08:24 Uhr):
Das Problem ist für fast alle Staaten, dass Anleihen nicht zurückgezahlt werden sondern Schulden mit neuen Schulden bezahlt werden. Auch Deutschland macht dies. Immer wenn eine größere Umschichtung in einem der schwächeren Länder fällig ist wird es kurz vorher von den Ratingagenturen abgestuft. So werden die Länder gezwungen eine Anleihe gegen eine teurere Anleihe auszutauschen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies auch Deutschland passiert, denn auch hier werden Schulden mit neuen Schulden zurückgezahlt.
Antworten - Kommentar von Michael Gebert (16.11. 2011 09:04 Uhr):
Der Anleger würde dadurch zuerst in Staatsanleihen (Geldwerte) gelockt, die sich dann über die dadurch ausgelöste Inflation selbst entwerten- ein ungeheurer Betrug! Selbst Keynes hat die betrügerische Enteignung beim Namen genannt. Hayek schrieb 1972 über die Inflationstheorie die Schrift "A tiger by the tail". Ortega y Gasset hat erkannt: "Wie ein Albatros als Vorbote des Sturms o taucht der Mensch der Tat stets am Horizont auf, wenn eine neue Krise ausbricht." Er meinte damit den Diktator, und leider ist es meist der Rattenfänger, auf den die betrogenen Menschen hören, und nicht der gutmeinende Visionär. Gruß Michael Gebert
Antworten - Kommentar von Livia (16.11. 2011 09:18 Uhr):
ALLE Industrienationen haben damals damit angefangen aufzurüsten, die Deutschen sogar nach allen anderen, weil sie - solange sie sich an den Versailler Vertrag hielten, garnicht anderes konnten. Jede Wirtschaft ist irgendwann saturiert, jedes Gebrauchsgut wird irgendwann inferior. Nur Rüstung produziert hochwertige Gebrauchsgüter, die wie Verbrauchsgüter behandelt werden (können). Heute versucht man das Problem zu umgehen, indem man neue Märkte erschließen will. Das klappt aber auch nicht, weil Entwicklungsländer die Güter - die sie eigentlich auch garnicht brauchen - nicht bezahlen können, und allenfalls noch mehr verarmen. Unser Planet ist endlich, ewiges Wachstum von daher unmöglich; es wachsen nur die Ziffern auf den Geldscheinen, sprich, die Inflation.
Antworten - Kommentar von Susanne Johnson (16.11. 2011 12:40 Uhr):
.... dann ist es höchste Zeit, endlich die Goldreserven der Zentralbanken im Euroland anzuzapfen, statt einen Euro-Rettungsschirm zu spannen, dessen "Löcher" die Misere nur noch vergrößert. Der Goldwert in den Zentralbanken der Euro-Zone-Ländern liege bei ca. $ 545 bn. Wenn die Länder pro Rata ihrer Schuldenhöhe ihren Beitrag leisten würden, wäre ein Sprung nach vorne gelungen. Wozu sonst dient eine Reserve? Etwa dazu, dass unsere Politiker darauf zurückgreifen können und sich auszahlen, wenn das "Schein"-Geld Euro tatsächlich an die Wand gefahren wurde? Angaben zu den Goldreserven http://www.time.com/time/world/article/0,8599,2080813,00.html. Mit freundlichen Grüßen S. Johnson
Antworten- Antwort von Rainer Seifert (18.11. 2011 00:35 Uhr):
Sind Sie sicher, Frau Johnson, dass diese Zahl stimmt? 545 Billionen US $ Dollar Gegenwert? Wer sollte das kaufen? Soviel ich weiß, hat Italien als eines der Länder mit hohem Goldanteil Gold im Wert von ca. 100 Milliarden. Das wären rund 5% der Staatsverschuldung, also ein tropfen auf den heißen Stein. Zumal der Goldpreis bei größeren Verkäufen der Notenbanken abwärts rauschen würde. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass es auf der ganzen Welt soviel Gold gibt, wie Sie schreiben. Freundliche Grüße Rainer Seifert
- Antwort von Rainer Seifert (18.11. 2011 00:35 Uhr):
ENL5454
- Kommentar von Monetenmann (16.11. 2011 14:08 Uhr):
Mr. Bonner ist aus unbekanntem Grund Deutschland-Fan. Warum die von Deutschland kontrollierte EZB nicht einfach wie die US-FED Geld druckt? Nun, sie tun genau das, nur weniger offensichtlich. Die Amerikaner machen aus allem eine Show, bei den Europäern läuft es etwas diskreter ab. Ich sehe da keinen Unterschied. Die Anleihen-Besitzer treiben Zinsen in die Höhe? Tun sie das wirklich? Die Rating-Agenturen werden vom Bankenkartell gesteuert und die Medien indirekt ebenfalls. Warum wird nicht über Vogelgrippe und Eisbär-Knut berichtet? Warum runtergeratet? Jemand im Hintergrund hat Interesse an dem, was gerade abläuft. Wer Zinsen künstlich unten halten kann, der kann auch Zinsen hochtreiben. Zitat aus Star Wars "Luke, unterschätze niemals die Macht des Imperators." ;-) Zum Schicksal der Deutschen vor und nach dem zweiten Weltkrieg: Es herrschte Diktatur. Die große Mehrheit der Deutschen wollte keine Panzer und Flugzeuge bauen, um damit anschließend Krieg zu führen. Sommer 1939 war alles schön ruhig und alle (bis auf ein paar Wahnsinnige Psychopathen, Aufstachler und Geschäftsleute) fanden großen Gefallen daran. Es wurde und wird nach wie vor kein Deutscher gefragt, was er will. Es wird einfach über den Kopf der Herde hinwegentschieden. Damals wie heute.
Antworten - Kommentar von Albert Karl (16.11. 2011 14:11 Uhr):
Sie schreiben im 6. Abschnitt oben: "Es scheint alles so einfach zu sein. Warum verstehen das die Deutschen nicht". Meine Antwort: Weil wir das nicht wollen, Herr Bonner! Wir wissen schon was wir tun. Wenn die Situation einfach wäre, könnte es ja jeder - so, wie beispielsweise die USA, mit ihrer Gelddruckmaschinerie! Warum sind denn die Krisen gekommen? Schauen Sie, die Globalisierung selbst hat eine große Blase erzeugt, die doch jetzt schon über kurz oder lang entweder schnell platzen oder langsam in sich zusammensinken muss. Der Aufschwung der jüngsten Vergangenheit war doch zu großen Teilen eine Scheinblüte, getragen durch eine Aufblähung der Geldmenge - und zwar auf Kosten immer ungesunderer Wirtschaftsstrukturen (da haben Sie einen Teil der Zombies, von denen Sie immer wieder sprechen). Die westlichen Industriestaaten, allen voran die USA, betreiben bewusst oder unbewusst eine Politik der Ausdehnung von Kredit und Geld. Und, die Weltbank und der IWF haben das trotz des Rufs, den sie vor allem in Entwicklungsländern haben, im Großen und Ganzen voll unterstützt. Durch diese leichtsinnige Geldpolitik wurde die Welt mit Liquidität geradezu überschwemmt. Der Dow-Jones-Index verzwölffachte sich seit 1982 , das Inlandsprodukt der USA stieg lediglich um den Faktor vier. Viele Jahrzehnte dauert das nun schon an. Viele Ökonomen glauben heute, damit den Königsweg zu immer währendem Wachstum und Wohlstand gefunden zu haben. Sie irren sich fatal. Auch dieses Mal wird die Weltwirtschaftskrise von den USA ausgehen. Gruß, A.K
Antworten - Kommentar von Rainer Seifert (16.11. 2011 22:08 Uhr):
Auch jetzt besteht wieder die Gefahr, dass sich radikale Parteien ihr Süppchen aus der Krise kochen und auf Stimmenfang unter einer zunehmend schlechter gestellten Bevölkerung gehen, wenn sich die Krise verschlimmert, wovon ja leider auszugehen ist. Die Nazis hatten bei den letzten freien Wahlen in Deutschland keine absolute Mehrheit. Erst die Ohnmacht der anderen Parteien ließ Hitler an die Macht kommen. Ist dies wirklich ein Phänomen, das sich nur in Deutschland ereignen konnte? Ich denke nein. In Krisen werden immer Schuldige gesucht, präsentiert und scheinbar auch gefunden. Also bitte ihr Demokraten, die ihr das Schicksal eurer Völker und der ganzen Welt lenkt, seid achtsam und denkt auch an diese Möglichkeit.
Antworten - Kommentar von Ute Fleischmann (17.11. 2011 02:47 Uhr):
zu "Warum verstehen das die Deutschen nicht?": Ganz einfach: es scheint nur einfach, Geld zu drucken. Dem gegenüber aber steht kein Wert mehr! In Wahrheit haben wir sowieso das Problem, alles unter dem Aspekt von "Märkten" zu sehen,- eine Verdinglichung des Menschlichen. Wir sollten grundsätzlich unsere "Werte" hinterfragen und neu besetzen! Und: Die Lösung eines Problems kann niemals auf der Ebene liegen, auf der es entstand! Ist das denn nicht klar?
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