Geld, der Sinn des Lebens?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 03. Juni 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Habe ich Ihnen es nicht gesagt, liebe(r) Leser(in)?
Ich meine, dass alles Unsinn und Müll ist?
Hier beim Investor's Daily geht es um Geld, und wie man mehr davon bekommt. Mir ist oft vorgeworfen worden, dass ich ein Skeptiker sei. Aber ich wehre mich gegen diese Anklage. Ein Skeptiker ist jemand, der akeptierte Doktrinen bezweifelt und der Ansicht ist, dass das, was "jeder weiß", nichts wert ist. Ein Skeptiker vertraut nur seiner eigenen Einschätzung, Vernunft, Wahrnehmung. Ich bin von Natur aus mißtrauisch, das stimmt ... aber ich bin gegenüber nichts so mißtrauisch wie gegenüber meiner eigenen Fähigkeit, die Dinge zu begründen.
Ich bin sogar gegenüber meinem Beruf mißtrauisch. Ich versuche, den Leuten zu helfen, mehr Geld zu machen, aber in der modernen Welt hat ohnehin fast jeder genug Geld. Man kann bereits mit ein paar Stunden Arbeit pro Woche genug Geld verdienen, so dass man nicht mehr verhundern muss ... oder erfrieren muss. Mit einem Büchereiausweis und einem kleinen Garten irgendwo auf dem Land, wo es relativ günstig ist, könnte ein Paar sehr gut leben. Vielleicht könnten sie sich keinen großformatigen Fernseher und kein tolles Auto leisten ... aber vielleicht würde es ihnen ohne auch besser gehen. Sie könnten die Schönheit der Natur genießen und gut essen ... und sich abends an einem Kaminfeuer wärmen. Was könnte man mehr wollen?
Nein, man braucht nicht viel Geld, um zu leben ... und sogar um gut zu leben. Der Rest ist Eitelkeit.
Die Leute wollen mehr Geld, damit sie sich jemandem, der weniger hat, überlegen fühlen können. Derjenige mit weniger Geld muss ein Idiot sein, sagen sie sich. Und deshalb ist es ihr Ziel, immer größere und bessere Dinge kaufen zu können und ihr Leben danach ausrichten. Und dann, an einem sonnigen Tag, normalerweise an einem Tag in der Nähe ihres Lebensendes, sehen sie sich um und sehen sich an, was sie alles gekauft haben ... und plötzlich überkommt sie ein überwältigender Gedanke – so wie eine Bombe in ein irakisches Restaurant. In einem Augenblick explodiert der Sinn ihres Lebens. Sie realisieren, dass auch sie Idioten sind – vielleicht die größten Idioten von allen, denn sie haben ihr Leben dem Streben nach etwas, das überhaupt nicht wirklich wichtig ist, untergeordnet. Bei den meisten Leuten dauert dieser Gedanke nur wenige Augenblicke, kaum genug, um dauernden Schaden anzurichten. Er verschwindet schnell wieder, so dass sie fähig sind, am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu gehen – um sich Stress zu machen, zu schwitzen und zu hasten um mehr Geld zu machen.
Und Gott sei Dank. Jeden Tag stehe ich um 5 Uhr morgens auf, um meine Beiträge für den Investor's Daily zu schreiben – aus Gründen der puren Eitelkeit. Es wäre schade, wenn niemand es lesen würde.