Geld als einziges Paradigma
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. August 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
„Nach den Problemen in Georgien steigt der Ölpreis..."
Diese Schlagzeile ist ein Zeichen unserer Zeit. Heute glaubt die Welt an das Geld. In Ökonomien. Beim materiellen Fortschritt. Alles andere nimmt gegenüber Geld nur einen zweiten, dritten oder vierten Platz ein. Es ist leichter, die kleinen Veränderungen des Ölpreises zu erkennen, als die großen Veränderungen der Art und Weise, mit der man die Welt betrachtet. Man kann erkennen, wenn sich die Welt verändert, aber wenn man sich selbst verändert, dann wird das nicht bemerkt.
Wenn wir heute im August 1914 lebten und nicht im August 2008, dann hätte diese Schlagzeile vielleicht gelautet:
„Französische Anleihen fallen nach Invasion in Belgien", oder, wenn es August 1939 wäre, dann hätte die Schlagzeile vielleicht gelautet: „Der Ölpreis steigt steil an, weil die Deutschen den Einmarsch in Polen androhen."
Oder wie würde die moderne Presse über die großen Ereignisse von vor 2000 Jahren berichten? „Die Erträge des Wunderwirkers sind nach vorzeitiger Kreuzigung eingebrochen."
Aber in den Jahren Null, 1914, 1939 war Geld nicht das wichtigste Thema. Die Leute glaubten an die Politik, an den Nationalismus, an den Rassismus, an Religion... und sie berichteten in den Nachrichten in anderer Weise davon.
Heute zählt nur noch das Geld.
Der Ölpreis ist in der vergangenen Woche stark gefallen. Am Freitag lag der Preis bei 115 Dollar. Doch am folgenden Montag stieg der Preis wieder - nach den Nachrichten über die Unruhen in Südossetien. Und wenn sich das fortsetzt, dann würde ich mich nicht darauf verlassen, dass der Ölpreis noch lange „niedrig" bleiben wird.
Die betreffende Region liegt zwischen Russland und Georgien am schwarzen Meer. Die Osseten, wer auch immer die sind, haben hier schon seit der Zeit gelebt, in der die alten Griechen ihre Kolonien überall rund um das Schwarze Meer errichteten. In den Dreizigern waren die Pontus-Griechen - immer noch hier, bis Stalin sie nach Kasachstan hat deportieren lassen. Auch die Osseten sind unter dem Hammer der Sowjetunion verschwunden. Sie waren über weite Teile des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten. Und als dann die Sowjetunion sich auflöste - waren sie wieder da. Aber wer hatte das Recht, den Osseten zu sagen, was sie zu tun haben. Die Russen? Oder die Georgier? Die Russen haben sich zu diesem Thema am Wochenende geäußert. Einem Bericht zufolge, waren bereits am vergangenen Wochenende 2000 Menschen gestorben.
Der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney hatte Georgien während des Wochenendes im Hinterkopf. Er soll gesagt haben, dass diese Gewalt „nicht ohne Antwort bleiben wird." Welche Art von Antwort er im Sinn hat, weiß ich nicht. Aber da die Russen und die Amerikaner beide die am stärksten bewaffneten Atomstreitmächte sind, steht vermutlich mehr auf dem Spiel als nur der Ölpreis.