Cindy Bach nimmt in ihrem Börsennewsletter Insidergeschäfte unter die Lupe. Sie stellt regelmäßig „Directors’ Dealings“ vor - zum Vorteil ihrer Leser.
Cindy Bach in Insider Daily
vom
ja, ich gehe. Aber es war für mich noch nie so schwierig eine Wahl zu haben wie in diesem Jahr. Es ist Superwahljahr und ich sehe bunt. Zur Kommunalwahl Anfang Juni wählte ich nach Sympathie. Man kennt eben die Menschen hinter den konform lächelnden Gesichtern auf den Wahlplakaten. Und wenn man sich in Gemeinde und Kreis gut vertreten wissen will, dann wählt man denjenigen, dem man vertraut.
Bei der Thüringer Landtagswahl fiel es mir schon deutlich schwieriger. Man wählt Gesichter oder politische Gesinnungen. Denn Wahlinhalte gab es wohl, doch sie wurden im Kampf um Stimmen in Thüringen eher weniger zum Zentrum gemacht. Es schien wohl wichtiger, den Skiunfall von Herrn Althaus zum Abertausendstenmal in den Mittelpunkt zu stellen.
Wenn nichts mehr hilft: Ausschlussverfahren
Also entschied ich mich für folgende Taktik: Ausschlussverfahren. Keine Extreme. Keine Beeinflussung. Sie wundern sich, warum ich von Beeinflussung spreche. Nun, das kann ich Ihnen schnell erklären. Ich komme aus dem kleinen Ort Dermbach. Idyllisch im Süden Thüringens, in der Rhön gelegen; 3.000 Einwohner, angemessene Infrastruktur, naturgewaltig und kulturell so gar nicht hinterwäldlerisch.
In eben diesem Dorf fand Anfang August ein kulturelles Großereignis statt: Der hiesige Kulturverein brachte das Musical "Der Rhönpaulus" mit großem menschlichem Aufwand und künstlerischer Professionalität - trotz 60 Leihendarstellern - auf eine Open-Air-Festspielbühne. Der Rhönpaulus ist unser Sagenheld. Um ihn ranken sich in dieser Region unzählige Geschichten, in welchen er den Reichen nahm und den Armen gab - ein Märtyrer a la Robin Hood eben. Er wurde geschnappt, wegen Hochverrats verurteilt und hingerichtet. Daneben gab es natürlich auch eine tragische Liebes-Story.
Und eben diese Geschichte vom "Rhönpaulus" lockte in zwei Vorstellungswochen neben 16.000 Zuschauern auch die thüringische Politprominenz ins Dörfli. Es war ja auch zu einfach. Auf einem historischen Markt am Rande des Musicals flanierte all abendlich das thüringische Wählervolk. Wann erwischt man so unmittelbar vor der Wahl schon mal eine solch breite Masse in fröhlicher Geselligkeit.
Wahlkampf auf anderen Pfaden
Bei der Premiere, bei welcher ich auch zu Gast sein durfte, gaben sich demzufolge Althaus und Co. ein Stell-Dich-Ein. Hier wurden Hände geschüttelt, dort geplaudert und natürlich gab es eine flammende Rede von der Bühne vor Vorstellungsbeginn. Wahlkampf auf etwas anderen Pfaden. Doch ich entschied mich: Ich lasse mich in meiner Wahlentscheidung davon nicht beeinflussen. Bürgernähe hin oder her. Das muss drin sein. Hätte Herr Matschi, Spitzenkandidat für den Ministerpräsidentenposten von der SPD sicher genauso elegant gemacht wie Herr Althaus. Was ich schließlich am 30. August für Kreuzchen setzte, lasse ich hier mal offen. Tatsache ist: Wählen in 2009 ist eine bunte Sache.
Nun blicke ich mal einige Wochen voraus: Bundestagwahl 2009. Gestern Abend, nachdem ich meinen kleinen Sohn ins Bett befördert hatte, machte ich mich daran, den ultimativen Wahl-O-Mat für meine Wahlentscheidung zu Rate zu ziehen. Denn auch wenn ich bekennender Merkel-Fan bin, ich bin noch unentschlossen. Außer tiefrot und braun ist für mich noch alles drin. Macht mich das nervös? Nein, nicht mehr. Mein Vater sagte mir mal, dass man mit Anfang Dreißig noch keine eingefahrene politische Meinung zu haben braucht. Das beruhigt, hilft in der Entscheidungsfindung allerdings nicht unmittelbar weiter.
Oh, Wahl-O-Mat im WWW - Wer nur ist die richtige Partei, herje?
Aber der Wahl-O-Mat tut es. Hier geht es nämlich endlich um das Wesentliche. Welche Parteien treten an? Welche Themen spielen eine Rolle? Und wer vertritt welche Positionen? Der Wahl-O-Mat gibt mir die Antworten, die ich für eine Entscheidung brauche. Zu 38 Thesen, von Atompolitik, über Bildungspolitik bis hin zum Thema Afganistan-Einsatz, hat jede Partei Stellung genommen. Sie geben einfach Ihre Position zu jedem Thema an und am Ende sagt Ihnen der Wahl-O-Mat, welche Partei sich mit Ihren Ansichten am ehesten deckt. Keine Gesichter, keine Farben, kein Gefrötzel... nur Inhalte. Danke, lieber Wahl-O-Mat, der 27. September kann kommen.
Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Donnerstag.
Ihre
Cindy Bach
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- Kommentar von G R Frank
Von wem wurden denn die 60 Darsteller ausgeliehen?
Antworten- Kommentar von Claudia Gottschalk
Ich kann nur aus vollster Überzeugung zustimmen.Der Wahl-O-Mat sollte viel mehr bekannt gemacht werden, es sollte zu den 28 Thesen weitere hinzu kommen und er MUSS in unabhängigen Händen bleiben. Wie gesagt: Keine Gesichter, keine Farben, kein Gefrötzel... nur Inhalte. Die Wählerinnen und Wähler haben es satt, ständig mit leeren Worthülsen und semantischen Spielereien von den Inhalten politscher Aktivitäten abgelenkt zu werden. Kuz gesagt: Mehr Wahl-O-Mat für alle Wahlen! Grüße auch an die anderen Redaktionsmitglieder Claudia G.
Antworten- Kommentar von Klaus Franke
Hallo, schön für Sie, dass der Wahl-o-mat Ihnen so helfen konnte. Bei mir zeigt er nur ein Patt zwischen Grün und Dunkelrot, wie sie es nennen, an. Und ganz wertfrei überlege ich, welche wichtigen Entscheidungen Angela Merkel, in den letzten Jahren getroffen haben könnte? Habe ich da etwas verpasst? Freundliche Grüße Klaus Franke
Antworten- Kommentar von Walter Theodor Lax
Hallo Cindy Bach, es schreibt Ihnen heute jemand der eine Generation älter als Sie sind. Nämlich 50 Jahre. Deshalb verzeihen Sie mir, dass ich Sie nicht mit dem Geschlecht anrede,weil heutzutage ich es an den Vornamen nicht mehr erkennen kann.Auch war die Wahl für mich bis auf die letzte und diese Wahl sehr schwierig.Zu Adenauers Zeiten war es dann einfacher.Aber ich sage mir. wer macht eine nachhaltige Politik? Wer ist strickt gegen den weiteren Atomausbau oder deren Verlängerung.Immer noch nicht ist geklärt was mit dem Atommüll geschehen soll!Keine Endlager deshalb kommen CDU,SPD und FDP nicht infrage.Die Linken wollen auch nicht die inernationalen Verträge mit unseren Nachbarn erfüllen. Meine 2. Hauptfrage war wer hat die Kraft ,die CDU nicht,einen gerechteren Ausgleich wegen der Boni-Zahlungen nicht für Gewinne,sondern für Verluste der banker auszugleichen?CDU,FDP und SPD nicht.Sind nicht diese beiden Dinge das Wichtigste,was wir von der Regierung verlangen können? Wer bleibt für mich übring:Bündnis 90 die Grünen.Es grüßt Sie Walter-Theodor Lax
Antworten- Kommentar von Alfred Daschner
Wozu noch wählen gehen, wenn der Wähler nur als "Stimmvieh" benutzt wird und vor den Wahlen schon fest steht, wer auf der Liste mit großer Wahrscheinlichkeit in den Bundestag bzw. Landtag einziehen wird. Wahlen sind aus meiner sicht nor noch Farce. da sich die Politiker nur noch um ihr eigenes Wohl und nicht um das Wohl der Bürger sorgen!! Beispiel Beamte kontra Normalbürger, Beispiel Finanzpolitik, Beispiel Bildung usw. usw. Wahlen? Nein Danke, am besten Auswandern und Deutschland seinem Schicksal überlassen!!
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- Kommentar von martina voll
der beitrag von frau bach hat mir sehr gut gefallen und spricht wohl vielen unentschlossenen wählern aus dem herzen. nicht zur wahl gehen ist sicher falsch, aber ohne nachzudenken wählen genauso. ich bin seit 3 jahrzehnten in politischer verantwortung (an der basis) und finde, das wir viel mehr sacharbeit machen und nach gemeinsamkeiten suchen müssen. ich glaube wir sind gar nicht in der position, ständig wahlkampf, machtkampf, wortgefechte und kanzlerduelle zu führen (betonung liegt auf dem zweiten teil dieser worte!). es ist gut, dass junge leute auch so verantwortungsbewusst denken. m.f.g. m.voll
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