Gefühlschaos an den Börsen
Till Kleinlein (Gastbeitrag) in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 15. Februar 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Lieber Leser des Devisen-Monitor,
beim Blick auf den Chart des Dax könnte man meinen, dass diese Börsenwoche von Langeweile geprägt war. Doch verglichen mit der Vorwoche, an der die Bullen chancenlos waren, durchlebten die Marktteilnehmer ein Wechselbad der Gefühle. Und das nahezu an jedem Handelstag! Und wem haben wir das Gefühlschaos zu verdanken? Die Tagesschau-Seher wissen, worauf ich abziele. Natürlich! Die Schieflage Griechenlands beherrschte die Finanzmärkte. Aber nicht wegen neuerlicher Erkenntnisse bezüglich der Dimension der Probleme! Zuerst kamen Gerüchte auf, dass die Europäische Union an einem Rettungsplan für Griechenland arbeitet. Nicht nur die Börsen in Athen, sondern auch der Dax, des Deutschen liebstes Anlagevehikel, profitierte von der Flüsterpropaganda. Schließlich werden an den Börsen Erwartungen gehandelt!
Doch nach und nach änderte sich das Bild: Es blieb beim Gerücht. Keine Fakten wurden auf den Tisch gelegt. Die Hoffnung auf eine baldige Lösung des Problems schien unrealistisch gewesen zu sein, obwohl doch jedem klar ist, dass Griechenland nicht im Stich gelassen wird. Desillusionierte Marktteilnehmer greifen nicht zu, sondern lassen Aktien fallen. Der deutsche Leitindex begann wieder südwärts zu laufen (etwa dem gegenwärtigen Unruheherd entgegen?). Schließlich wurde von offizieller Seite auf den EU-Sondergipfel (Donnerstag) verwiesen. Wunderbar! Endlich werden harte Fakten geschaffen! Nun stiegen natürlich wieder die Erwartungen und damit die Aktienkurse.
Kennen Sie den Blick enttäuschter Kinder?
Die gesamte Finanzwelt blickte am Donnerstag nach Europa, doch was den Marktteilnehmer präsentiert wurde, waren nur schwammige Informationen. Keine klaren Aussagen der EU zur Bewältigung der Griechenland-Problematik! Doch wie soll Griechenland, außer durch eigene drastische Sparmaßnahmen aus dem Finanzschlamassel? Jedenfalls gab es nach dem Statement der EU lange Gesichter bei den Marktteilnehmern, die wohl vergleichbar waren mit dem Blick enttäuschter Kinder beim Auspacken der Geburtstagsgeschenke. Klar, dass es danach mit den Aktienmärkten erst einmal wieder talwärts ging. Der letzte Handelstag dieser Gerüchte-lastigen Börsenwoche verläuft bislang - noch wird einige Stunden gehandelt - vergleichsweise ruhig. Die Aufregung um Griechenland schwindet allmählich aus den Köpfen der Marktakteure.
Es gab die Woche schließlich aber auch noch andere Themen, die ebenfalls die Märkte, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß, bewegten. Die aktuelle Wirtschaftssituation und die Erwartungen für die nahe Zukunft haben sich laut dem ifo-Institut wieder deutlich verbessert. Ausnahme: Griechenland und Zypern, wo wir wieder beim Hauptthema wären. Dann verkündete noch das Weiße Haus, dass die amerikanische Wirtschaft im laufenden Jahr durchschnittlich 95.000 Stellen pro Monat schaffen und das Wirtschaftswachstum um bis zu 2,5% zulegen könnte. Hört sich gut an - vorausgesetzt die Daten werden auch korrekt erhoben. Die Amerikaner nehmen es bekanntlich in manchen Dingen nicht ganz so genau wie wir Deutschen, was absolut wertfrei verstanden werden soll. Erfreuliche Zahlen kamen vom US-Arbeitsmarkt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen stärker als erwartet. Zum Wochenabschluss überzeugten dann die Daten des US-Einzelhandels. Die Marktprognosen wurden auch hier übertroffen. Statt eines Anstiegs um 0,3% kletterten die Umsätze um 0,5%.
Dax - Tageschart
Nun aber zu den charttechnischen Fakten!
Heute morgen sah es noch danach aus, als ob der deutsche Leitindex endlich wieder eine Börsenwoche mit Gewinn abschließen könnte. Etwa zwei Stunden vor dem offiziellen Handelsende ist der Ausgang der Rauferei zwischen Bulle und Bär aber noch offen. Der Freitag erweist sich einmal mehr als schwieriger Handelstag.
Mit der Rückeroberung der Kurs-Zone um 5.540/50 zu Wochenbeginn war eigentlich alles für eine Erholungsbewegung vorbereitet. Nach den Verlusten der letzen Wochen konnten die bullisch eingestellten Marktteilnehmer endlich wieder ein Grinsen auflegen. Dieses wurde noch breiter als die Barriere bei 5.500/10 Punkten überwunden wurde, jedoch nimmt die Charttechnik in Märkten, die von Gerüchten dominiert werden, an Aussagekraft ab. Heute ist nun kein Grinsen mehr in den Gesichtern der Marktteilnehmer zu erkennen. Positiv zu werten ist aber, dass eine Schwächephase an der Unterstützungszone bei 5.450/40 Punkten - aus Widerständen werden Unterstützungen - aufgefangen werden konnte. Bekommt der Dax aber nicht bald die Kurve und kann das Wochenhoch bei 5.993 Punkten überwinden, dann stelle ich mich mittelfristig auf Dax-Stände von 5.300 Punkten ein. Ein Auffangbecken bei Kursrückgängen befindet sich neben der schon erwähnten Kurs-Zone bei 5.440/50 Punkten noch bei 5.375/80 Punkten.
Ernsthafte Hoffnungen auf einen Sieg kommende Woche können sich die Bullen erst machen, wenn die 5.600er-Marke nachhaltig übersprungen wird. Dann ist auf Wochensicht durchaus das Erreichen des Widerstandsbereichs bei 5.740 Punkten möglich.
Weiterhin gilt: Wir befinden uns im Short-Modus und da verbrennt man sich bei Long-Engagements auch leicht die Finger. Also sichern Sie Ihre Trades möglichst gleich mit der Positionseröffnung ab. Geht nicht!? Nicht so beim CFX Broker. Nutzen auch Sie die Möglichkeiten einer If-Done-Order! Hier gelangen Sie zu meinem Video zum Thema Orderarten.
Eine erfolgreiche Handelswoche wünscht Ihnen
Till Kleinlein
Chefredakteur CFX Trader Kolumne
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