Gedanken zum Memorial Day in Amerika
Christopher Corbett in Traders Daily
vom 31. Mai 2007 12:00 Uhr
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Als ich ein junger Mann war, da war der Memorial Day der Tag zur feierlichern Erinnerung an die Kriegstoten. Das zu schreiben, gibt mir das Gefühl, Methusalem zu sein, doch in den Fünfzigern und Sechzigern war das noch so.
Als ich in der High School war, las ich “General Logan’s Orders“ bei einem Gottesdienst am Memorial Day vor einer kleinen Menschenmenge auf dem Dorfplatz in Maine, neben einer Statue, die an die Veteranen des Sezessionskriegs erinnerte. Ein Klassenkamerad las die Gettysburg Address. „General Logans Orders“ sind Anweisungen des General John A. Logan, eines Oberbefehlshabers der Großen Armee der Republik, der mehr oder weniger den Memorial Tag im Jahr 1868 ins Leben rief, in Gedenken an diejenigen, die während der Sezessionskriege gestorben waren. Heute erinnern sich vermutlich nur noch wenige an General Logan oder seine Anweisungen..
Ich denke die „American Legion“ (die größte Veteranenvereinigung der USA) war an den Veranstaltungen beteiligt, an denen ich teilnahm. Es gab dort Flaggen. Pfadfinder und Gold Star Mothers (Vereinigung von Müttern, deren Kinder im Krieg gestorben sind) und verschiedene VFW Posten (Veterans of Foreign Wars = Vereinigung von Veteranen, die von der Regierung ausgezeichnet wurden) schmückten die Friedhöfe am Memorial Day mit kleinen Flaggen. Die Ausführungen des General Logan machten das sehr deutlich. Der Feiertag sei „dem Zwecke gewidmet, die Gräber der Kameraden, die während der Verteidigung ihres Landes in der Zeit der jüngsten Aufstände gestorben sind und deren Leichen heute auf den Friedhöfen in fast allen Städten, Dörfern und Weilern des Landes begraben sind, mit Blumen zu bestreuen oder anders zu dekorieren.“
Der Sezessionskrieg schien damals noch nicht so weit zurückzuliegen. Der letzte Veteran ist gestorben, als ich zur Grundschule ging. Es ist immer noch ein junges Land, wenn ich bedenke, dass es möglich ist, zur gleichen Zeit gelebt zu haben, wie jemand, der am Bull Run gekämpft hat.
Am Memorial Day gab es, als ich jung war, Paraden. Es gab damals Paraden und die Leute marschierten mit den Paraden. In diesen Jahren haben wir immer noch die Absicht gehabt, den Krieg in Vietnam zu gewinnen.
Vor wenigen Jahren war ich in Washington, in der Nähe eines Einkaufszentrums, als mir auffiel, dass ich neben dem Vietnam Kriegsdenkmal stand. Ich bin über den Rasen gelaufen, um es anzusehen. Es gab eine Liste und ich haben die Namen der Leute gelesen, mit denen ich in die Highschool gegangen bin und die in Vietnam gestorben sind. Ich fand den Namen Rodney Delisle. Ich kannte seine Schwester in der High School. Er war eine Jahrgangsstufe über mir und er ist am 6. Juli 1969 in Quang Tri gestorben. Er war 19. Ich kannte eine Menge Leute, die nach Vietnam gegangen sind und einige davon sind tot zurückgekehrt. “Be the first one on your block to have your boy come home in a box.” (Sei der erste im Viertel, dessen Sohn in einer Kiste nach Hause kommt.) Das war Country Joe and the Fish und der “I-Feel-Like-I'm-Fixin'-To-Die Rag.” Wenn Sie sich daran noch erinnern können, dann können Sie sich noch an Vietnam erinnern. Das war nicht „When Johnny Comes Marching Home Again“.
Eine meiner frühen Erinnerungen an die leichten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist, dass es viele Leute gab, die in dem Krieg gekämpft hatten, echte Gefechtsveteranen. Seltsamerweise hat niemand besonders viel über den Krieg oder darüber, was er im Krieg gemacht hat, gesprochen.
Der größte Säbelrassler in meinem Ort, Mr. American Legion, hat selber nie im Gefecht gekämpft. Er brachte „den Großen“ – wie er den Krieg in der Bar bei der Post nannte – damit zu, die Bettlaken in Fort Drum zu zählen. Das ist so ziemlich wie es läuft. Er fuhr in einem großen Buick mit Flaggen und einem Wunschkennzeichen durch die Stadt. Er trug seine American-Legion-Kappe sehr häufig. Sein Photo erschien oft in der Lokalzeitung. Er war ständig auf der Suche nach Anzeichen von Kommunismus. Er sprach oft zu öffentlichen Veranstaltungen über die Gefahren aus Moskau. Er verschenkte Sparanleihen an verdienstvolle Jugendliche. Selbst als kleine Kinder wussten wir, dass er lächerlich war.
Heute haben all diejenigen, die am lautesten vom Krieg reden, nie einen Krieg gesehen. In einer solchen Welt leben wir. Kaum jemand dient beim Militär, wenn man nach Washington blickt. Weder George W. Bush, noch Dick Cheney, noch Donald Rumsfeld haben je Schlachtgeruch gerochen. Und auch nur wenige im Kongress. Wer unter den Windbeuteln, die sich im Fernsehen über den Krieg auslassen, hat je eine Schlacht erlebt? Wessen Sohn ist je in einer Kiste nach Hause gebracht worden?
Was würde General Logan von diesen Sesselkriegern und Säbelrasslern in Talk-Sendungen halten, die so schnell bereit sind, die Söhne und Töchter der Arbeiterklasse zum Tod im Fruchtbaren Halbmond zu verdammen?