Gedanken zum Independence Day
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 17. Juli 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Ich war gerade auf dem Flughafen Charles de Gaulle und eskortiere meinen 14-jährigen zum Sommerferienlager, als eine laute Sirene losgegangen ist. Ich habe aufgeblickt. Niemand hat darauf reagiert. Und dann kam die Sirene aus einem anderen Teil des Flughafens. Immer noch keine Reaktion. Gelegentlich hat der ein oder andere von seiner Zeitung aufgeblickt... Soldaten mit automatischen Schusswaffen haben ihre Patrouillen fortgesetzt.
Und dann hörte ich einen Gesang. Das war kein Flughafenalarm sondern eine Gruppe von Protestierern... die versuchten, den Flugbetrieb zu stören. Warum? Ich konnte es nie herausfinden.
Das geschah am 4. Juli, dem amerikanischen Independence Day... und die Amerikaner waren noch nie abhängiger von den Menschen aus dem Ausland. Diese Menschen im Ausland haben in ihren Devisenreserven 4,8 Billionen Dollar - und einen Großteil dessen in Dollar.
Die meisten Amerikaner erfreuen sich an diesem Tag an Picknicks und Feuerwerken. Aber ich arbeitete trotzdem in meinem Hauptfirmensitz in Europa. Ich berücksichtige die nationalen Feiertage nicht und mache nur dann eine Pause, wenn ich einmal keinen Internetzugang habe. Es gibt schließlich immer etwas, mit dem man sich auseinandersetzen kann.
So markiert der 4. Juli z.B. den 232. Jahrestag des Tages, an dem die Kolonisten in Nordamerika sich entschlossen, in die Hand zu beißen, die sie ernährte. Unterstützt durch die britische Krone... verteidigt gegen die Franzosen und die Inder durch die englischen Soldaten und durch englisches Geld, wollten diese Verräter, diese Rebellen, diese Terroristen trotzdem selbst entscheiden, wie sie sich falsch regieren lassen wollen.
"Keine Besteuerung ohne Vertretung", war ihr Schlachtruf.
Zu schade, dass sie es nicht geschafft haben, lange genug zu leben, um zu erkennen, was ihre Nachfahren aus diesem Land machen würden. Eine Besteuerung mit Vertretung stellte sich als noch viel schlimmer heraus. Von einem geschätzten Steuersatz von weniger als 5%... sind wir heute, unter Berücksichtigung der Gesamtauswirkungen von den Bundes-, den Staats- und den Gemeindesteuern, der Umsatzsteuer, der Straßensteuer, der Todessteuer und der Steuer auf Kapitalerträge... sowie vieler anderer Steuern - bei deutlich mehr als 50%.
Aber die Zeiten ändern sich. Und die Leute fangen an zu glauben, was sie glauben müssen, wenn sie es glauben müssen. Weniger als drei Generationen nach der Unabhängigkeitserklärung entschieden die Yankees, dass sie lieber ihre Brüder im Süden töten würden, als zuzulassen, dass sie die gleiche Freiheit erhalten. Und jetzt, fünf Generationen später, sind die Vereinigten Staaten zum führenden Imperium der Welt geworden... und sie behalten sich auch das Recht vor, zu entscheiden, welche Regierungsform in anderen Staaten gelten soll - selbst in solchen Staaten, die am anderen Ende der Welt liegen.
Doch ach, die Briten fanden bald heraus, dass es ein teures Unterfangen ist, die anderen herumkommandieren zu wollen. Das britische Imperium hatte überall auf der Welt Befehlsgewalt - und das war eine Wohltat für den Handel. Doch unter dem protektiven Flügel des Imperiums vermehrten sich andere Ökonomien - ohne die Ausgaben für eine so gewaltige Militärausstattung schultern zu müssen - wie die Läuse. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren sowohl die amerikanische als auch die deutsche Wirtschaft größer als die britische und sie wuchsen zudem beide schneller.
Nun trägt Amerika die Kosten dafür, überall auf der Welt Politik machen zu wollen. Und die Rivalen nutzen die Vorzüge der Pax Americana dazu, die Dollar zu stapeln und den Marktanteil zu stehlen.
T. Boone Pickens bezeichnet das als den größten Transfer von Wohlstand in der Geschichte". Er bezieht sich damit auf den Ölmarkt, an dem die Amerikaner Geld aus ihren Taschen nehmen, um es dazu zu verwenden, Benzin zu kaufen. Dieses Geld endet dann in den Händen der Ölexporteure - ganz besonders in Russland, Venezuela und in den arabischen Ländern. Aber der Wohlstandtransfer reicht weiter zurück als bis zu den heutigen, hohen Energiepreisen...
Es begann alles mit der lockeren Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank in Anschluss an die Krise von 1987... und mit den freizügigen Ausgabegewohnheiten der amerikanischen Bevölkerung und ihrer Regierung. Je mehr die Amerikaner geliehen und ausgegeben haben... desto mehr Geld ist in den Händen der Ausländer gelandet. Normalerweise hätten die Berge amerikanischen Geldes, das sich im Ausland auftürmte, zu einer Inflation in der Heimat und zu Erdrutschen am Devisenmarkt führen müssen.
Aber die asiatischen Exporteure konnten Produkte schneller und günstiger herstellen als die amerikanischen Produzenten. Und das führte in Verbindung mit den technologischen Fortschritten dazu, dass die Preise weiter unten gehalten wurden. Die Preise wirkten stabil, die Zentralbanker hielten sich selbst für Genies und sie pumpten auch weiter Geld und Kredit heraus.
Und dann waren auch die Ausländer außergewöhnlich freundlich, normalerweise hätten sie ihre Dollar auf den Weltmarkt geworfen, und damit hätten sie eine Währungkrise ausglöst. Stattdessen haben die Asiaten das Geld zurück an die Vereinigten Staaten verliehen, und den Amerikaner so noch mehr Strick gegeben, an dem sie sich selbst aufhängen konnten.
Sie konnten die Kredite dazu verwenden, noch mehr Zeug zu kaufen - von den Asiaten. Sie brauchten das Zeug nicht. Sie brauchten auch keine größeren Häuser. Und sie brauchten auch keine Geländewagen, um damit zu ihren weit enfernten Arbeitsplätzen oder zu den Einkaufszentren vor der Stadt zu fahren. Aber genau darum geht es, wenn man sich übernimmt - man kauft Dinge, die man nicht wirklich braucht, von Geld, das man nicht wirklich hat.
Nach und nach haben die Chinesen immer mehr Industriezweige und immer mehr die eigene Infrastruktur entwickelt. Schon bald sind sie nicht mehr nur beim Preis in den Wettbewerb getreten, sondern auch bei der Qualität... genauso wie es die Japaner vor ihnen getan haben. Und dann haben sie immer mehr Geld angesammelt und sie haben angefangen, sich mit den entwickelten Ländern nicht nur um die Rohstoffe zu streiten, sondern auch um die Lebensmittel.
Zuerst ist daraufhin der Ölpreis in die Höhe geschossen. Und dann haben die Amerikaner (und die Brasilianer) angefangen, fossile Brennstoffe durch Brennstoffe aus Mais und Zuckerrohr ersetzen zu wollen. Und das hat den Preis für Getreide nach oben getrieben. Mais ist allein im Jahr 2008 um 64% im Preis gestiegen. Sojabohnen sind um 37% gestiegen. Öl selbst ist 50% teurer.
Diese gesamte wirtschaftliche Phase handelt davon, dass man die Amerikaner um eine Stufe nach unten bringt", erzählte ich zuletzt einem Freund während eines Glases Wein. Es ist wirklich ein klassischer Fall von imperialistischer Verausgabung... bei dem die Amerikaner sich übernommen haben... zu viel ausgegeben haben... zu viel geliehen haben... und einen zu hohen Lebensstandard gelebt haben.
Heute stehen wir einer gewaltigen Korrektur gegenüber - mit einem sinkenden Lebensstandard, geringeren Vermögen, sinkender Macht und fallendem Ansehen. Es gibt keinen Ausweg. Und das Beste, was wir tun können, ist, die Medizin zu schlucken, und das mit so viel Würde wie möglich. Es gibt keine magischen Hebelchen, an denen Ben Bernanke ziehen könnte. Es gibt keinen Zauberknopf, an dem er drehen könnte."
Ich sollte vielleicht auch noch hinzufügen, dass es nicht nur die Amerikaner sind, die nach unten gezogen werden. Auch den Briten steht ihre eigene Korrektur bevor.
"Die britische Wirtschaft verfällt in eine Konjunkturkrise im Stile der amerikanischen", heißt es in einer Schlagzeile des International Herald Tribune.
Das ist kein Wunder, die Briten haben schließlich sogar noch mehr als die Amerikaner geliehen und sie haben heute auch noch mehr Schulden als die Amerikaner.