Gedanken auf dem Heimweg
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 23. September 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Mein Büro in Paris ist schon dreimal umgezogen. Ich fing in einem eigenwilligen Teil der Stadt an, in dem es viele Bars und alte Prostituierte gibt. Dann bin ich in einen schickeren Teil der Stadt umgezogen - in der Nähe der Madeleine - mit hohen Mieten und guten Restaurants. Und jetzt bin ich in Belleville - einer ethnischen" Gegend.
Als ich aufwuchs, war das die Gegend der Araber", sagte ein Jean-Paul, ein Freund der in den vergangenen beiden Jahrzehnten in Australien gelebt hat. Heute bin ich überrascht, wie viele Schwarze es hier gibt."
Mein neues Büro ist fast direkt neben dem Hauptsitz der kommunistischen Partei. Es ist keine schicke Gegend, aber diese Gegend hat ihren Charme.
Du bist ein elender H***sohn. Du alter ***. Du runtergekommene***"
Ich habe am Freitag mein Mittagessen in einem Lokal vor Ort zu mir genommen. Plötzlich hörte ich Schreie und ich sah Stühle fliegen. In der Bar war ein Kampf ausgebrochen. Zwei Männer schubsten einander. Einer holte aus und schlug dem anderen auf den Mund. Derjenige, der geschlagen worden war, ging zum Gegenangriff über... aber er wurde vom Barmann und der Kellnerin aufgehalten... die sie auseinander brachten.
Beide Männer hatten ein leicht dunkles Aussehen. Vielleicht kamen sie aus dem Süden Frankreichs, vielleicht aus Nordafrika... ich hätte es nicht sagen können.
Der Kampf wandte sich bald schon den Flüchen zu... den Beinamen... den Kraftausdrücken. Der Besitzer des Lokals versuchte sie dazu zu bringen, das Lokal zu verlassen... einer ist durch die Tür gegangen... aber er ist schon sehr bald wiedergekommen. Irgendwann hat er sich hingesetzt.
Worum ging es denn?", wollte ich von der Kellnerin erfahren.
Ach, sie hatten eine religiöse Auseinandersetzung..."
"Was soll das heißen?"
"Sie waren beide Juden... aber einer ist ein Aschkenase und der andere sephardisch. Ich weiß nicht genau, worüber sie gestritten haben..."
Als ich am Freitag das Büro verließ, sah ich einen Mann auf der Türschwelle sitzen. Er hatte eine wilde struppige Mähne... und einen dazu passenden Bart. Ich fragte mich, ob er von den Kommunisten in die Gegend gelockt worden wäre, er sah genauso aus wie Karl Marx.
Als ich dann über den Boulevard de la Villette ging, kam ich an chinesischen Supermärkten vorbei, aus denen seltsame Gerüche auf die Straße wehten... arabischen Cafés, in denen die Männer auf dem Bordstein ihren Kaffee nippten... und Radfahrer, die aus allen Richtungen kamen, drohten mich zu überfahren.
Als ich nach rechts in die Rue Belleville abbog, fühlte ich mich, als wäre ich in Nordafrika. Die meisten Leute schienen aus Algerien oder aus Tunesien oder aus Marokko zu stammen. Aber es gab auch viele Leute aus den Regionen unterhalb der Sahara. Frauen in traditionellen afrikanischen Kleidern, die bunte Stoffe um sich gewickelt hatten... und häufig ein Kind auf dem Rücken trugen... und die Einkaufswagen vor sich herschoben.
Die Männer aus Nordafrika saßen in den Bars, rauchten und tranken Kaffee. Einige französische Obdachlose hockten an den Straßenecken und tranken aus großen Bierflaschen. Es gab sogar eine Gruppe Männer aus Osteuropa - vielleicht waren es auch Russen - die auf dem Platz ein Zelt aufgebaut hatten und darin zu leben schienen.
Die Läden passen sich ihren Kunden an. Ein Laden bot Schuhe für 10 Dollar an... die wirklich genauso wie die aussahen, die man in besseren Gegenden für 150 Dollar und mehr kaufen kann. In einem anderen Laden waren Kleidungsstücke auf einem Tisch ausgebreitet... Hemden für 5 Euro... Jeans für 25 Euro... Unterhosen für 2 Euro.
Aber ich bin den Hügel hinab gelaufen. Als ich hinunterkam, wurden die Leute auf der Straße immer weißer. Als ich auf dem Place de la Republique angekommen war, fand ich mich in einer typischeren Ansammlung von Franzosen wieder.