Gastbeitrag: 11 Gründe, chinesische Werte jetzt zu kaufen (Teil 2)
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 16. Januar 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des Gastbeitrags von gestern)
9. Der Konsument ist gerade erst am Anfang. Die aufkeimende Mittelklasse des Landes, nun von der Größe der gesamten Vereinigten Staaten, ist erst am Anfang. The McKinsey Quarterly schätzt, dass es zwei Jahrzehnte dauern wird, bevor diese neuen Reichen ihr volles Geldausgebepotential erreichen. Wie wir aus unserer eigenen Erfahrung und unserem eigenen Wohlstand wissen - 70% des BIP der USA entstehen aus Konsumentenausgaben - ist der Konsument ein Motor für wirtschaftliches Wachstum. In anderen Worten: Die weltweiten rezessiven Gegenwinde sind für den chinesischen Verbraucher also nicht von gleicher Bedeutung.
10. Vergessen Sie, was man im Westen denkt; vor Ort ist man optimistisch. Wir wissen, dass das Verbrauchervertrauen eine große Rolle hinsichtlich des Erfolgs in unserer eigenen Wirtschaft spielt. Es stinkt einfach im Moment in den Vereinigten Staaten und die wirtschaftlichen Bedingungen spiegeln dies wider. Aber in China ist die Situation völlig anders. Eine aktuelle Umfrage des Pew Research Centers zeigt, dass die meisten Chinesen (86%) eine positive Meinung darüber haben, in welche Richtung ihr Land unterwegs ist. Dieser Stand lang vor 6 Jahren bei 25%. Wenn die überwältigende Mehrheit gute Dinge am Horizont sieht, sollten wir ihr glauben.
11. Die "Mutter aller Konjunkturpakete". Obwohl das massive Konjunkturpaket in den USA erst noch greifen muss, können Sie sicher sein, dass es dies tun wird. Das Gleiche gilt für die 584 Milliarden US-Dollar, welche die chinesische Regierung in die Wirtschaft pumpt. Wie ein Fondsmanager bei BlackRock anmerkt hat "China die Mutter aller Konjunkturpakete", wenn Sie die Ausgaben der Regierung, die Sparraten und den schnellen Verfall der Rohstoffpreise berücksichtigen.
Die besten Möglichkeiten hierauf zu setzen
Machen Sie keinen Fehler. Die Zeit, in der Sie blind in China investieren konnten, ist vorbei. Einfach den iShares FTSE / Xinhua China 25 Index ETF zu kaufen, wird es nicht mehr bringen. Das ist zu offensichtlich.
Wie also spielen wir die nächsten Bullenrunde in China?
In der Vergangenheit verwies ich schon Mal auf eine interessante Small-Cap Chance in China: E-House Holdings. Ich würde bei dem Thema bleiben - Small Caps mit den stärksten Wachstumsprofilen. Somit landen China Security & Surveillance, ein führendes Unternehmen im Bereich digitale Überwachung und Technologie, und A-Power Energy Generation Systems, eine Ausrüstungsfirma im Strombereich, an der Spitze meiner Liste.
Für die von Ihnen mit einer eher konservativeren Neigung empfehle ich, sich an große, solide Spitzenbluechips zu halten, wie z.B. China Mobile, die weltgrößte Telefongesellschaft. Diese hat eine solide Bilanz, steigende Profitabilität und ist vorübergehend billig bewertet.
Was auch immer Sie tun, warten Sie nicht zu lange. Das chinesische Neujahrsfest ist am 25. Januar. Wenn es vorbei ist, seien Sie nicht überrascht, wenn die chinesischen Märkte frisch beginnen und wieder auf ihren alten gewinnenden Weg finden.
Und dies sage ich, da die starken wirtschaftlichen Basisfaktoren, welche die Taschen von Investoren bereits von 2004 bis 2007 mit Gold füllten, nach wie vor gut in Takt bleiben. Ob die nächste Bullenrunde die gleichen 450% und mehr Profite bringt, wird man abwarten müssen. Aber Sie können sicher sein, dass die entsprechenden Katalysatoren bereits vorhanden sind, um dies zu ermöglichen.
Gutes Investieren,
Lou Basenese
KOMMENTAR ZUM ARTIKEL VON HERR BASENESE:
Wie angekündigt werde ich ab jetzt Gastmeinungen kurz kommentieren. Dies erfolgt auf vielfache Leseranregung, da es so einfacher möglich sei, sich seine eigene Meinung zu bilden.
Im Prinzip stimme ich mit der allgemeinen Stoßrichtung von Herrn Basenese überein, möchte jedoch einige Punkte zu seinem Artikel ergänzen, da dieser mir in manchen Bereichen sehr einseitig erscheint. Meine Kommentare beziehen sich auf Herrn Baseneses 11 Punkte, welche Sie teilweise ja auch schon gestern erhielten:
- Sicher macht es Sinn, die "wahre Smart Money" als Anhaltspunkt zu wählen, aber liegt diese immer richtig? Gerade in der aktuellen Krise sehen wir doch, wie massiv sich einige Leute verschätzt haben und zwar durch die Bank hindurch. Dies ändert nichts an der Tatsache, dass ich ebenso der Überzeugung bin, dass China einer der Märkte der Zukunft und sehr attraktiv ist. Dennoch möchte ich einfach zu ein wenig mehr Vorsicht mahnen, wenn es um Argumente wie "Die Smart Money tut dies..." geht. Nicht umsonst scheint es ja auch inzwischen schon nötig zu sein von der "wahren" Smart Money zu sprechen (siehe Artikel)... So "smart" scheint ein Großteil der "smart money" auch nicht mehr zu sein?
- Sehe ich auch so. Doch auch hier gibt es sicherlich Gründe bei vielen Aktien. Der Aktienmarkt ist vorausschauend und mit einer weiteren Verschärfung der weltweiten Krise werden sicherlich auch einige asiatische Werte hart getroffen. Mein bevorzugtes Feld sind chinesische Firmen, welche von der Konjunktur im Inland profitieren und weniger auf das Welthandelsgeschäft angewiesen sind.
- Aktuell sicherlich richtig. Wird es in der Zukunft auch so bleiben?
- Stimme ich zu.
- Aktuell ebenfalls richtig. Halte ich aufgrund der Fundamentaldaten beim Ölpreis aber nur für einen vorübergehenden Zustand.
- Hier muss ich zwei kritische Punkte anmerken: Einerseits sind chinesische Regierungsstatistiken stets mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, andererseits benötigt China mindestens 8% Wirtschaftswachstum, um den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten. Die Wirtschaftswoche vom 15.12.08 schreibt hierzu treffend: „In China kommen diese Zuwachsraten einer harten Landung gleich. Nach einer Faustregel muss das Reich der Mitte seiner jungen Bevölkerung wegen jedes Jahr um mindestens 8 % wachsen, um Jobs für die neu auf den Markt drängenden Arbeitskräfte zu schaffen." Es gibt noch weitere Faktoren, die aus meiner Sicht eher ernüchternd wirken. Ein Beispiel: Rückgang der Immobilienpreise in den großen Ballungszentren im Osten zw. 10 - 20 % in den vergangenen Monaten und für 2009 nochmals 20 - 30 % Preisreduktion (lt. Erwartund der Deutschen Bank).
- Ein Vorteil für China, korrekt. Aber sicher auch kein Freifahrtschein, wenn die Krise weiter an Fahrt aufnehmen sollte.
- Die Ersparnisse der chinesischen Bevölkerung sind tatsächlich sehr hoch. Gründe hierfür sind in der Regel, dass sehr viele Dinge aus eigener Tasche bezahlt werden müssen (Krankenversorgung, teilweise Schulausbildungen für die Kinder, etc.). Wenn sich China weiterhin positiv im Land entwickelt, dürften diese Ersparnisse sicher für den Konsum frei werden, noch sind sie es in vielen Bereichen aber nicht. Ich sehe hier eher ein längerfristiges Potential, nicht einen kurzfristigen Katalysator.
- Stimme ich zu.
- Ich gebe nicht sehr viel auf solche Sentiment-Daten (nicht nur aufgrund des zentralen chinesischen Propaganda-Apparates, welcher, neben anderen Faktoren, eine entscheidende Rolle bei der Meinungsmanipulation spielen kann. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich spreche hier den Chinesen nicht ab, ihre eigene Lage einschätzen zu können, doch erscheint es mir gefährlich, diesen Faktor zu vernachlässigen). 86% Optimisten erscheint für mich angesichts der weltweiten Situation etwas überschwinglich und ich würde nicht damit rechnen wollen, dass dieser Level derart bleibt.
- Stimme ich zu (außer der Bemerkung zum US Konjunkturpaket; hier widerspreche ich).
FAZIT: Einige von Ihnen werden mich nun sicherlich für einen hoffnungslosen Skeptiker und Schwarzmaler halten (obwohl ich es nicht bin; ich sehe mich eher als Realisten), jedoch kann ich damit leben. Ich sehe China durchaus als ein sehr attraktives Feld für längerfristige Engagements! Gleichzeitig denke ich aber, dass man dort sehr genau wissen sollte, was man tut. Herr Basenese ist mir, was China angeht, etwas zu optimistisch. Wenn Sie aber am Aktienmarkt zugreifen möchten, dann würde ich es wohl dort tun. Und wer gerne etwas mehr Auswahl an Werten und mehr Analysen hätte, für den sei u.a. auf Tiger&Dragon, einem Börsendienst des Verlags zu genau diesem Thema, verwiesen.