Gast-Artikel: Wandelanleihen
Alexander Green in Investoren Wissen
vom 29. Januar 2009, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
vor über einer Woche empfahl ich den Oxford Club Abonnenten, sich Wandelanleihen einmal etwas näher anzusehen. Diese stellen eine Möglichkeit dar, einerseits Wertpapiere zu halten, welche Einkommen generieren, andererseits aber auch an positiver Aktienentwicklung zu profitieren. Dies passt nahezu perfekt in unser "Asset Allocation Portfolio", da wir empfehlen, 10% in Hochzinsanleihen und 10% in Anleihen mit hohem Kreditrating zu investieren. Die wenigsten Anleger kennen sich mit Wandelanleihen gut aus, daher möchte ich Ihnen heute einen kleinen Auszug aus einem meiner früheren Artikel zu dem Thema zukommen lassen...
Die Aktien fangen wieder an sich zu bewegen - der Dow stieg über 6% allein die letzte Woche - aber viele Investoren sind skeptisch, wie lange die Rallye halten wird. Der Markt hat sich bereits jetzt schon etwas zurückgezogen.
Wie ich in der Januar-Ausgabe des Communiqués beschreibe, glaube ich fest daran, dass dieses Jahr trotz der wirtschaftlichen Talfahrt ein gutes Jahr für Aktien wird.
Aber wenn Sie sich ein wenig "waffenscheu" nach der Achterbahnfahrt des letzten Jahres fühlen, so gibt es eine zweitbeste Alternative: Wandelanleihen [Anm. d. Ü.: engl. "convertible bonds", "convertibles"].
Convertibles sind Unternehmensanleihen, welche in Aktien der ausstellenden Firma verwandelt werden können. Zum Zeitpunkt der Emittierung der Wandelanleihe gibt die Firma genau an, in wie viele Aktien die Unternehmensanleihe umgewandelt werden kann, den Preis, zu dem die Umwandlung erfolgen kann und das Zeitfenster hierfür.
Typischerweise haben Wandelanleihen einen niedrigeren Zinssatz als normale Anleihen. Da aber dem Halter das Recht gegeben wird, die Anleihe in Aktien umzuwandeln - oftmals zu einem substantiellen Abschlag zum aktuellen Marktpreis der Aktie - bieten Convertibles ein vortreffliches Aufwärtspotential.
Wandelanleihen - Konservativer als Aktien
Wandelanleihen sind konservativer als Aktien, denn sie stellen einen übergeordneten Anspruch an das Unternehmen dar und bringen trotzdem Zinsen, auch wenn die zugrundeliegende Aktie nicht im Kurswert steigt. Und sie sind aggressiver als normale Anleihen, denn ein Kursabfall der Aktien des Ausstellers der Anleihe kann diese negativ belasten.
Wenn jedoch die zugrundeliegende Aktie steigt, wird die Anleihe mitsteigen. Sie haben somit, als Quintessenz, die Sicherheit einer Anleihe, welche mit dem Kursgewinnpotential der Aktien des Unternehmens kombiniert ist.
Wie nahezu jede Anlageklasse (außer US Staatsanleihen und physischem Gold) hatten auch Wandelanleihen 2008 ein schweres Jahr. Warum? Sowohl Unternehmensanleihen als auch deren Aktien fielen beide steil.
Aber Wandelanleihen stellen jetzt einen exzellenten Wert dar, besonders für Investoren welche nur ihren sprichwörtlichen Zeh ins Wasser halten möchten.
Aus diesem Grund sollten Sie erwägen, ein paar Wandelanleihen Ihrem Portfolio hinzuzufügen bzw. bestehende Positionen in ihrem Investment-Portfolio auszubauen.
Gutes Investieren,
Alexander Green
KOMMENTAR ZUM ARTIKEL VON HERR GREEN:
Ich stimme Herr Greens Meinung hinsichtlich Wandelanleihen zu; diese sind auch meiner Erfahrung nach kaum bei den meisten Anlegern bekannt. Wandelanleihen können sehr attraktive Instrumente sein, doch möchte ich an dieser Stelle ein wenig zu Vorsicht raten, da es hier doch einige Faktoren und Variablen zu beachten gibt. Verstehen Sie als Anleger, wie sich der Preis einer Wandelanleihe im Detail ergibt? In anderen Worten: Wie viel zahlen Sie für das Recht, in Aktien wandeln zu können? Können Sie sämtliche Szenarien abschätzen, wie sich der Kurs grob entwickeln könnte, z.B. je nach Geschehnissen im Markt? Die Liste mit Fragen lässt sich fortsetzen. Was ich damit sagen möchte ist: Wandelanleihen sind, wie viele andere Finanzmarktinstrumente auch, ein interessantes Mittel für bestimmte Situationen. Sie sollten jedoch genau wissen, was Sie tun. Auch hier gilt die eiserne Regel: Investieren Sie nur in Dinge, die Sie vollständig verstehen.