Gast-Artikel: Der Punkt des maximalen Pessimismus (Teil 2)
Louis Basenese in Investoren Wissen
vom 28. Januar 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des Gastbeitrags von gestern)
Aktienprofite vom Punkt des maximalen Pessimismus
Der verstorbene Sir John Templeton glaubte "Die Zeit des maximalen Pessimismus ist die beste Zeit um zu kaufen." (Ich stimme zu.) Und genau das tat er.
Aber er lud sich nicht wie ein Besinnungsloser das Boot voll. Stattdessen wählte er handverlesen genau die Firmen aus, welche güstig bewertet waren, solide Geschäftsmodelle hatten und überdurchschnittliche Wachstumsaussichten mit sich brachten.
Er sprach von Firmen wie etwas die in Minnesota ansässige Fastenal. Hierbei handelt es sich um einen Lieferanten von Muttern, Bolzen, Werkzeugen und anderen Einzelteilen, welcher sowohl Produzenten als auch Bauunternehmer beliefert.
Ich gebe zu, dass solch ein Geschäft unspektakulär und abstumpfend langweilig ist. Aber Tatsache ist, dass die nahezu 700,000 Produkte der Firma essentiell sind. Sie werden genutzt um große Gebäude wie Industriewerke oder einen Campus auf dem Laufenden zu halten, aber auch um Möbel, Werkzeuge oder Trucks zusammenzuhalten.
Rezession oder nicht: Die Nachfrage für Fastenals Produkte bleibt stabil. Ansonsten würden, um es einfach auszudrücken, viele Dinge einfach nicht mehr funktionieren.
Wären Sie Mitglied des Oxford Clubs hätte ich Sie schon im November letzten Jahres auf diese Aktie hingewiesen. Die Firma meldete kürzlich ihre Ergebnisse. Und raten Sie mal? Sie übertrafen die Erwartungen. Die Firma meldete einen 10% Profitanstieg und einen beneidenswerten "same-store" Umsatzwachstum von 8%.
Auch in Zukunft wird die Firma weiter wachsen, dank vier wesentlichen Wettbewerbsvorteilen - unerreichte Bequemlichkeit, Marktdurchdringung, Führungsposition im Kostenbereich und Angebotsindividualität.
Starker Insider-Besitz, zweistellige Wachstumsmöglichkeiten und die attraktivste Bewertung in über 10 Jahren (nährungsweise 40% unter dem historischen KGV) machen die Aktie einfach zum Muss. Ich bewerte sie immernoch als "Kauf".
Ob Sie meiner Analyse zu Fastenal nun trauen oder nicht, denken Sie daran: Die Verdienstschätzungen der Analysten ähneln einem Wasserfall. Jede Woche fallen und fallen sie. Irgendwann schießen sie über die Marke hinaus.
In vielen Fällen, so wie bei Fastenal, taten sie es bereits. Und das bedeutet viele Schnäppchen-Aktien werden vom zwangsläufig anstehenden Umkehrpunkt vom Pessimismus zum Optimismus profitieren.
Gutes Investieren,
Lou Basenese
KOMMENTAR ZUM ARTIKEL VON HERRN BASENESE:
Wenn es darum geht, aufzuzeigen wie inkompetent die Masse der Wall Street Analysten offenbar ist, so kann man m.E. gar nicht direkt genug sein. Insofern stimme ich Herrn Basenese absolut zu, was den Punkt angeht.
Etwas weniger rosig sehe ich das Übertreffen von immer wieder im Vorfeld gesenkten Gewinnerwartungen. Die wenigsten Anleger denken angesichts der aktuellen Weltwirtschaftskrise ausschließlich in Quartalen und längerfristige Investoren von ihrer Natur her wohl erst Recht nicht. Natürlich ist es gut, wenn Aktien die (inzwischen durchaus sehr niedrig) gesteckten Zielmarken übertreffen, doch aus meiner Sicht entsteht hieraus keine neue Bullenbewegung oder gar starker Optimismus, wie Herr Basense es hier andeutet.
Viel mehr sehe ich durch die im obigen Artikel beschriebene Entwicklung mehr das Potential zu einer verlängerten Seitwärtsbewegung bzw. Verlangsamung eines weiteren Abstiegs. Dies könnte im besten Fall in eine Bärenmarkt-Rallye führen, aber auch hieran habe ich angesichts der fundamental immer schlechter werdenden Finanzlage der USA und einer ganzen Reihe weiterer Staaten meine Zweifel.
Was die individuelle Lage bei Fastenal angeht, kann ich nichts hierzu sagen, da ich diesen Wert nicht selbst analysiert habe. Die allgemeine Argumentation von Herrn Basenese Artikel scheint mir aber durchaus fundiert und nachvollziehbar. Lediglich die Schlüsse, die hieraus gezogen werden, enthalten mir zu viel Optimismus und spiegeln die fundamentalen Realitäten m.E. nicht realistisch wider. Nur aufgrund von Analystenschätzungen, die vielleicht etwas vorauslaufen, würde ich keine Aktien mittel- bis längerfristig kaufen (höchstens kurzfristig traden). Langfristiges Steigen von Aktien ergibt sich durch einen Trend steigenden Unternehmensgewinns, nicht durch punktuelle Diskrepanzen (wie vielleicht ein Übertreffen von ständig gesenkten Prognosen). Diesen Trand kann ich aktuell aber in vielen Branchen nicht erkennen (höchstens in einzelnen Ausnahmewerten).