Gast-Artikel: Der CRB Index
Dr. Scott Brown in Investoren Wissen
vom 24. Februar 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Der CRB Index: Was Rohstoffe den Anlegern über Aktien erzählen können
In den Jahren 1933 und 1934 tat Präsident Franklin D. Roosevelt das Gleiche, an dem jetzt auch Obama arbeitet - Verringerung des Fehlverhaltens in unseren Kapitalmärkten durch Verstärkung von Transparenz und Regulierung.
Die meisten Anleger wissen, dass die SEC (= US-amerikanische Börsenaufsicht) und unsere grundlegenden Aktiengesetze in jenen Jahren in Kraft gesetzt wurden...
Wenige wissen, dass im Jahre 1934, auf Verlangen des US-Bundesministeriums für Finanzen, das Amt für Arbeitsmarktstatistik mit der Berechnung eines täglichen Rohstoff-Preis-Index begann, unter Verwendung von Tagespreisen für leicht reagierende Rohstoffe.
Der "Commodities Research Bureau Index" (der CRB Index, Index des Amts zur Untersuchung der Rohstoffe) lässt Sie erkennen, was die Rohstoffmärkte tun, genau so wie es der S&P 500 für die Aktien macht.
Viele Anleger, die auf Aktien fokussiert sind, fasziniert der Gedanke, einem Rohstoff-Index zu folgen, nicht. Und das ist bedauerlich ...
Der CRB Index - Ganz anders als der S&P 500
Der CRB Index unterscheidet sich sehr vom S&P 500 Index. Er gibt uns mehr als nur die aktuellen Preise für einige Rohstoffe. Er sagt uns etwas über Profitabilität. Und für Anleger ist es gerade jetzt äußerst wichtig, darauf zu achten.
Der S&P 500 erfasst die Stimmungsschwankungen der Anleger, deren tägliche Meinung den Preis für Namensaktien auf dem Papier beeinflusst.
Rohstoffmärkte und Terminhandel unterscheiden sich davon sehr:
- Sie repräsentieren Grundstoffe, die von tausenden zwischengeschalteten Verarbeitern gekauft werden, die diese Ressourcen unmittelbar in Verbrauchsgüter verwandeln oder indirekt zu industriellen Zwischenprodukten.
- Dies erzeugt eine sehr reelle Beziehung zwischen der Profitabilität der Produzenten, welche die Rohstoffe verbrauchen, und dem Preis, den Minen, Quellen und Anbauer den Herstellern der Halbfertigprodukte berechnen können.
- Wenn die Rohstoffpreise steigen, erhöhen sich ebenso die Produktionskosten für die Hersteller.
Der CRB Index im Vergleich zum PPI Index
Der CRB Index unterscheidet sich stark vom "Producer Price Index" (PPI, Preis-Index der Produzenten), der die durchschnittliche Veränderung der Preise, die inländische Produzenten für ihre Waren erzielen, wiedergibt. Der CRB gibt den Blick auf die Theorie des Firmenvergleichs aus Kostensicht wieder, der PPI aus Sicht der Preise.
Wenn der CRB Index wirklich schnell hochgeht, während der PPI langsamer steigt, weiß man, dass die Unternehmensgewinne "ausgequetscht" werden. Das Umgekehrte gilt, wenn der PPI steigt und der CRB fällt.
Verringerte Profitabilität bei den Verarbeitern wird viele Entlassungen verursachen, gefolgt vom Zusammenbruch der schwächeren Wettbewerber. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dies ist der Grund, weshalb wir eine Explosion der Arbeitslosigkeit sehen mussten.
In den letzten Jahren sind in die Höhe schießende - und stark schwankende - Rohstoff-Preise mit verringerter Verbrauchernachfrage weltweit kollidiert. Dies hat erzeugt, was zur heftigsten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise wird. Und nur wenige Wirtschaftsbereiche sind auf der ganzen Welt unversehrt geblieben.
Aber diese verringerte Nachfrage ist auch auf die Hersteller der Ausgangsmaterialien durchgeschlagen. Sie könnte ein perfektes Szenario für einen ernsten Rohstoff-Bärenmarkt erzeugen.
Während das die Erzeuger schmerzen mag, können die Verarbeiter dies als Gelegenheit sehen, ihre Gewinnspannen anzuheben, da sie Vorteile aus der festen Seite der CRB/PPI-Gleichung ziehen. Und für Anleger ist es nie verkehrt, ein Auge auf Gewinne zu werfen.
Es beginnt alles mit ordentlichem finanziellem Wissen,
Scott Brown
KOMMENTAR ZUM ARTIKEL VON HERR DR. BROWN
Zunächst einmal finde ich, dass Herr Dr. Brown hier die Index-Zusammenhänge gut erklärt, denn es kann ganz nützlich sein, sich die angegebenen Verhältnisse aus CRB/PPI etc. immer einmal wieder näher anzusehen. Dies tue ich auch regelmäßig.
Was mir in Dr. Browns Artikel jedoch fehlt, ist ein Exkurs, ob die Zusammensetzung des CRB Index heutzutage noch sinnvoll ist oder nicht. Hier gehen die Meinungen auseinander und inzwischen gibt es zahlreiche alternative Rohstoffindizes.
Nicht übereinstimmen mit Dr. Brown tue ich bei seinen Aussagen zur Entstehung bzw. den Ursachen der "heftigsten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise". In meinen Augen lässt Herr Dr. Brown hier einige wichtige Faktoren aus bzw. übersieht diese, was jedoch den Rahmen dieses Kurzkommentars sprengen würde.
Völlig widersprechen muss ich Herrn Dr. Brown bei seinen Aussagen zu einem anstehenden Rohstoff-Bärenmarkt. Es ist nicht wirklich relevant, ob der Bedarf für Rohstoffe steigt oder fällt. Solange das Angebot noch stärker fällt als der Bedarf (was den meisten Rohstoffen die nächsten Jahre bevorstehen dürfte, wenn man z.B. Rohstoff-Legende Jim Rogers und einer ganzen Reihe weiterer Branchexperten folgt), dürfte sich die nächsten Jahre hier kaum ein harter Bärenmarkt entwickeln. Natürlich kann aber auch hier die Krise noch für einen Wirbel sorgen, je nachdem wie sich die Dinge weiter entwickeln werden. Aktuell sieht es aber wohl eher nicht danach aus.
Beste Grüße
Alexander Hahn