Gartengespräch
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 02. Mai 2008 12:00 Uhr
ENL5454
*** Thema Gold.
Bekanntlich sehen wir beim Gold gerade eine Korrektur.
Tja, Bullenmarkt vorbei?
Meine Antwort werden Sie vielleicht schon erahnen: „Nein, noch nicht vorbei“!
In diesen Tagen wird gelegentlich von einer „Parallele zu 1980“ gesprochen/geschrieben. Was damit gemeint ist:
Der letzte Gold-Bullenmarkt endete 1980, damals schoss der Goldpreis auf über 800 Dollar je Feinunze. Und danach begann….ein rund 20 Jahre dauernder Bärenmarkt für Gold.
Doch die derzeitige Situation ist in Bezug auf Gold ganz anders als die Situation des Jahres 1980!
Begründung: Damals fuhr die amerikanische Notenbank einen harten Kurs. Sie ging drastisch gegen die Inflation vor….die Leitzinsen wurden auf ein zweistelliges Niveau erhöht, die Fed verlieh zeitweise nur für 15% Geld. Zudem: Die USA hatten damals ein Plus in der Leistungsbilanz.
Vergleichen Sie das mal mit der aktuellen Situation: An der Spitze der US-Notenbank steht ein Mann, der die Leitzinsen in den letzten Monaten drastisch gesenkt hat, zwischenzeitlich sogar in Panik-ähnlichen Schritten (außerhalb der regulären Sitzung). Die US-Geldmenge erhöht er kräftig, Kreditvergabe wird gefördert, und von ausgeglichener oder sogar positiver Leistungsbilanz keine Spur. Das alles sind Faktoren, die für einen steigenden Goldpreis sprechen. Gold, das „reale Geld“, im Vergleich zum Dollar.
Ich würde mich sogar freuen, wenn der Goldpreis noch mal auf 800 Dollar je Feinunze zurückkommen würde. Denn dann heißt es meiner Ansicht nach: Kaufen, kaufen, kaufen.
*** Letztens überraschte mich ein Nachbar mit seiner Lebensgeschichte.
Ich saß bei und mit ihm in seinem Garten, er öffnete eine Flasche trockenen Weißwein, ich fragte ihn nach seiner Arbeit als Kameramann.
Und dann berichtete er, dass er während des Vietnam-Kriegs in Vietnam und Kambodscha gearbeitet hatte. Einmal sollte er mit einem Team rausfahren, wurde kurzfristig umdisponiert – und der Jeep, mit welchem er eigentlich fahren sollte, wurde von den Roten Khmer mit Panzerfast abgeschossen. Alle Kollegen starben.
Ein weiteres Team, in einem folgenden Jeap, wurde verschleppt, die Männer wurden zu Tode geprügelt.
Rund 20 Jahre später kehrte mein Nachbar nach Kambodscha er zurück, mit Hilfe der US-Armee wurden die Leichen der toten Kollegen gesucht und bis auf eine auch gefunden, sie konnten endlich den Familien übergeben werden.
Seine Erzählungen waren spannender als jeder Krimi (auch wenn der Tatort letzten Sonntag nicht schlecht war, musste gestern noch an „Opa Sirsch“ denken).
Und gleichzeitig war ich froh, dass das Leben als Trader´s Daily-Redakteur doch in der Regel in ruhigeren Bahnen verläuft.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel