G20 Gipfel und alle Börsen im Plus
Tom Firley in Investors Daily
vom 2. April 2009, 18:00 Uhr
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Liebe Leser,
ausgerechnet heute, am Tag des G20-Gipfels überschlagen sich die positiven Neuigkeiten. Oder besser gesagt: Die Neuigkeiten werden positiv aufgefasst. Oder noch anders: Die Börse, zumindest der Dax, wollte heute nach oben. Im Kurzdurchlauf:
Die EZB hat die Leitzinsen nicht wie erwartet um 0,50 % gesenkt, sondern nur um 0,25 % auf 1,00 %. Eigentlich sollte dies die Marktakteure enttäuschen. Allerdings hat der Rückschluss, dass „ja alles gar nicht so schlimm sein kann", wenn die EZB die Zinsen nur um 25 Basispunkte senkt, etwas für sich... Zumindest verhielten sich die Börsianer dann entsprechend und trieben die Kurse nach oben.
Deutsche-Bank-Chef Ackermann verkündete solide Zahlen für den März, nachdem schon der Januar und der Februar relativ gut ausfielen. Die Börsianer bedankten sich mit Engagements in voller Breite und schickten die Deutsche-Bank-Aktie um über 13% nach oben.
Was kam noch? Richtig, die Auto-Absatzzahlen. Die fielen recht gut aus, so dass BMW und Daimler ebenfalls um die 15% gewinnen konnten.
Ich möchte kein Unkenrufer sein. Warum auch, schließlich haut die Strategie der vorsichtigen Einstiege ja (noch) hin. Allerdings ist es doch sehr seltsam und fast schon unglücklich, dass ausgerechnet heute die Weltbörsen zulegen. Heute, wo in London 20 sehr wichtige Menschen über mögliche Auswege aus der Finanzkrise debattierten... In aller Kürze:
Laut den ersten Meldungen aus London wollen die 20 stärksten Wirtschafts-Nationen die ärmsten Länder mit über 1.000 Milliarden Dollar unterstützen.
Kommentar: Aha. Das ist ja eine feine Sache. Und ich dachte schon, es müssten Lösungen für die USA gefunden werden, wo das Schlamassel ja seinen Anfang nahm. Und ich dachte immer, dass gerade auch Lösungen für die starken Länder gefunden werden müssen. Aber gut zu wissen, dass die Starken nun die Schwachen unterstützen. Denn das bedeutet ja im Umkehrschluss: HURRA, die starken Nationen haben überhaupt keine Probleme. Jawoll, super, ran an die Börse, was wir seit Ende 2007 sehen ist die größte Bärenfalle aller Zeiten... (äh, das meine ich natürlich nicht ernsthaft so).
Weiterhin hören wir aus London, dass ab jetzt Steueroasen bekämpft werden und die Finanzmärkte viel strenger reguliert werden sollten.
Kommentar: Steueroasen? Meinetwegen können die bekämpft werden. Ich bin mir aber sicher, dass die Superreichen, die genau diese Oasen nutzen, andere Wege finden werden, um die ach so hart ersparten Gelder sinnvoll anzulegen. Ja, ich bin auch dafür, dass die Finanzmärkte viel strenger reguliert werden sollten. Aber wurde das nicht bereits im November 2008 gesagt?
Nun, vielleicht habe ich die ersten Meldungen aus London auch falsch verstanden. Und wie weit die Rally auf Stelzen noch laufen wird, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Ziehen Sie einfach die Stopps nach. Aber eines kann ich Ihnen sagen:
Scheinbar denken sehr viele Markt-Akrobaten, dass die Krise nun vorbei sei. Daher fällt der „sichere Hafen" auf etwa 900 Dollar. Ich weiß nicht, wo dieser Hafen nächste Woche stehen wird. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er Ende des Jahres über 900 Dollar stehen wird.
Was ich mit dem sicheren Hafen meine?
Gold natürlich...
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
Chefredakteur Investors Daily PS: Die Investors-Daily-Leser, die sich noch nicht für das Investors Daily Update angemeldet haben, finden im nächsten Beitrag meine Einschätzung zum heutigen Weltfinanz-Gipfel. Ich bitte zu beachten, dass ich diesen Text heute Morgen geschrieben habe. Schlussendlich ist nach heutigem Stand genau meine Befürchtung eingetreten. Lesen Sie selbst.