G20-Gipfel
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 11. November 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
heute findet (schon wieder) ein G20-Gipfeltreffen statt. Es dürfte das einzige Ereignis sein, welches die völlig ahnungslose amerikanische Geldpolitik und deren langfristig katastrophale Folgen für die Weltwirtschaft noch stoppen könnte. Allerdings glänzen die Teilnehmerstaaten wie so oft im Vorfeld mit Zerstrittenheit. In Bezug auf die Währungspolitik und mögliche „Exportbremsen“ gibt es gar offenen Streit. Von einer Einigung in dem seit Wochen schwelenden Konflikt zwischen den wirtschaftlich angeschlagenen USA und den führenden Exportnationen China und Deutschland ist man weit entfernt.
Die USA wollen per Abkommen eine politische Festlegung von Obergrenzen für Leistungsbilanzüberschüsse oder –defizite, um so Ihre Exporte anzukurbeln. Dies wird von anderen Staaten jedoch strikt abgelehnt. Es scheint so, als wäre die amerikanische Geldpolitik, die eine weitere drastische Abwertung des US-Dollars zur Folge haben wird, die Alternative zu diesem Abkommen. Allerdings nur so lange, wie die anderen Staaten bei der Abwertung nicht nachziehen. Diese müssten dann allerdings ihrerseits Exportnachteile durch ihre stärkere Währung in Kauf nehmen. Normalerweise kommt es bei einer Strategie wie der amerikanischen über kurz oder lang zu einem Abwertungswettlauf der einzelnen Währungen. Als Alternative gelten Einfuhrzölle und andere Handelsbeschränkungen, mit denen dann geantwortet wird. Sie sehen schon: Gibt es in Seoul keine Einigung, droht eine schrittweise Lähmung des Welthandels, von der das exportorientierte Deutschland besonders stark betroffen wäre.
Erste Signale, wie ein Kompromiss aussehen könnte, kamen aber bereits aus amerikanischen Delegationskreisen. Man sei schon mit unverbindlichen Leitlinien in Bezug auf die internationalen Handelsströme ohne konkrete Zahlen zufrieden. Ziel der USA ist es, ihre Exporte ausweiten. Dazu hat Präsident Obama schon vor Monaten eine „Exportinitiative“ ausgerufen. Die USA leiden unter einem chronischen Handelsbilanzdefizit, das heißt, sie importieren zu viel und exportieren zu wenig. Strukturreformen wären sicher der bessere, wenn auch etwas langwierigere Weg, um daran etwas zu ändern. Deutschland ist schließlich auch nicht als Exportweltmeister zur Welt gekommen. Der G20-Gipfel wird jedoch das bleiben, was er immer war: Eine mit viel Pomp ausgetragene Diskussionsrunde, die zu keinen durchgreifenden Beschlüssen fähig ist.
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