Fundamentale Überlegungen sind wichtiger als Panikreaktionen
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 23. Januar 2008 20:45 Uhr
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Liebe Leser,
die Welt ist im Aufruhr, wie es scheint! Im Angesicht einbrechender Aktienmärkte, Bundeskanzlerinnen die vor der Panik warnen, Nachrichtensendungen die den Menschen versichern ihre Sparguthaben und Riesterrenten seien sicher, geraten die Menschen offensichtlich erst wirklich in Panik. Besonders deutlich wurde mir dieser Umstand bewusst, nachdem mich heute morgen die ältere Dame von gegenüber daraufhin ansprach, dass offensichtlich mit der „Börse etwas nicht in Ordnung sei“, sie hätten „im Fernsehen etwas darüber gebracht“. Und ich stelle mir seufzend die Frage, warum sie nicht einfach alle dem Beispiel Bill Clintons am Martin-Luther-King Day folgend, die Augen zugemacht und sich dem wohlverdienten Schläfchen hingegeben haben.
Zwar kann man die Augen nicht vor den Auswirkungen der Subprimelenderkrise verschließen, doch die gegenwärtige Wirtschaftslage ist ja nun nicht neu. Nicht erst seit Montag steht die USA vor einer Rezession, muss Europa sich Gedanken um sein Wirtschaftswachstum machen, bekämpft China die Inflation, senkt die FED ihren Leitzins und bekämpft die Inflation eben nicht, dafür aber die Abschwächung des Wirtschaftswachstums, haben die großen Banken hohe Abschreibungen zu verzeichnen. Doch kaum geben die Aktienmärkte nach, schüren die Medien durch ihre Berichterstattung die Panik noch mehr. Und Otto Normalanleger gibt sich dem Herdentrieb hin und springt mit den anderen Lemmingen über die Klippe. Der Griff ins fallende Messer oder „Wartet auf mich, ich muss auch noch Verluste generieren“. Das aber ist das Schlimmste was man machen kann, egal ob auf dem Markt oder ob man sich in einem brennenden Gebäude befindet: In Panik ausbrechen und den anderen Panischen hinterher rennen.
An dieser Stelle heißt es vor allem einen kühlen Kopf zu bewahren und zu warten bis sich die Verunsicherung gelegt hat. Denn die ist offensichtlich momentan vorherrschend. So lange aber der Markt wie ein Mann ohne Kopf agiert, tun sie am besten erst einmal gar nichts. Auch wenn die ganz Cleveren solche Situationen immer nutzen um sich günstig zu positionieren.
Wie ich gestern schon sagte, ist der Sturm noch nicht ganz vorüber, doch jetzt den Glauben zu verlieren käme einem finanziellen Selbstmord gleich. Denn Panik hat nichts mit fundamentalen Überlegungen zu tun, die aber einzig in einer solchen Situation das Überleben garantieren. Wachstumsstrategien haben im Angesicht steigender Teuerungsraten nichts mit Sparkonten zu tun, sondern nur mit der richtigen Positionierung in den Aktien-und Rohstoffmärkten.
So viel für heute einmal zum Herdentrieb. Sprechen wir nun über ein paar fundamentale Überlegungen.
Industriemetalle als Verlierer?
Nun, grundsätzlich sind natürlich die Industriemetalle als Segment der Rohstoffe für eine abschwächende Konjunktur anfällig für eine eher enttäuschende Preisentwicklung. Grundsätzlich gesprochen wohlgemerkt, denn hier gilt es sehr wohl Unterschiede zu machen. Es kommt nämlich trotz aller Korrelation zur konjunkturellen Datenlage sehr wohl auch auf die fundamentale Betrachtung an. Wo eine Nachfrage besteht und das Angebot nicht mithalten kann steigt eben auch der Preis. Zwar litten die Industriemetalle auch im letzten Jahr teilweise bereits unter der schwächelnden US-Konjunktur, aber eben nur teilweise. Andere Metalle generierten Preisgewinne, wie Zinn und Blei beispielsweise. Und überdies kristallisierte sich immer stärker auch der von mir so genannte China –Faktor heraus. Diese im vergangenen Jahr am stärksten wachsende Volkswirtschaft ist ein wesentlich deutlicherer Indikator für die Preisentwicklung verschiedener Metalle. Und nicht nur China, die Volkswirtschaft die es sich durchaus leisten kann zur Bekämpfung der Inflation das Wirtschaftswachstum etwas abzukühlen, nein, auch die anderen Schwellenländer Asiens und auch Russland beweisen weiterhin eine starke Dynamik, die sich auch in diesem Jahr weiter fort setzen dürfte.
Zu Zinn im Konkreten!
So oder so, kommt es auf eine kühle Überlegung stärker an als auf alles andere. Und auch bei Zinn ist es in diesem Jahr mit Sicherheit der Chinafaktor der die Preise unterstützen dürfte. Denn China verbraucht Zinn in solchen Mengen, dass das Land inzwischen zum Nettoimporteur geworden ist. Chinas Zinnimporte sind inzwischen doppelt so hoch wie seine Exporte. Zudem hat China erst am 2. Januar eine 10%ige Exportsteuer auf raffiniertes Zinn eingeführt. Experten erwarten für dieses Jahr eine weitere Anhebung der Exportsteuer. Zwar versucht China die Produktion zu erhöhen um die Versorgung des heimischen Marktes zu gewährleisten, bis aber diese Vorgänge wirklich zu einem signifikanten Ergebnis führen dürfte wohl noch mindestens ein halbes Jahr vergehen.
Nicht alle Industriemetalle werden in diesem Jahr zu den „Konjunktur-Verlierern“ gehören. Zwar werden die Preisgewinne wohl nicht horrend stark sein, aber dennoch präsent.