Fundamentalanalyse oder Charttechnik - Welche Methode ist besser?
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 18. Januar 2012, 13:00 Uhr
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Auf der Suche nach den Gründen
Griechenland war zu diesem Zeitpunkt schon längst "gerettet". Die Probleme waren also schon Monate lang bekannt. Dies konnte den Crash nicht mehr ausgelöst haben. Auch die US-Schuldengrenze wurde planmäßig angehoben. Ein Grund für steigende Kurse. Es gab demnach nichts, was auf einen Crash genau zu diesem Zeitpunkt deutete.
Am Ende wurde der Crash vielfach mit der angekündigten Herabstufung der Bonität der USA begründet, die kurz nach dem Crash veröffentlicht wurde. Die SEC ermittelte wegen des Verdachts auf Insiderinformationen (17. August: "Eine mögliche Erklärung für den Crash"), da der Crash eben bereits vor der offiziellen Bekanntgabe eingeleitet wurde. So eine Entwicklung kann man (und auch Ihr Autor) allerdings nicht vorhersehen.
"Darum kam der Crash so spät und so plötzlich!"
Meine persönliche Erklärung für den Crash hatte ich dann am 22. August veröffentlicht: "Darum kam der Crash so spät und so plötzlich!". Der Crash kam erst, als der Nachschub an Liquidität stoppte.
Fazit
Mit dem heutigen Beitrag will ich mich keineswegs schon wieder dafür rechtfertigen, dass ich vor einem halben Jahr mal einen (unvorhersehbaren) Crash nicht vorhergesehen habe. (Das habe ich schon nach dem Crash ausführlich getan.) Vielmehr soll der heutige Beitrag ein praktisches Beispiel für das aufzeigen, was ich in den letzten beiden Tagen schrieb:
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Es gab fundamentale Gründe (US-Konjunkturdaten, Sparmaßnahmen der europäischen Länder), die auf fallende Kurse hindeuteten.
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Es gab Chartformationen (Keilformation), die bei einem Bruch fallende Kurse erwarten ließen.
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Es gab saisonale Gründe, die auf schwache Sommermonate hindeuteten.
Doch trotz der Hinweise kam der Crash plötzlich und überraschend. Vermutlich, weil die Liquidität den Aktienmarkt künstlich hoch hielt.
Überprüfung der aufgestellten Thesen
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Blickt man also von heute auf die vergangene Entwicklung, so haben uns die fundamentalen Daten tatsächlich die tieferen Kurse anzeigen können. Die These stimmt also.
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Genauso stimmt die These, dass Kursbewegungen am Finanzmarkt eine Wirkung auf die Wirtschaft haben können. Schließlich brachten die hohen Zinsen einige Staaten kräftig in Bedrängnis, zwangen sie zu Sparmaßnahmen und würgten so deren Wirtschaft ab.
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Gewöhnlich stimmt auch die These, dass die Charttechnik solche Entwicklungen frühzeitig anzeigen kann, weil der Aktienmarkt fundamentale Entwicklungen antizipiert. Im vorliegenden Fall hat die Liquiditätsflut diese Regel allerdings ausgesetzt.
Charttechnik oder Fundamentalanalyse?
Vielleicht können Sie sich, dank der Beiträge in dieser Woche, die Frage selbst beantworten, ob nun die Charttechnik oder die Fundamentalanalyse besser ist. Ich für meinen Teil präferiere immer noch eine Kombination aus beidem. Gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Beispiels, in dem die Charttechnik mehr oder weniger versagt hat. Genauso konnte die Fundamentalanalyse den Zeitpunkt für die fallenden Kurse nicht exakt bestimmen, lediglich darauf hindeuten, dass es zu fallenden Kursen kommen wird. Dass es zu einem Crash kommen würde, konnten beide Methoden nicht vorhersagen.
Lässt man mal die seltenen Szenarien von "schwarzen Schwänen" oder eben auch nur leichten Crashs außen vor, so tragen beide Analyse-Methoden dazu bei, ein gutes Bild der zukünftigen Entwicklung zu malen. Die Fundamentalanalyse ist dabei eher langfristig und kontinuierlich zu betrachten, die Charttechnik hilft sowohl bei kurzfristigen Marktbewegungen, als auch bei langfristigen Chartformationen die richtigen Ein- und Ausstiegspunkte zu finden. Anders ausgedrückt: Die Fundamentalanalyse verschafft eine grobe Standortbestimmung, die Charttechnik hilft bei der Feinjustierung.
Ich wünsche Ihnen gute Gewinne
Sven Weisenhaus
P.S.: Aktuell ist es übrigens genau umgekehrt: die US-Daten befinden sich im Aufwärtstrend, genau wie der Aktienmarkt. Die Saisonalität spricht bis zum Sommer für steigende Kurse, ein US-Wahljahr spricht hingegen eher zum Jahresende für steigende Kurse. In beiden Fällen sind aber weiter steigende Kurse aus saisonaler Sicht zu erwarten.