Fünf Investmentregeln für Ihren Erfolg
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 20. Juli 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
nachdem ich Ihnen letzte Woche zehn nicht ganz ernst gemeinte "Regeln" zum Investieren präsentiert hatte, ist es heute Zeit für den "ernsten" Teil.
Wie angekündigt möchte ich Ihnen fünf Regeln vorstellen, die aus meiner Sicht absolut zentral sind.
#1: Money-Management ist wichtiger als alles andere
Sie lesen richtig. Mich interessiert hier gar nicht Ihr System, nach dem Sie arbeiten, oder wie gut dieses letztlich ist. Money-Management geht vor alles andere, sowohl für den Investor als auch für den Trader.
Generell empfehle ich, in einem Portfolio nie mehr als 3%-4% pro Position zu riskieren.
Das sagt natürlich noch nichts darüber aus, wie groß Ihre Position letztlich wird, sondern es hängt das "capital at risk" bei einfachen Aktientrades etwa von der Differenz zwischen Einstiegskurs und Stop-Loss ab. Je näher also Ihr Stop-Loss am Einstiegskurs liegt, desto größer kann Ihre Position werden.
Mit einem wahrhaft meisterhaften Money Management und nur halbwegs vernünftigen Trades können Sie langfristig schon fast gar nicht mehr großartig verlieren. Leider wird die Bedeutung von Money Management aber gerade bei "Feierabend-Anlegern" (hier nicht wertend gemeint), Anfängern und Hobby-Tradern gnadenlos unterschätzt. Viel mehr wird oftmals nur gierig auf die Rendite und die potentiellen Chancen geachtet, anstatt emotionslos beim Money Management zu beginnen und damit die potentielle Trade-Situation zu analysieren, wie sie sich unter diesen Gesichtspunkten verhält (und sie dann trotz toller Renditechance ggf. doch noch auszusortieren).
#2: Handeln Sie immer die gleichen Situationen und passen Sie diese nur allmählich an
Wenn Sie Ihre Kapitalanlage verbessern möchten, dann handeln Sie nicht ständig verschiedene Situationen, sondern sklavisch die gleichen Varianten und protokollieren Sie genau, wie Ihre Ergebnisse sind. Ändern Sie nur allmählich Ihre Muster, um Stück für Stück Schwachstellen aus Ihrem Handelsansatz zu beseitigen.
Nur wenn Trading duplizierbar und nachvollziehbar wird, kann eine Qualitätssteigerung erreicht werden. Da nachhaltig erfolgreiches Trading eine Fähigkeit ist, die man lernen muss, ist ohne Nachvollziehbarkeit kein Fortschritt möglich. Und dies führt letztlich dazu, dass das eigene Konto früher oder später plattgemacht wird.
#3: Finden Sie einen Handelsansatz, der Ihrer Mentalität entspricht
Daytrading mag für viele Anfänger "extrem cool" sein, doch ist nicht jeder dafür geboren. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und finden Sie Ihre eigene Anlegermentalität. Ich kenne keinen Anleger, der erfolgreich ist und seine eigene Mentalität dabei nicht zentral berücksichtigt. Wenn Sie gegen Ihre eigene Mentalität handeln, werden Sie unruhig. Wenn Sie innerlich unruhig sind, werden Sie Fehler machen und Ihr Geld wird darunter leiden bis am Ende Ihr Konto platt ist.
#4: Traden Sie, um Geld zu verdienen - nicht, um sich zu beweisen, dass Sie Recht hatten
Das Beste beim Trading ist, keine Meinung zu haben und in Wahrscheinlichkeiten und Variablen zu denken. Zu viele Anleger bauen sich ein Szenario zurecht, was der Markt doch "jetzt mal tun müsse" und versteifen sich darauf. Traden um sich zu beweisen, dass man Recht hatte, ist der beste Weg ins Armenhaus.
Bleiben Sie erwartungsoffen und verfolgen Sie Ihre Indikatoren bzw. fundamentale Metriken. Schießen Sie sich niemals allzu fest auf ein Szenario ein. Es kann innerhalb weniger Tage vom Markt völlig zerstört werden.
#5: Fragen Sie nicht, was gut gehen, sondern was schief gehen wird
Seien Sie eine "Spaßbremse" bei der Kapitalanlage. Untersuchen Sie jedes Investment bzw. jeden Trade zunächst ausführlichst darauf, was schief gehen kann und blenden Sie dabei die mögliche Rendite völlig aus. Dies kann bei der Unternehmensbilanz beginnen oder für den Trader eben bei den einzelnen Indikatoren und dem Chart. Eine gesunde Paranoia ist hier manchmal ganz vorteilhaft.
Wenn etwas Ihnen kein gutes Gefühl gibt, hat das einen Grund. Seien Sie ehrlich mit sich selbst. Traden um des Tradens wegen führt zum Kapitalverlust.
Erst wenn Sie wissen, was wirklich schlimmstenfalls schief laufen kann und wie wahrscheinlich solche Fälle sind, können Sie Ihre Anlage realistisch beurteilen. Lassen Sie Wunschdenken und Zweckoptimismus in solchen Situationen raus. Dieser schadet Ihnen hier nur.
Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Regeln, aber Sie werden überrascht sein, wenn Sie einmal genau beobachten, wie viele Fehler gerade im Anfänger- und Hobbyanlegerbereich sich alleine mit diesen fünf grundsätzlichen Regeln vermeiden lassen würden.
Gute Kapitalanlage und beste Grüße
P.S.:
Ich freue mich, Ihnen heute im zweiten Teil der Ausgabe erstmals einen Artikel meines Kollegens Matt Badiali aus den USA zu bringen. Matt ist studierter Geologe und Börsenanalyst. Heute wird er Ihnen über Chinas Uranhunger berichten.
ähnliche Beiträge:
- Blick ins Archiv: Zwölf zeitlose Investmentregeln
- Vor der Börse sind alle gleich – Intelligenz ist kein Garant für den Erfolg
- Geheimnisse werden gelüftet
- Die fünf wichtigsten bearishen Triebfedern
- Baltic Dry Index
- Die auffälligsten Insidertransaktionen der letzten zwei Wochen
- Die Bausteine für Ihren Erfolg
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von peter (20.07. 2010 22:05 Uhr):
Ein sehr guter Artikel, Herr Hahn.
Antworten - Kommentar von Lenzkes (21.07. 2010 16:24 Uhr):
Hallo Herr Hahn, danke für diese gute Zusammenstellung. So, oder so ähnlich haben Sie ja schon häufiger Hinweise gegeben. Ich habe allerdings etwas Probleme mit dem money-management. Es ist zwar klar, ass man bei engen stopp-loss Werten die Verluste deutlich begrenzen kann. Aber dies hat auch zur Folge, dass man bei einem volatilen Markt häufiger ausgestoppt wird, sodass bei mehreren Positionen in Summe der Verlust doch größer wird. Gibt es für diese Situation eine Strategie? Macht es Sinn den spread zum stopp-loss zu variieren ob man noch in der Verlustzone oder schon in der Gewinnzone ist? Sollte man ein Depot ohnehin erst Zug um Zug aufbauen wenn man bereits einige Werte in der Gewinnzone hat? Vielleicht könnten Sie diese Gedanken noch etwas vertiefen. MfG D. Lenzkes
Antworten - Kommentar von Klaus Draeger (21.07. 2010 17:11 Uhr):
Ja, so gefällt Herr A. Hahn, sachlich, klar, nutzbringend und auf den Punkt gebracht und nicht geschönt. Vielen Dank von Klaus Draeger und vielen weiteren Lesern.
Antworten
weitere Ausgaben von
Investoren Wissen
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Donnerstag, 09. Februar 2012
Mittwoch, 08. Februar 2012
Dienstag, 07. Februar 2012
alle AusgabenVolumenTrend-Trader
Mit dem Handelssystem des VolumenTrend-Trader rennen Sie den Trends nicht hinterher, sondern handeln immer einen Schritt im Voraus!
Artikel weiterempfehlen