FTSE 100: Vorreiter in Sachen Abwärtsbewegung
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 5. September 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
über mehr als ein Jahrzehnt hat Großbritannien dank der Weichenstellung von Premierministerin Magaret Thatcher in der Wirtschaftspolitik und deren Weiterentwicklung durch den Labur-Premier Tony Blair hohe Wachstumsraten erzielt. Das Kapital, dass breite Bevölkerungsschichten bilden konnten, wurde traditionell in den Erwerb des eigenen Hauses gesteckt. Die Spekukationblase an den Immobilienmärkten traf nach den USA auch das britische Königreich hart. Die hohe Verschuldung, die auf vielen Immobilien lastet, macht vielen Eigentümer zu schaffen. Nicht zuletzt das hohe Zinsniveau, mit dem die Bank of England die überbordende Inflation bekämpfen wollte, wird vielen von ihnen nun zum ökonomischen Belastungsfaktor. Der britische Premierminister Brown, der seit knapp Jahr einem regiert, gilt vielen Briten als Synonym für die Abwärtsbewegung. Obwohl die Ursachen für die bevorstehende Rezession in Großbritannien nicht allein in seinen Verantwortungsbereich als Finanzminister während der Blair-Jahre zurückzuführen sind, trifft ihn momentan der Zorn der Bevölkerung.
Grundsätzlich kann Brown aber nicht viel an den bestehenden Zyklen ändern. Die enge wirtschaftliche Verbundenheit mit den USA, die intensiver ist als mit dem europäischen Kernland, bekommt das Königreich in guten wie in schlechten Zeiten sofort zu spüren . Es verwundert daher nicht, dass der Leitindex FTSE 100 den anderen europäischen Indizes in seiner abwärts gerichtetenEntwicklung etwas voraus ist. Das Rezessionsszenario hat der Markt längst eingepreist, Unsicherheit herrscht allein über Länge und Intensität der schrumpfenden Wirtschaftsphase. Als sicher gilt unter den Ökonomen, dass die Bank of England mit einem beschleunigten Zinssenkungsprozess in absehbarer Zeit beginnen wird und damit auch mittelfristig wieder mit höheren Aktienkursen zu rechnen ist. Für die nähere Zukunft müssen die Anleger aber noch mit einer Fortsetzung der Abwärtsbewegung im britischen Bluechip-Index FTSE 100 rechnen.
Vom Juli-Tief bei 5.120 Punkten ist der Index noch gut 240 Punkte entfernt. Der im Laufe der Woche eingeleitete neue Abwärtszyklus lässt vermuten, dass es zu einem Test des Jahrestiefs kommen wird. Die Fibonacci-Korrekturwellen bestätigen bislang, dass der FTSE 100 mit Erreichen der 5.000er Marke bereits 50 Prozent der vierjährigen Aufwärtswelle von 2003 bis 2007 korrigiert hat. Die Schwere der zu erwartenden Wirtschaftskrise in England und die damit verbundenen politischen Unsicherheiten scheinen aber das Potenzial zu besitzen, den FTSE 100 noch bis zur maximalen Korrekturausdehnung bei 61,8 Prozent der Aufwärtswelle nach unten zu drücken. Kursniveaus von 4.600 Punkten sind deshalb noch in diesem Herbst sehr wahrscheinlich. Erst danach wird eine ausgeprägte Erholung einsetzenund für Entlastung sorgen.
