Frühe Inflationssignale
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 20. Februar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Der Philadelphia Fed Index basiert auf einer Umfrage unter Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten in der Region. In dieser Umfrage wird nach der aktuellen Konjunkturlage und der Situation des Unternehmens gefragt. Der berechnete Gesamtindex besteht aus folgenden Teilindizes: Auftragseingänge, Auslieferungen, Auslieferzeiten, Lagerbestände, Auftragsrückstellungen, Beschäftigung, Gearbeitete Stunden, Bezahlte Preise, Erzielte Preise, Geplante Kapitalinvestitionen.
Der Phily Fed, wie er auch genannt wird, ist ein vielbeachteter Index. Er ist sehr zeitnah, das heißt, es liegt nur eine sehr kurze Zeitspanne zwischen Datenerhebung und -veröffentlichung. Gestern Abend um 18.00 Uhr wurde der Wert für Februar veröffentlicht, der Index fiel auf 31,4 Zähler nach zuvor 38,8. Erwartet wurde jedoch ein Wert von 35,4 Zähler.
Doch was mir besonders aufgefallen ist: Es gibt einen deutlichen Anstieg bei den beiden Teilindizes: "Bezahlte Preise" und "Erzielte Preise". Deutet sich hier ein Inflationsdruck an? Bis jetzt weist die Fed immer darauf hin, dass gerade die niedrige Inflationsrate noch genug "Spielraum" lässt, die Zinsen niedrig zu halten.
Diese Entwicklung, die sich dort im Phily Fed abzeichnet, könnte also einen nachhaltigen Einfluss auf die Märkte haben, zunächst jedoch auf den Euro und damit auch auf Gold. Ich sagte Ihnen ja, dass der Euro im Moment ein heißes Eisen ist – er fiel in den letzten 2 Tagen um knapp 3 Cent.
Heute wurde dann noch der Verbraucherpreisindex für Januar veröffentlicht. Dieser Wert ist demnach älter als die Anzeichen, die beim Phily Fed zu erkennen sind. Trotzdem sieht man auch hier erste "inflationäre" Tendenzen: Die Verbraucherpreise sind im Januar um 0,5 % gestiegen. Erwartet wurde ein Anstieg von 0,2–0,3 nach 0,2 %. Auch die Kernrate hat um 0,2 % zugelegt.
So langsam scheint sich der schwache Dollar über die hohen Rohstoff- und Energiepreise doch auf die Produktpreise auszuwirken. Noch mindert der Preiskampf bei vielen Produkten diesen Effekt, doch der Phily Fed scheint hier deutliche Signale zu setzen. Sollte die Inflation stärker zulegen, muss die Fed reagieren, das heißt, die Zinsen anheben. Und dann ist es auch unwichtig, ob der Arbeitsmarkt noch nicht angezogen ist.
Denn eine Inflation kann schnell aus dem Ruder laufen. Die Folgen einer Inflation sind ein Land katastrophal. Das geht bei einer ausufernde Inflation bis zur völligen Verarmung der Bevölkerung. Sollte sich also nun abzeichnen, dass das nicht nur ein kurzfristiger Anstieg ist oder die Preise exponential ansteigen, kann es sogar sein, dass die Fed bereits vor der Wahl reagieren muss. Schließlich wirkt sich eine Zinserhöhung in der Regel erst mit 6-monatiger Verzögerung aus.
Das wird im Moment vom Markt vorweggenommen. Zunächst reagieren die Devisen, sprich der Euro fällt. Das liegt daran, dass sich im Bereich Devisen hauptsächlich sehr erfahrene Investoren tummeln. Der Markt könnte mit einiger Verspätung auf diesen Umstand reagieren. Das bleibt abzuwarten. Zunächst wurde gestern vom Markt hauptsächlich der schwächere Gesamtindex des Phily Fed eingepreist. Dabei zeigten sich der S&P und der Dow noch recht stabil, der Nasdaq100 jedoch rutschte gen Süden.
Im Moment spielt die Musik übrigens im S&P. Hier hat sich ein signifikanter Widerstand bei 1160 Punkten gebildet. Seit Tagen versucht der S&P diese Marke zu brechen. Schafft der S&P diese Markte, könnte das zu einem kurzfristigen steilen Anstieg führen. Vielleicht wird es dann ja der letzte auf ein neues Jahreshoch in diesem Jahr werden.