Freude und Ärger
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 22. September 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Am Wochenende, wenn auch ein Trader´s Daily-Autor einmal bescheidene Stunden der Muße hat, „verschlang" ich Bücher zu Zarathustra und dem Zoroastrismus.
Und ich freute und ärgerte mich über Leserbriefe zu meinem Beitrag „Was ich im Iran erlebt habe."
Richtig freuen konnte ich mich über Zuschriften wie diese, von Trader´s Daily-Leser Harald K.:
"Wo rundum nur Geschrei und Schwarzmalerei den Untergang der Welt prophezeien, gehen Sie einfach auf Reisen, wechseln quasi ins `reale Leben´, um ganz großartige Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln und um vermutlich erstaunt festzustellen (zumindest geht es mir manchmal so), dass die Welt außerhalb der Börse doch recht gut funktioniert, Chancen bietet und zum Teil `ganz andere Sorgen hat´. Habe die Lektüre heute ganz besonders genossen! Vielleicht streuen Sie hin und wieder noch ein paar "Geschichten aus dem Iran" ein..."
Geärgert habe ich mich über Zuschriften wie diese von Trader´s Daily-Leser Heico S.:
„Ihr Bericht ist stets ein Erfahrungsbericht und Sie betonen auch, dass es Ihre persönlichen Eindrücke sind, das ist gut so, aber der Schluss Ihres Newsletters ist pure Vermessenheit und beleidigt die iranische Regierung in höchstem Maße. Zitat: `Leider alles Fehlanzeige. Meiner Ansicht nach könnte sich der Iran bei wirtschaftspolitisch kompetenter Führung (`also wenn ich da Präsident wäre...´) in ein prosperierendes Land verwandeln. Hohe Produktivität und hoher Bildungsstand der Bevölkerung sind gegeben, zahlreiche Rohstoffe im eigenen Land ebenso. Soviel für heute. Ich muss mich jetzt um Goldman Sachs kümmern."
"Übersetzung:"
"Ich, Michael Vaupel, war im Urlaub im Iran und weiß nun, dass ich kompetenter wäre als die dortige Regierung, weil ich die Menschen dort mal schnell kennen gelernt habe und nun zum nächsten Programmpunkt unserer Show."
„Sie können sich vielleicht gern mit Thomas Gottschalk messen, aber nicht mit der iranischen Regierung. (...) So sind Sie halt: vorschnell - erledigt - zum nächsten. Ihnen fehlt vielleicht ein bissel Tiefe."
Meine Antwort:
(Ach. Seufz. Wegen Lesern wie diesem hatte ich dem Beitrag extra folgende Warnung vorausgeschickt: "Und zwar möchte ich Ihnen noch meine `persönlichen Eindrücke´ schildern. Also, Warnung: Das hat wenig bis nichts mit den Märkten zu tun!")
Ganz offensichtlich spricht mir der Leser das Recht auf meine eigene, subjektive Meinung ab.
Dann hat er aber ein grundlegendes Prinzip meiner Beiträge im Trader´s Daily missverstanden:
Meine Beiträge sind keineswegs objektiv, sondern immer höchst subjektiv.
Sie geben meine Eindrücke, Einschätzungen, Bewertungen wider.
Und zwar zu allen möglichen Dingen - von den Rohstoffpreisen über Indexstände, Aktienkurse, Werbetexter und Fed-Vorsitzende bis eben hin zur Einschätzung der Politik der iranischen Regierung. Das ist dann auch keine „Beleidigung", sondern mein Eindruck bzw. meine Einschätzung.
Alles subjektiv und damit potenziell „falsch" (denn was bin ich als ein schwacher Sterblicher, genau wie wir alle).
Aber auch ehrlich, mitunter einen Blick in meine Seele ermöglichend, nach bestem Wissen und Gewissen verfasst, ohne Beugen vor irgendwelchen Vorgaben.
Wer das nicht lesen möchte: Ich zwinge niemanden dazu. Es ist lediglich ein Angebot (und zwar ein kostenloses, wie ich hinzufügen könnte).
Eine erfolgreiche Woche wünscht Ihnen (und das ist ein subjektiver Wunsch):
Michael Vaupel