Freitag der 13. - vielleicht der wichtigste Handelstag des Jahres
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. Juli 2007 07:30 Uhr
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Guten Morgen, verehrte Leserinnen und Leser!
Vielleicht haben wir am Freitag den wichtigsten Handelstag des Jahres erlebt. Auch und sogar im Dax, der letztlich gegenüber dem Vortag – was den abendlichen Late-Dax Schlusskurs angeht, sogar im Minus lag. Wieso?
Nun, wir müssen und als erstes vergegenwärtigen, was ich am Freitag bereits dargestellt hatte: Es hätte alles ganz anders kommen können. Noch am Donnerstagmittag sah es sehr danach aus, als würde nun doch eine größere Korrektur kommen. Es fanden sich keine Käufer und die Rahmenbedingungen sprachen dafür, dass es nach unten gehen würde: Haussierender Ölpreis, die Zinsen zogen schon wieder an, der Dollar fiel auf neue Tiefs, Gewinnwarnungen bei US-Unternehmen zu Beginn der „Earnings Season“ ... unerfreulich. Doch mehr mit Glück denn mit Berechnung schlossen die Kurse an diesem Donnerstag im Plus – was die Wall Street anging, auf neuen Rekordhochs in Dow Jones und Standard&Poors 500. Dieser überraschend bullishe Tag hätte am Freitag leicht wieder konterkariert werden können, denn:
Mehrere sehr brisante News am Freitag ...
Die US-Einzelhandelsumsätze für Juni fielen sehr negativ aus. Erwartet wurde für die Gesamtrate ein unverändertes Niveau, für die Kernrate (ohne die volatilen Kfz-Umsätze) ein Anstieg zwischen +0,2% und +0,4%. Doch es wurde ein empfindliches Minus von –0,9% in der Gesamt- und von –0,4% in der Kernrate. Da half es auch wenig, dass die Mai-Zahlen leicht nach oben revidiert wurden. Zumal gerade kurz vorher der Kaufhausriese Sears Roebuck eine Gewinnwarnung abgegeben hatte.
Man darf nicht übersehen: Der Konsum ist das Rückgrat der US-Konjunktur, gerade jetzt, wo sich abzeichnet, dass die Immobilien- und Hypothekenkrise größere Ausmaße annimmt als allgemein vermutet.
Positiv fielen die Daten zum Verbrauchervertrauen der Uni Michigan aus. Der vorläufige Wert für Juli stieg unerwartet deutlich von zuvor 85,3 Ende Juni auf 92,4. Aber:
Das Öl stieg immer weiter – WTI ist fast bei 74 Dollar angelangt, Nordsee-Brent wieder am 2006er-Hoch von 77 Dollar. Der Dollar rutschte weiter ab und erreichte zeitweise sogar 1,38 in der Euro/Dollar-Relation. Und dann kam auch noch die Nachricht auf, der Iran verlange von Japan, seine Öllieferungen ab sofort in Yen zu bezahlen.
Was allerdings erfreute, war die Quartalsbilanz von General Electric. Die Daten lagen am oberen Ende der Erwartungen und bescherten dem Riesenkonzern ein Plus von +1,3%.
Alles in allem also ein gemischtes Bild mit eher negativem Unterton. Doch was machte Wall Street daraus?
... und alle wurden weggesteckt!
Die Indizes kletterten einfach weiter! Obwohl der Dow Jones am Donnerstag den höchsten Punktgewinn seit vier Jahren verbuchte, kamen kaum Gewinnmitnahmen auf. Es ging langsam, aber stabil bergauf. Faszinierend. Sind Dollar, Öl und Konjunktur auf einmal egal?
Nein. Aber alleine die hohe Zahl der bearishen Positionen in den USA und der Umstand, dass die Kurse letztlich seit zwei Monaten seitwärts liefen, brachte einen solch fulminanten Befreiungsschlag zustande ... und nun sind all die genötigt einzusteigen – gerade institutionelle Investoren – die vorher sicher waren, es würde bergab gehen und zu hohe Cashbestände gefahren haben.
Die Bedrohungen sind unverändert da. Aber eben diese Notwendigkeit zum Kauf ist es, welche die Kurse treibt. Aber das heißt nicht, dass sich die negativen Aspekte nicht auswirken werden. Sie werden. Nur wird man sie, solange es so nett bergauf geht, verdrängen. Doch man wird sich an sie erinnern ... dazu gleich mehr im 2. Abschnitt.
So, wie es sich aktuell darstellt – Breakout nach volatiler Seitwärtsbewegung, Kaufsignale in der Markttechnik und keine Gewinnmitnahmen nach Rallye – dürfte es unter dem Strich noch zwei Wochen weiter nach oben gehen können. Aber was war mit dem Dax los?
Ein verzweifelter Abwehrkampf im Dax
Traut man auf einmal ausgerechnet bei uns der Hausse nicht? Oder ist die Phase der Outperformance vorüber? Immerhin, wenn wir uns den Vergleichschart zwischen Dow Jones und Dax seit Jahresbeginn ansehen, holen die US-Börsen auf einmal auf.
Nein, ich meine, den Grund woanders zu erkennen ... und wenn ich da richtig liege, ist nicht nur der Breakout an Wall Street, sondern auch der Freitag im Dax der wichtigste Handelstag dieses Jahres. Nicht nur wegen der unmittelbaren Folgen, sondern auch wegen dem, was wohl danach kommen wird.
Denn im Dax wurde am Freitag eine Schlacht geführt, die sehr an die Schlacht bei Alamo erinnert ... mit vermutlich dem selben Ausgang. Nur sind die potenziellen Verlierer und aktiven Verteidiger diesmal keine Texaner, sondern Baissiers oder jene, die sich auf aktuellem Niveau mit Puts abgesichert haben oder absichern mussten. Und die großen Adressen, die fröhlich in Erwartung sicherer Gewinne tonnenweise 8.200er (oder höhere) Call-Optionen als vermeintlich wagemutige Anleger verkauft haben. Z.B. in Juli-Laufzeit – fällig diesen Freitag. Der Open Interest für die Dax-Optionen, d.h. die im Umlauf befindlichen Kontrakte, für den Juli-Verfall liegt bei sagenhaften 1,35 Millionen, das ist eine satte Hausnummer.
Ein hohes Interesse, den Dax unten zu halten
Wenn der Dax durch die alten Allzeithochs bricht, die nun ja schon fünfmal angelaufen wurden, ändert sich hier alles. Und das wollen viele gerne vermeiden. Ich vermute, dass die Friedenszone bei 7.900 oder höchstens 8.000 liegt. Doch wenn nur eine große Adresse die Nerven verliert, müssen alle anderen handeln – und das würde den Dax senkrecht nach oben treiben.
Nachdem ich den Handel am Freitag Tick für Tick verfolgt habe konstatiere ich: Hier wurden nicht mal eben ausgerechnet vor dieser Marke Gewinne mitgenommen. Wäre ja auch wenig clever wenn man weiß, dass dies den Anstieg stoppen kann und man, würde man die Füße stillhalten und nicht durch solche Verkäufe bremsen, zu viel höheren Kursen verkaufen könnte. Nein, hier wurde aktiv dagegen gehalten, im Future Short gegangen, leer verkauft, alles, was drin war.
Und so blieb der Dax unter der entscheidenden Marke ... obwohl die US-Börsen diese ganzen negativen Nachrichten wegsteckten und weiter stiegen, obwohl in Asien die Kurse weiter rasant gestiegen waren. Aber:
Wer zuerst umkippt, könnte der Gewinner sein
Über das Wochenende werden sich viele, die hier einen eisernen Verteidigungskampf führen, so ihre Gedanken machen. Es ist möglich, dass man es heute erneut versucht, den Dax wieder nach unten zu bekommen. Aber:
Genau diese Schlacht haben die Bären in den USA bereits am Donnerstag verloren. Hier sind die Hochs bei Dow und S&P gefallen. Und die hiesigen Verteidiger konnten sich so schon mal ansehen, was dann passiert.
Und wenn die US-Börsen einen so schwachen Dollar und einen so hohen Ölpreis wegstecken ... was, wenn diese beiden Bereiche mal korrigieren und so in die positive Richtung laufen? Und:
Wer zuerst eindeckt, kommt vielleicht noch zu guten Kursen aus dem Schlamassel.
Und hinzu kommt, dass all diese Abwehrkämpfe ja bedingen, dass die Shortpositionen immer riesiger werden. Sprich: Wenn es nicht klappt, den Dax unten zu halten, wird es nur immer teurer. Denn wenn diese Linie fällt, dann scheint mir soviel Eindeckungsbedarf gegeben zu sein, das der Dax senkrecht nach oben laufen könnte. Es müssten schon fast alle weiter die Nerven behalten.
An der Börse ist ja nichts unmöglich ... aber ich glaube nicht daran. Klappt es heute nicht, klappt es morgen. Es sei denn, es passiert etwas besonders Negatives oder die Wall Street bricht weg. Aber da heute weder wichtige Quartalsberichte noch entscheidende Konjunkturdaten anstehen, ist das nicht so wirklich wahrscheinlich.
Wenn die Deiche brechen
Eines scheint mir also sicher: Wenn diejenigen, die hier ihre Abwehschlacht geschlagen haben, verlieren, platzt der Knoten so schnell und heftig, dass auch wir dann mal den höchsten Punktgewinn seit vier Jahren sehen könnten, ebenso wie der Dow Jones am Donnerstag. Und gerade deshalb scheint mir dieser Freitag so entscheidend zu sein:
Wir wissen, dass die Chancen schlecht stehen, den Dax unter 8.136 zu halten.
Wir wissen, was dann voraussichtlich passieren wird – nämlich eine Kettenreaktion, deren Eigendynamik den Dax in eine extreme Rallye pressen kann.
Und wir dürfen ziemlich sicher sein, wie diese daraus entstehende Fahnenstange enden wird ... lesen Sie dazu bitte im nächsten Abschnitt weiter!


