Freak-Show
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 7. Dezember 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Die Regierungen profitieren von den Lock-Zinssätzen. Warten Sie, bis es damit vorbei sein wird.
Hier passiert so viel, das einem den Atem raubt, dass ich praktisch daran ersticke. In der vergangenen Woche brachten die amerikanischen Schatzbriefe über drei Monate Erträge von 0,015%. Einige Erträge lagen unter null. Letzten Endes haben die Anleger der Regierung ihr Geld gegeben. Die Regierung hat sich bei ihnen bedankt und versprochen, ihnen in drei Monaten weniger Geld zurückzugeben. Wie kann man diese Transaktion erklären? Gab es zu der Zeit Vollmond?
Der Mondschein in der Woche um den sechsten November muss besonders hell gewesen sein. Die Wetten beliefen sich auf insgesamt 361 Milliarden Dollar für Schatzbriefe im Wert von nur 86 Milliarden Dollar. Das waren 100 Milliarden Dollar mehr als zum Gipfel der während der Kreditkrise vor einem Jahr erreicht wurde. Was? Ein Drittel einer Billion Dollar, je Woche, gibt sich selbst für die harte Arbeit der Regierungsdienste hin und bittet um keine Gegenleistung?
Selbst die langfristigeren Kredite an die Regierung bringen den Anlegern nur wenig mehr. Die Erträge auf 10 Jahre liegen bei nur 3,32% Leute, die ihr Geld über 30 Jahre verleihen, erhalten nur 100 Basispunkte mehr. Und das in einer Währung, die noch schneller schmilzt als das Polareis. Gold, die traditionelle Bankreserve, steigt im Vergleich dazu rasant an. Das ist nicht überraschend. Die Menge der amerikanischen Dollar - gemessen anhand der monetären Basis der Vereinigten Staaten - ist in den vergangenen 24 Monaten um 147% gestiegen.
Hohe Staatsverschuldung weltweit
Die einzige Sache, die noch schneller steigt als die Nachfrage nach der Staatsverschuldung ist das Angebot. Alle großen Regierungen im Westen - und Japan - leihen heute Geld, als würde ihr Leben davon abhängen.
Der Internationale Währungsfonds sagt voraus, dass das Verhältnis zwischen öffentlichen Schulden und Bruttoinlandsprodukt zwischen 2007 und 2014 um 50% steigen wird. In Amerika geht man davon aus, dass die Steuerzahler es irgendwann wieder mit einem Schuldenniveau zu tun haben werden, das dem Niveau des Zweiten Weltkriegs entspricht.
Diese Schätzungen sind vermutlich zu gering, weil sie von einer wirtschaftlichen Erholung ausgehen, die sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Enttäuschung erweisen wird. Der Zweck einer Krise ist, dass man die faulen Kredite los wird und die schlechten Investitionsentscheidungen korrigiert. Doch eine Wirtschaft kann sich nicht korrigieren, es sei denn, man erlaubt ihr, in die Korrektur einzutreten. Wenn man versucht, es zu verhindern, dann bekommt man eine Zombie-Wirtschaft, die ständig neues geliehenes Blut braucht. Schulden steigen, aber es gibt keine Erholung.
Es wird berichtet, dass der einstige Direktor des amerikanischen Office of Management and Budget, David Stockman mit einer Zombie-Wirtschaft in den Vereinigten Staaten rechne, mit Defiziten die doppelt so groß sind wie die, die heute vorhergesagt wurden... d.h. Defizite von 2 Billionen Dollar im Jahr und nicht einer Billion. Das wird die amerikanischen Schulden noch über das Niveau des Zweiten Weltkriegs hinaus steigen lassen - auf die Höchstwerte Japans.
Einschnitte sind nicht möglich
Auch andere Regierungen werden ein ähnliches Ansteigen der Schulden erleben. Alle richtig denkenden Wirtschaftswissenschaftler und Kommentatoren müssen zu dem gleichen Schluss kommen - dass die fiskalischen und monetären Stimuli auch weiterhin steigen müssen, bis sich die Erholung deutlicher abzeichnet. Schlimmer noch, sie wurden von der Logik des Keynesianismus selbst gefangen. Heute ist alles ein Stimulus". Nirgendwo können Einschnitte gemacht werden. Die Eiterblasen können nicht angestochen werden.
Wenn man das Ende eines Krieges erreicht, dann werden die Ausgaben normalerweise reduziert.
Die Defizite gehen dann mit den Soldaten nach Hause. Die Schulden können abgezahlt werden. Aber es ist für diese Defizite noch kein Ende in Sicht. Denn nur ein kleiner Teil davon ist eine direkte Konsequenz des Krieges gegen die Krise. Es sind eigentlich nur die unvermeidlichen Folgen einer Regierung, die zu viel Geld ausgibt. In den Vereinigten Staaten schätzt der Internationale Währungsfonds dieses strukturelle Defizit auf 3,7% des Bruttoinlandsprodukt. In Japan und in Großbritannien ist es doppelt so groß.
Egal was man dazu auch zu sagen hat, diese Freak-Show kann nicht auf ewig andauern. Die Vereinigten Staaten haben kurzfristige Wechsel im Wert von 2 Billionen Dollar die in den nächsten 12 Monaten refinanziert werden müssen. Sie müssen auch ungefähr eine Billion Dollar mehr in Schatzbriefen und Anleihen refinanzieren. Und da sind die zusätzlichen Schulden noch nicht hinzuaddiert. Legt man also noch ein Defizit von 1,5 Billionen oben drauf, und schon hat man 4,5 Billionen Dollar, die allein von den Vereinigten Staaten finanziert werden müssen.
Aber die Vereinigten Staaten sind nicht die einzigen, die in diesem Teich fischen. Japans Staatsverschuldung liegt bei 200% des Bruttoinlandsprodukts und sie steigt rapide. Bislang wurden die japanischen Defizite intern finanziert. Die Japaner haben 20% ihres Haushalteinkommens im Jahr 1980 gespart. Aber die Japaner werden älter. Und wenn sie sich zur Ruhe setzen, dann werden die Leute aufhören zu sparen und sie werden anfangen, ihre Ersparnisse anzuzapfen, um die Lebenshaltungskosten abzudecken. So wie es aktuell aussieht, sollte die Sparrate der Haushalte in fünf Jahren auf null gefallen sein. Und wer wird dann die japanischen Anleihen kaufen? Wer wird die japanischen Defizite abdecken? Die gleichen Leute, die auch die amerikanischen Defizite abdecken sollten?
Wer zahlt?
Fasst man all das zusammen, dann werden die Regierungen der Welt einer Berechnung der Financial Times zufolge in den nächsten 12 Monaten jeden Monat eine Billion Dollar für die Finanzierung brauchen. Wer hat so viel Geld? Die Gesamtersparnisse der Vereinigten Staaten belaufen sich auf nur 700 Milliarden Dollar. Sogar die Chinesen könnten nur ungefähr 67 Tage finanzieren, wenn sie all ihr Geld auf einen Haufen werfen würden. Warren Buffett? Der würde sich weniger als 48 Stunden halten können.
Und dann ist da auch noch das Problem, dass man für die steigende Schuldenbelastung auch noch die Zinsen zahlen muss. Dank der Achtlosigkeit der Kreditgeber der Welt, profitieren die Kreditnehmer jetzt von außergewöhnlich geringen Zinssätzen - ungefähr so wie die Lock-Angebote, die einst die sub-prime Kreditgeber bewilligten. Aber diese Lockungen werden bald ihr Ende erreicht haben. Selbst die Regierung Obama sagt vorher, dass die Zinszahlungen von aktuell 200 Milliarden Dollar bis 2019 auf 700 Milliarden Dollar steigen werden. Dabei geht man davon aus, dass die Zinssätze nur zu den Normalwerten zurückkehren werden.
Aber das heiße Geld von der Regierung hat sich verhalten wie Nukleartreibstoff für die Ausgaben. Jeder Fisch im Teich der Finanzen scheint jetzt zwei Köpfe zu haben und über beiden von ihnen eine Tüte. Die Freaks vom November 2009 werden vielleicht durch etwas ersetzt, das nicht weniger seltsam ist, wenn auch auf andere Weise. Das letzte Mal als Gold bei über 800 Dollar lag, verlangten Kreditgeber an die Regierung Erträge von mehr als 18%, ehe sie sich von ihrem Geld getrennt hätten. Auch das war seltsam. Für die Anleger hatte es jedoch andere Folgen.