Frankreich lehnt die EU-Verfassung ab – die Börse nimmt es gelassen
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 30. Mai 2005 18:00 Uhr
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Frankreich hat, wie erwartet, die EU-Verfassung abgelehnt. Die Auswirkungen auf die Börse beschränken sich auf den Euro, der nun meinen neuen Zielbereich 1,24 – 1,247 Dollar erreicht hat. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier ein Boden ausbildet.
Wie ich am Freitag schon geschrieben habe, die Auswirkung des Votums in Frankreich sind gering. Die europäische Union ist im Moment nicht in Gefahr. In den Euro wird lediglich der "Vertrauensverlust" eingepreist. Doch auch hier wird das Ausmaß in den Medien zu hoch gespielt. Es hat sich durch das Votum nichts wirklich verändert. Wenn, dann vielleicht sogar zum Positiven, denn es kann sein, dass sich nun die Europapolitik doch wieder mehr mit den Bürgern auseinandersetzen wird/muss.
Aber, diese Ablehnung könnte genau die schlechte Nachricht gewesen sein, auf die der Markt gewartet hat. Vielleicht wird sich noch das Votum von Holland auswirken, danach gehört die Nachricht "Ablehnung der Verfassung" zu all den anderen alten Börsen-Nachrichten, die still vor sich hingammeln und keinen mehr interessieren. Vielmehr gilt: "Verkaufe die schlechten Gerüchte, kaufe die Fakten". Das passt fundamental dazu, dass ich für den Euro einen Boden bei 1,24 /1,247 Dollar erwarte. Hier sollten Sie jedoch abwarten, bis sich vermehrte Umkehrsignale ausbilden.
Dax steigt mit Merkel und den Banken
Positiver wurde vom Dax die Nachricht aufgenommen, dass Angela Merkel nun zur Kanzlerkandidatin nominiert ist. Das Duell heißt nun Schröder gegen Merkel. Der Dax nutzte daraufhin die Feiertage in den USA und England dazu, frech noch weiter nach oben zu laufen.
Es gab jedoch noch einen weiteren Grund, warum der Dax anstieg: Die Gerüchte, dass die größte italienische Bank, Unicredito, die HVB übernehmen möchte, sind insoweit "bestätigt" worden, dass Gespräche stattfinden. Die meisten Analysten äußern sich skeptisch. Eine solche Fusion mache nicht wirklich Sinn, so ihr Tenor. Offenbar scheint sie jedoch so viel "Sinn" zu machen, dass zumindest Gespräche stattfinden.
Uns interessiert dabei nur, dass dieses Gerücht mal wieder den Finanzsektor in den Focus der Anleger gerückt hat, und Finanzaktien den Dax anführen.
Bei genauerem Hinsehen ist unschwer festzustellen, dass einige Banken im Moment noch einiges an Nachholpotenzial zum Dax haben und darüber hinaus teilweise unterbewertet sind. Die Deutsche Bank hat z.B. ein KGV von 9,5. Andere Anleger setzten weniger auf die fundamentalen Aspekte, sondern auf Phantasie. Nach den Gerüchten um die HVB rechnen einige damit, dass nun weitere Übernahmen oder Zusammenschlüsse im Bankenbereich folgen werden. Also wird heute der Finanzsektor gespielt. Die daraus positive Grundtendenz kann durchaus noch etwas anhalten.
Doch auch der Euro-Stoxx blieb im Plus. Dass selbst der Stoxx nicht nachgibt (und auch in der letzten Woche gestiegen ist), zeigt, wie wenig Gewicht der Ablehnung der EU-Verfassung beigemessen wird.
Wir verdummen!
Nicht, dass ich das nicht sowieso schon vermutet hätte, aber nun ist es amtlich: Die westlichen Industrienationen verdummen. Während es in den 60er und 70er Jahren noch einen deutlichen Anstieg der Intelligenz bei den Deutschen gab, scheint seit 1999 ein Rückgang zu verzeichnen zu sein. Verschiedene Erklärungen werden angeführt: Genetischer Art, mit der Begründung, dass "gebildete" Menschen immer seltener Kinder bekommen, bis hin zu "Überforderungstheorie", die besagt, dass aufgrund der informativen Überforderung Menschen in "seichte" Alternativeangebote flüchten (wenn ich mir den Fernsehalltag ansehe, klingt das plausibel).
Ich fände es interessant zu überprüfen, inwieweit hohe Arbeitslosigkeit, geringe Hoffnung auf eine zufriedene Zukunft, Sinnlosigkeit, (Zukunfts-)Ängste, geringe Chance nach der Schule einen Job zu finden, verbreiteter Pessimismus, Depressionen sich auf die allgemeine Intelligenzentwicklung eines Landes auswirken. Immerhin ist es schon auffällig, dass gerade seit 1999 ein Rückgang zu verzeichnen ist und zudem Deutschland besonders betroffen sein soll (Pisa).
Dass sich Depressionen intelligenzhemmend auswirken können, ist bekannt. Wirken sich wirtschaftliche Depressionen vielleicht auch intelligenzhemmend auf die Gesamtbevölkerung aus?