Fragen und Antworten der Woche
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 21. August 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
heute habe ich - wie ab jetzt jeden Freitag - die Fragen und Antworten der Woche für Sie. Gerne beantworte ich auch Ihre Fragen (siehe Ende des Artikels unten).
Alexander Hahn
Die heutigen Fragen beziehen sich auf die folgenden Gebiete:
- Futures
- Gleitende Durchschnitte
- Technische Analyse
Fragen zum Thema Futures
- Handeln Sie eigentlich auch mit Futures? Nein, das tue ich in der Regel nicht. Mein Handel bezieht sich hauptsächlich auf Aktien und auf Optionen. Dies sagt mir von meiner Anlegermentalität am meisten zu und ich schätze die Flexibilität und strategische Vielfalt von Optionen sehr.
- Wer sollte Futures handeln? In meinen Augen spricht gegen den Handel mit Futures an sich nicht viel. Es ist eben nur wie bei allem: Sie müssen wirklich gut wissen, was Sie tun. Wer sich gut mit Futures auskennt bzw. sich für diese begeistert und die Materie gut versteht, warum nicht einmal Paper-Trading zur Übung ausprobieren (auch der Verlag hat übrigens hierzu ein Produkt im Sortiment)?
Gleitende Durchschnitte:
- Ich habe ein Problem mit gleitenden Durchschnitten. Woher weiß ich, welche Kombinationen Sinn machen und welche blödsinnig sind? Ich würde dies weniger als "sinnvoll" und "blödsinnig" gegenüberstellen, sondern mehr als effektiv vs. ineffektiv. Es kommt natürlich immer darauf an, auf was Sie Ihre Gleitschnitte anwenden möchten, aber generell populäre (und somit auch von vielen Anlegern beachtete) Schnitte sind z.B. der MA(50), MA(200), MA(50) & MA (200) im Kombination, sowie EMA(20), EMA(40) und EMA(20) & EMA (40) im Kombination. Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Schnitte, aber diese beiden Beispiele sind relativ weit verbreitet und bieten sicher einen ersten Anhaltspunkt (EMA=exponential moving average, MA = moving average)
- Macht es Sinn, die 50-Tagelinie und die 200-Tagelinie auf Indizes langfristig anzuwenden, um festzustellen, ob diese im Bullen- oder Bärenmarkt sind? In meinen Augen weniger. Hier nutze ich mehr den EMA(20) im Monatschart. Notiert ein Index unterhalb des EMA(20) betrachte ich ihn als in einem Bärenmarkt. Notiert der Index über dem EMA(20) betrachte ich den Index als im Bullenmarkt (z.B. anwendbar auf den S&P 500).
- Nutzen Sie bei Ihrer eigenen Aktienauswahl Gleitschnitte und wenn ja, in wie fern? Ja, das tue ich. Bei mir finden u.a. EMA(20), EMA(40), MA(50) und MA(200) über verschiedene Zeitstufen ihren Einsatz. Aber das ist nur ein kleiner Teil vom gesamten Analyseprozess.
Technische Analyse:
- Ich höre immer wieder, technische Analyse sei nur Kaffeesatzleserei. Ein paar von sich überzeugte Idioten malen ein paar Linien und glauben dadurch magisch in die Zukunft sehen zu können, oder so ähnlich klingt für mich die Botschaft. Was sagen Sie dazu? Ich weiß nicht, wo Sie sich hier "informiert" haben, aber solche Aussagen wirken auf mich sehr polemisch (sehr selten hat eine Polemik aber nicht doch irgendwo zumindest einen wahren Kern bzw. ein paar Teilwahrheiten). Es gibt zwischen Fundamentalanalysten und technischen Analysten immer wieder verbale Grabenkämpfe und Hardliner auf beiden Seiten, die nur auf ihre eigene Kunst schwören. Ich sehe das etwas pragmatischer. Meiner Meinung nach lassen sich beide Formen gut kombinieren. Die fundamentale Analyse sagt mir, was ich kaufe, und die technische Analyse wann. Und damit ist für mich das "Problem" auch gelöst. Ganz zurückweisen möchte ich die geäußerte Polemik der Kaffeesatzleserei allerdings nicht, denn es gibt m.E. tatsächlich Formen der technischen Analyse, die ich für - im besten Fall - nicht sinnvoll halte. Die Anwender dieser Formen deshalb aber als "Idioten" zu bezeichnen erscheint mir jedoch mehr als unpassend.
- Ich blicke nicht mehr durch. Kerzencharts, Barcharts, Point & Figure, Wellen. Wie kann man technische Analyse jemals komplett lernen? Ich denke, Sie sollten sich nicht von der Masse der möglichen Ansätze überwältigen lassen. Wenn Sie systematisch vorgehen möchten, so informieren Sie sich zuerst über die Logik, die hinter jedem der einzelnen Ansätze steckt. Wenn Sie dann einen Ansatz finden, dessen Grundprinzip Sie überzeugt, spezialisieren Sie sich zunächst auf ihn und lernen Sie, ihn perfekt anzuwenden. Danach können Sie sich immernoch ein Grundwissen aus anderen Feldern holen bzw. diese mit in Ihren Ansatz einarbeiten.
- Ich finde die Point & Figure Methode sehr interessant, habe aber immernoch Probleme damit, die Charts zu lesen. Wo finde ich mehr Infos? Im Archiv von Investoren Wissen gibt es eine Artikelserie, die ich letztes Jahr verfasste. Darin erkläre ich die wichtigsten Punkte dieser Chartform.
- Welche Indikatoren nutzen Sie zur technischen Analyse? Eine ganze Menge. Das kann ich hier gar nicht alles aufzählen. Mit dabei sind natürlich auf jeden Fall MACD, RSI, Bollinger-Bänder und verschiedene Oszillatoren.
- Haben Sie eine Empfehlung, wie man technische Analyse zum CFD-Trading am besten nutzt? Da gibt es zahlreiche Methoden. Eine beliebte ist sicherlich, harte Widerstände als Marken zu nehmen, hinter die man seinen Stop Loss setzt, und auf "Abpraller" zu setzen. Aber das alleine macht natürlich noch keinen CFD-Handelsansatz aus. Eine Empfehlung "auf die Schnelle" halte ich für unseriös. Hier sind m.E. durchaus einige Regeln und die Konstruktion eines kompletten Handelsansatzes sinnvoll, wenn der CFD-Handel wenigstens die Chance haben soll, auch langfristig profitabel zu sein.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.
Beste Grüße
Alexander Hahn
Anmerkung:
Einmal pro Woche bietet Investoren Wissen eine reine "Frage & Antwort"-Ausgabe für Sie. Hier greife ich die häufigsten und m.E. wichtigsten Fragen der vergangenen Tage auf und beantworte diese öffentlich (natürlich in anonymisierter Form).
Wenn auch Sie Investment- und Tradingfragen jeglicher Art haben (ausgenommen sind Fragen zur Ihren spezifischen, einzelnen Investments, denn diese dürfen wir aus gesetzlichen Gründen leider nicht beantworten), können Sie gerne unsere Redaktion kontaktieren. Antworten Sie hierfür einfach auf die Ihnen vorliegende E-Mail.