Fortsetzung (Marktanalyse)
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 11. Januar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
(Fortsetzung des obigen Artikels)
Vor einigen Wochen schrieb ich Ihnen an dieser Stelle von den bärischen Divergenzen des NYSE McClellan Summation Index. Spätestens mit dem Anstieg der Märkte letzte Woche hat sich diese bärische Divergenz wieder aufgelöst. Wie Sie im Chart erkennen können, stieg der Summation Index in den letzten 14 Tage stark an, während der externe Markt eher leicht seitlich/aufwärts tendierte. Zwar konnte der Summation Index noch kein neues Hoch erreichen, jedoch darf das Wiedererstarken des Index nicht ignoriert werden.
Abb.: Chart des NYSE McClellan Summation Index (mit freundlicher Genehmigung von www.stockcharts.com)
Ein Blick auf den bekannten Advisor-Sentimentchart von Investors Intelligence und das Put/Call-Ratio zeigen, dass die amerikanischen Marktteilnehmer extrem bullisch gestimmt sind. Die Anzahl der Bären ist sogar auf den tiefsten Stand seit 4 Jahren gefallen. Und auch das Put/Call-Volumen-Verhältnis steht kurz vor dem Status „bullisch extrem“. Somit haben wir neben der mittelfristigen Überkauftheit (Abstand des S&P 500 zur 200-Tage-Linie, NYSE BPI in den 70ern, etc.) auch noch ein extrem bullisches Sentiment unter der Masse der Anleger.
Abb.: Chart des Investors Intelligence Bull/Bear Advisor-Index (mit freundlicher Genehmigung von www.market-harmonics.com)
Unter diesen Umständen rate ich Ihnen also davon ab, zum jetzigen Zeitpunkt breit in die Aktienmärkte long einzusteigen. Selektive Käufe bieten sicherlich gute Chancen, aber aus Sicht des Risikomanagements würde ich an Ihrer Stelle eher auf eine größere Korrektur warten, bevor ich mich mit Aktien stark eindecke. Früher oder später werden alle Indizes zu ihren 200-Tage-Linien zurückkehren (etwas geklaut und eigenwillig adaptiert bei Kostolany: Der Index ist der Hund an der Leine, welcher immer wieder zu seinem „Herrchen“ (200-Tage-Linie) zurückkehrt. Allerdings wissen wir natürlich nicht, wie lange diese Leine ist und ob es im Hintergrund nicht vielleicht Kräfte gibt, welche versuchen diese künstlich zu verlängern.).
Abb.: Chart des Put/Call Volume Ratio (mit freundlicher Genehmigung von www.market-harmonics.com)
Betrachten wir heute abschließend ein paar Daten zur realwirtschaftlichen Lage und zum Verbrauchervertrauen in den Vereinigten Staaten. Wenn man sich überlegt, mit wie vielen Milliarden US-Dollar bisher versucht wurde, die US-Wirtschaft wieder anzukurbeln, dann sind die Ergebnisse doch schon sehr ernüchternd.
So befindet sich das US-Verbrauchervertrauen noch immer auf dem Tiefpunkt und konnte sich trotz zahlreicher Konjunkturpakete, wie beispielsweise dem „Cash for Clunkers“-Programm (ähnlich der deutschen Abwrackprämie) nicht erholen. Doch noch immer sind es die US-Verbraucher, welche mit mehr als 70% den Großteil des US-BIPs beisteuern.
Abb.: Chart des US-Konsumklima-Index (mit freundlicher Genehmigung von www.market-harmonics.com)
Woher kommt dieser Vertrauensverlust der sonst so kaufwütigen Amerikaner? Liegt es vielleicht auch daran, dass gemäß dem ehemaligen US-Regierungsbeamten John Williams (www.shadowstats.com) mittlerweile mehr als 22% der Amerikaner arbeitslos sind? Offiziell sind es laut Regierungsangaben „nur“ 10%, jedoch nimmt Williams lediglich eine ältere und ungeschönte Berechnungsmethode und kommt damit zu ganz anderen Ergebnissen.
Abb.: Arbeitslosendiagramm der Seite www.shadowstats.com
Auch das US-BIP (= GDP) konnte von Bernankes Geldregen bisher kaum bis gar nicht profitieren (je nachdem, ob Sie die mehrfach manipulierte und "massierte" offizielle Zahl betrachten oder die ShadowStats-Zahl), was mich nicht sonderlich überrascht.
Abb.: Entwicklung des US-BIP (www.shadowstats.com)
Aber wenn schon die realwirtschaftlichen Daten nicht steigen, dann tut es wenigstens die Inflation. Die hat sich nämlich sowohl in der (schöngerechneten) offiziellen Kurve (rot), als auch in der blauen Kurve (von John Williams bereinigte Zahl, die mittels der damaligen Methode aus der Clinton-Ära berechnet wird) wieder auf den Weg "nach oben" gemacht.
Abb.: Entwicklung der US-Inflation (www.shadowstats.com)
Während somit immer mehr US-Amerikaner arbeitslos werden und sich in einigen Fällen nur noch mit Hilfe von Lebensmittelmarken ernähren können (mittlerweile sind es über 35 Mio. Amerikaner, welche die sog. „Food Stamps“ beziehen), fangen die Preise wieder munter an zu steigen. Wenigstens können die US-Bürger von Glück reden, dass Sie in solch schweren Zeiten einen „Friedensnobelpreis"-gekürten, nationalen Erlöserpräsidenten haben, welcher natürlich auf ganzer Linie einsieht, dass Kriege viel zu viel Geld kosten und die Kosten der weltweiten US-Militärpräsenz letztlich das Land ruinieren werden. Somit wird er dem Land mit Sicherheit gekonnt und kompetent in eine wahrhaft goldene Zukunft bescheren.
Beste Grüße und einen guten Start in die Woche
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Herr Kronfeld (12.01. 2010 08:13 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, könnten Sie bei externen Links bitte in Klammern ein (e) für engliche Texte anfügen? Das wäre sehr hilfreich für die Fraktion der Leser mit Grundschul-Englischkenntnissen. Solch ein Link würde somit gar nicht erst weiter verfolgt werden müssen. So könnte (c) für Chart stehen usw. Vielen Dank für Ihren "Brief der Neuigkeiten" MfG R. Kronfeld
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