Fortschritt, Perfektion und das Ende der Geschichte – Teil 2
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 09. Dezember 2003 18:00 Uhr
ENL5462
Sicher leben wir im bestmöglichen System, sagten sich die Leute, und sicher hat uns die Geschichte hierhin gebracht. Die Geschichte muss jetzt aufhören, denn sind wir nicht an ihrem Endpunkt angekommen? Mehr noch, die westlichen Nationen und Japan waren bereits jenseits der Geschichte: Laut Fukuyama war keine weitere politische oder wirtschaftliche Evolution mehr möglich.
Dieser Denker folgerte daraus, dass das Ende der Geschichte "eine sehr traurige Sache" sei. Er ging weiter und beschrieb das Leben in der post-historischen Welt: "Das Streben nach Anerkennung, die Bereitschaft, sein Leben für ein rein abstraktes Ziel zu riskieren, der weltweite ideologische Kampf, der Kühnheit, Mut, Vorstellungskraft und Idealismus mit sich gebracht hatte – das alles wird durch wirtschaftliche Berechnungen, das endlose Lösen von technischen Problemen, Sorgen um die Umwelt und verfeinerten Bedürfnissen der Konsumenten ersetzt werden. In der post-historischen Periode wird es weder Kunst noch Philosophie geben, nur das ständige Aufpassen auf das Museum der menschlichen Geschichte."
Ob das ernst gemeint war oder nicht – ich kann ein Lachen kaum unterdrücken. 1989 stellte dieser arme Mann sich vor, dass die Welt einen Zustand solcher Perfektion erreicht hatte, dass es keinen Sinn machte, sie weiter verbessern zu wollen – denn alles war bereits so gut, wie es nur sein konnte! Aber weniger als ein Dutzend Jahre später erwachte die Geschichte plötzlich wieder zum Leben. Die zwei größten Spekulationsblasen der Welt platzten, und Amerika litt unter der schlimmsten Terror-Attacke der Geschichte.
Fukuyama kann sich freuen. An den Märkten, in der Politik und im Krieg, werden Gruppen von Menschen von Zeit zu Zeit ein bisschen verrückt. Die Geschichte ist voll von Beispielen dafür – Kriege, Revolutionen, Auf- und Abschwünge, Spekulationsblasen. Der Trend der größeren Partizipation der Massen, den er als Ende der Geschichte identifizierte, ist die eigentliche Quelle der Energie dieser gerade genannten Ereignisse. Die Leute machen Geschichte nicht alleine. Sie machen sie in Massen. Je größer, je verbundener die Massen sind und je mehr sie glauben, dass sie einen Zustand der Perfektion erreicht haben, desto mehr Geschichte machen sie. Massen laufen von einem populären Mythos zum nächsten. Der demokratische Konsumenten-Kapitalismus war kaum das Ende des Fortschritts, sondern einfach die neueste Mode.
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