Fortschritt, Perfektion und das Ende der Geschichte – Teil 1
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 09. Dezember 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Mundus vult decipi, ergo decipiatur – die Welt will getäuscht werden, also wird sie getäuscht."
Lateinisches Sprichwort
Im Sommer 1989 veröffentlichte Francis Fukuyama im Magazin National Interest einem kontrovers diskutierten Essay mit dem Titel "Das Ende der Geschichte?" Dieses Dokument war bemerkenswert; denn selten hat es jemand geschafft, in einem so kurzen Essay so viel falsch zu sehen. Fukuyama sah die gesamte Geschichte als einen Marsch hin zu Demokratie und Kapitalismus. Er glaubte, dass der Kollaps des Kommunismus den endgültigen Triumph von beiden bedeutete ... und deshalb sei die Geschichte nun tot.
Fukuyama hielt den Sieg des liberalen Konsumenten-Kapitalismus für so komplett, dass er sich keine ernsten Herausforderungen dessen Position mehr vorstellen konnte. "Von was wir Zeugen sind, ist nicht nur das Ende des Kalten Krieges", schrieb er, "sondern das Ende der Geschichte überhaupt: Also der Endpunkt der ideologischen Evolution der Menschheit und die Universalisierung der westlichen liberalen Demokratie als der finalen Form der menschlichen Regierung."
Einige Leute müssen gedacht haben, dass er scherzen würde, aber andere nahmen ihn ernst. Denn die Idee, dass die Geschichte ein Marsch hin zu einer demokratischen Regierung und westlichen materialistischen Werten war, schien unwiderlegbar. Demokratie und Konsum waren so allgemein akzeptiert, dass sie fast kaum als Idee erkennbar waren.
Die Intellektuellen konnten darüber schreiben und über die feinen Einzelheiten diskutieren, aber für die meisten Menschen in der entwickelten Welt – und viele in der unterentwickelten – war das amerikanische Modell der demokratischen Regierung mit einer kapitalistischen Wirtschaft nicht länger eine Idee, oder ein Ideal, sondern einfach die Art und Weise, wie die Dinge sein sollten. Am Ende des 20. Jahrhunderts war das fast so ein Fakt des Lebens geworden wie steigende Aktienkurse und niemals endender Reichtum.
Ich setze diesen Artikel gleich fort – siehe weiter unten –, zunächst aber erst einmal zu meinem Kollegen Addison Wiggin: