(Fortsetzung)
Volkmar Michler (Chefredakteur "TAIPAN") in Investoren Wissen
vom 25. Oktober 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des ersten Artikels der heutigen Ausgabe)
Wie ernährt man zusätzlich 2 Milliarden Menschen?
Nach Angaben der FAO (Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen) muss sich die weltweite Produktion von Lebensmitteln verdoppeln, damit die über neun Milliarden Menschen ernähert werden können. Die Lebensmittelproduktion hängt aber neben einer ganzen Reihe von Faktoren wie Wasser, Energie und Klimawandel auch davon ab, ob genug Anbauflächen zur Verfügung
stehen.
Wenn man mehr Land bebaut, kann natürlich auch die Lebensmittelproduktion gesteigert werden. Tatsächlich wurden seit den 90er Jahren die landwirtschaftlichen Anbauflächen um etwa 12% auf 1,5 Milliarden Hektar ausgeweitet. Das ist zukünftig aber nahezu ausgeschlossen. Es sei denn, man betreibt einen aberwitzigen Aufwand, um bisher nicht genutzte Flächen zu Ackerland zu machen.
Ich selbst habe zum Beispiel im Hochland von Ecuador erlebt, wie in abenteuerlichen Hanglagen Landwirtschaft betrieben wird. Diese sind teilweise so steil, dass Sie hier mit keinem Ochsen mehr hinkommen, geschweige denn mit einem Traktor.
Um Ackerland wird zukünftig gerungen
Auch wegen der zunehmenden Produktion von Biokraftstoffen wird um die Landnutzung heftiger Wettbewerb entstehen. Und an diesem Agrar-Monopoly können Sie sich beteiligen, wenn Sie schon jetzt auf die richtigen Titel setzen.
Zusätzlich zur weltweit anziehenden Nachfrage nach Lebensmitteln verschieben sich dramatisch die Gleichgewichte:
In den nächsten Jahren werden sich viele Menschen aufgrund steigender Einkommen am westlichen Lebensstil orientieren: Weniger Getreide, mehr Käse, Butter und Fleisch. Der Fleischkonsum in Asien, vor allem in China, zieht bereits jetzt deutlich an. Lag der durchschnittliche Fleischverzehr pro Kopf und Jahr in China 1995 noch bei 20 kg (Deutschland 97 kg), so ist der inzwischen auf über 54 kg gestiegen (Deutschland 84 kg). Das sind nur die Zahlen für China, in anderen Schwellenländern zeichnet sich dieser Trend ebenfalls ab.
Der hohe Fleischkonsum hat aber drastische Folgen. Der Verbrauch an natürlichen Ressourcen – Wasser, Energie, Getreide – nimmt erheblich zu.
Das Problem der Angebotsverknappung im Agrarsektor wird zusätzlich noch dadurch verschärft, dass das Bevölkerungswachstum fast ausschließlich in den Entwicklungs- und Schwellenländern stattfindet. Der Marsch in die Städte setzt sich weiter fort, der Urbanisierung wird weiteres wertvolles Ackerland zum Opfer fallen (Stichwort Bodenversiegelung). Bis 2030 wird sich die Stadtbevölkerung in Afrika und Asien verdoppeln.
Knappheit wird in den nächsten Jahren zu einem Schlüsselproblem. Eine direkte Folge von Bodenverknappung und steigendem Nahrungsmittelbedarf ist: Nicht nur die Preise für Nahrungsmittel, sondern auch für Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemittel werden steigen. Denn die Herausforderung besteht ganz schlicht darin, wesentlich mehr Lebensmittel auf deutlich weniger Fläche zu
produzieren.
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Volkmar Michler