Ford vs. BMW: Aus der Krise – in der Krise
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Dax 30
vom 4. November 2009, 14:30 Uhr
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die laufende Berichtssaison zeigt eines ganz deutlich: Europa und insbesondere Deutschland sind den Vereinigten Staaten in Sachen "Erholung von der Wirtschaftskrise" gut ein bis zwei Quartale hinterher. Die Zahlen, die aktuell über den Ticker laufen, sind nicht schlecht. Man könnte sie eher als durchwachsen beschreiben. Aber die Zuversicht, welche Konzerne in den USA mit ihren Q3-Zahlen entfachen konnten, die lässt bei uns noch ein bisschen auf sich warten. Ich kann Ihnen dazu ein eindrucksvolles Beispiel aus der massiv krisengeschüttelten Automobilbranche geben.
Ford schafft es ohne Staatshilfen: Knapp 1 Mrd. Dollar Gewinn in Q3
Sowohl BMW als auch sein US-amerikanischer Branchenkollege Ford legten dieser Tage ihre Zahlen zum dritten Geschäftsquartal vor. Schauen wir uns zunächst die Zahlen von Ford an. Die Detroiter hatten in den Jahren 2006 bis 2008 insgesamt einen Verlust von 30 Mrd. US-Dollar eingefahren - nun der Super-Coup: Der US-Autokonzern verbuchte im dritten Quartal dank Abwrackprämie und Kostensenkungen einen Nettogewinn von 997 Mio. US-Dollar. Zudem fiel der Cashflow zum ersten mal seit zwei Jahren im Berichtsquartal mit 4,7 Mrd. US-Dollar positiv aus. Beim Umsatz hat das Unternehmen einen Rückgang von rund 800 Mio. US-Dollar auf 30,9 Mrd. Dollar verzeichnet.
Als einziger US-Autohersteller hat das Unternehmen keine staatliche Hilfe in Anspruch genommen. Der zweitgrößte US-Hersteller hängt die Rivalen General Motors und Chrysler damit immer weiter ab. Jedoch ist Ford hoch verschuldet und diese Schulden müssen abgebaut werden. Die Schulden sind höher als bei Chrysler und General Motors. Im Vergleich zu den Konkurrenten befindet sich Ford jedoch in einer deutlich besseren Finanzlage und hat zudem neue spritsparende Automodelle im Angebot. Nun peilt der US-Autobauer von 2011 an wieder "solide" schwarze Zahlen auch im Gesamtjahr an - und damit schneller, als bisher geplant. Ford ist zurück auf der Erfolgsstraße.
BMW: Ende der Krise lässt auf sich warten
Der deutsche Traditionsautobauer BMW hingegen befindet sich weiter in der Krise. Unterm Strich verdiente der Autobauer 78 Mio. Euro, 73,8 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie die Münchner gestern mitteilten. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent auf 11,76 Mrd. Euro. BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner meinte, der starke Wettbewerb sei deutlich zu spüren. Allerdings erwarte BMW ein Nachlassen des Preisdrucks. Der Markt erhole sich, zudem komme BMW mit neuen Fahrzeugen.
Nach den ersten neun Monaten blieben BMW 47 Mio. Euro Gewinn. Vor einem Jahr waren es noch 1,29 Mrd. Euro gewesen. Sein aktuell positives Ergebnis verdankt BMW unter anderem seinen Finanzdienstleistungen, die zum Vorsteuergewinn 94 Mio. Euro beitrugen. Die Automobil-Sparte blieb in den roten Zahlen. Vor Steuern machte sie im 3. Quartal 154 Mio. Euro Verlust. Konzernchef Norbert Reithofer sagte, BMW strebe für das laufende Jahr ein positives Konzernergebnis an. 2010 erwartet er eine allmähliche Markterholung.
Das Entsetzen auf dem Börsenparkett war gestern groß - die Aktie des Autobauers rauschte steil nach unten. Zeitweise waren es deutlich mehr als minus 6 Prozent. Der Schlusskurs gestern lag bei 31,50 Euro. Manch Analyst wertet diese Reaktion als übertrieben. Die Zahlen von Ford sahen zwar deutlich besser aus. Anders als bei BMW seien diese jedoch stark geschönt durch die diversen Abwrackprämien, die weltweit vor allem die Nachfrage nach Klein- und Kompaktwagen angeheizt haben. BMWs Zahlen seien also nicht besonders schlecht, sie spiegeln einfach nur die Situation in der Autobranche wider. Die sei zwar etwas besser als noch vor einigen Monaten, aber längst nicht so rosig, wie es die kurzfristigen Erfolge der Massenhersteller vermuten lassen.
Nichts desto trotz: BMW-Aktien dürften am heutigen Handelstag weiter unter die Räder kommen. Denn während sich "Kollege" Ford im Oktober über ein Absatzplus von 3,1 Prozent auf 136.900 Fahrzeuge am US-Markt freuen konnte, erlitt BMW einen deutlichen Absatzeinbruch von 19 Prozent auf 20.619 Fahrzeuge. BMW muss sich also weiter im Spagat durch die kommenden Monate kämpfen. Lesen Sie dazu den nachfolgenden Kommentar von Henning Peitsmeier.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag.
Ihre
Cindy Bach
P.S.: Im Poker um Opel gab es heute am frühen Morgen einen ordentlichen Paukenschlag: Der US-Autobauer General Motors (GM) will Opel nach dpa-Informationen nun doch nicht verkaufen. Dies beschloss der GM-Verwaltungsrat gestern in Detroit. Im September hatte das Gremium noch den Verkauf von 55 Prozent der Opel-Anteile an den Autozulieferer Magna und dessen Partner Sberbank empfohlen. Die EU- Kommission hatte Bedenken angemeldet und GM aufgefordert, die Entscheidung zu überdenken.
Tja, und man hat dies scheinbar gründlich getan. Denn Fakt ist: Für die vier deutschen Opel-Standorte kommen nach dieser Entscheidung harte Zeiten zu. Im schlimmsten Falle, bedeutet diese Entwicklung die Schließung der Werke Bochum und Eisenach. Insbesondere für den kleinen Standort Eisenach wäre dies ein wirtschaftliches Erdbeben der Stärke 7 auf der nach oben offenen Richterskala. Oder anders ausgedrückt, für die Region bedeutet die Schließung ein "kleiner Tod".
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Papst Florian (04.11. 2009 18:53 Uhr):
Sehr geehrte Frau Bach 800 Mio. weniger Umsatz und trotz dem 1 Milliarde Gewinn , das mag vestehen wer will, ich aber nicht ?freundliche Grüße Papst Florian
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