Fondssparen für Fortgeschrittene
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Fonds
vom 8. Januar 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
in der heutigen Ausgabe von Investoren Wissen setze ich den gestrigen Artikel zum Thema Fondssparen fort. Darüber hinaus habe ich die aktualisierte Fassung des monatlichen Themenarchivs für Sie, so dass die Interessierten unter Ihnen sich den ein oder anderen Artikel nochmals in Ruhe ansehen können. Abschließend gibt es noch einen kurzen Blick in die Medien zum Thema "Einzelhandel in der BRD".
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.
Alexander Hahn
nachdem wir gestern einen kurzen Blick auf die Schwächen des "Fondssparens für die Massen" geworfen haben, möchte ich Ihnen heute eine (von vielen möglichen anderen) alternativen Ideen zum Fondssparen vorstellen. Diese basiert auf sog. marktneutralen Investments und Absolute Return Konzepten - gekoppelt mit dem zeitlich abgestimmten Einsatz von Themenfonds.
Das hört sich auf den ersten Blick vielleicht etwas kompliziert an, aber eigentlich ist es das gar nicht. Aber alles der Reihe nach...
Den Zinseszinseffekt kontinuierlich ausnutzen
Im gestrigen Artikel haben wir festgestellt, dass herkömmliche "Massenfonds", die es überall zu kaufen gibt, sich für den Zinseszinseffekt nicht wirklich einigen, da schwache Jahre die Depotentwicklung einfach zu sehr zurückwerfen. Doch wie könnte man dies lösen?
Hier kommen sog. marktneutrale Fonds und Absolute Return Konzepte mit ins Spiel.
Ein marktneutraler Fonds ist, vereinfacht gesagt, ein Fonds, dessen Rendite nicht oder nur absolut minimal mit dem Aktienmarkt korreliert ist. Ein Absolute Return Fonds hat das Ziel, jedes Jahr eine positive Rendite zu erwirtschaften.
Kombiniert man diese beiden Eigenschaften, so ergibt sich ein marktneutraler Absolute-Return-Ansatz. Derartige Fonds sind nicht immer leicht zu konstruieren und oftmals wird hier auf sehr raffinierte, hochentwickelte und moderne Strategien zurückgegriffen. Das Performance-Resultat solch eines Fonds ist, wenn die Strategie funktioniert und bewährt ist, jedoch meist sehr verlässlich. Im Schnitt erzielen viele derartige Strategien jährlich 5% bis 6% Rendite bei minimaler Volatilität und nahezu völliger Unabhängigkeit von den Aktienmärkten. Derartige Fonds werden in der Regel von spezialisierten Gesellschaften und Spezialabteilungen der Fondsgesellschaften angeboten, die über ein entsprechendes Know-How verfügen.
Der Vorteil solch eines Fonds ist allerdings, dass der Draw-Down (wenn denn mal einer kommt) sehr gering ausfällt, und den Zinseszinseffekt des gesamten Portfolios somit nicht zerstört. Mit solchen Fonds als Basiskomponente haben Sie also einen Portfolioblock der durchgehend den Zinseszinseffekt ausnutzt.
5% bis 6% pro Jahr machen aber noch kein Vermögen...
Natürlich hören sich 5% bis 6% pro Jahr doch eher langweilig an - Zinseszinseffekt hin oder her. An dieser Stelle kommt jedoch die zweite Strategie ins Spiel: Fügen Sie Ihrem Portfolio in gesunden Marktzeiten etwas "sportlichere" Themenfonds hinzu (etwa Emerging Markets etc.) und gewichten Sie diese nicht über.
Hierdurch können Sie eine attraktive Mehrrendite erzielen und heben somit die Jahresperformance Ihres Portfolios noch einmal deutlich an, wenn Sie in guten Zeiten an den Börsen mit dabei sind und in schlechten Zeiten einfach nur die marktneutrale Absolute-Return-Komponente laufen lassen.
Über die Jahre betrachtet ergibt sich so ein attraktiver Vermögenszuwachs, welcher intelligent die Chancen an den Finanzmärkten ausnutzt und diese mit der Kraft des Zinseszinseffektes sinnvoll kombiniert.
Wie kommt man an solche Konzepte?
Zugegeben, die wenigsten Banken werden Ihnen solche Konzepte freiwillig verkaufen, da diese i.d.R. nur für die Top-Kunden zurückgehalten werden. Den "kleinen Kunden" verfüttert man meist lieber die Reste, den Fondsschrott und die Ladenhüter, denn das gibt nicht selten deutlich mehr Verkaufsprovision.
Wer selbst an solche modernen Sparkonzepte kommen möchte, hat zwei Alternativen:
- Sie recherchieren im Internet nach entsprechenden marktneutralen Absolute-Return Fonds (durchaus auffindbar mit etwas Arbeit), werten diese ausgiebig aus und bauen sich dann selbst mit eigenen Handelssignalen Ihr Zwei-Komponenten-Fondssparportfolio. Anschließend machen Sie sich auf die Suche nach einer Partnerbank, mit der Sie derartige Dinge als Sparpläne umsetzen können (zwar machbar, aber nicht ganz einfach, da viele Banken die entsprechenden Fonds nicht als Sparpläne regulär im Programm haben...).
- Sie wenden sich an einen Experten bzw. speziellen Vermögensverwalter oder Berater, der sich auf derartige Strategien spezialisiert hat und sich mit den entsprechenden Fonds selbst gut auskennt und die nötigen Kontakte zu den entsprechenden Depotbanken hat, bei denen solche Strategien realisiert werden können.
Ich selbst bin kein großer Fondssparer und halte auch nicht viel von den meisten Konzepten, aber wenn ich Fondssparen müsste, so wäre für mich die hier vorgestellte Kombination aus speziellen Basisfonds und selektiv eingesetzten Themenfonds einer der wenigen Ansätze, die tatsächlich logisch fundiert sind, funktionieren, und mit ruhiger Hand verwaltbar sind.
Viel Erfolg allen Fondssparern unter Ihnen, liebe Leser.
Beste Grüße
Beste Grüße
ähnliche Beiträge:
- Fondssparen für Fortgeschrittene: Drei Bausteine
- Sinnvolles Fondssparen: Geht das überhaupt?
- Leserzuschrift zum Thema "Fondssparen"
- Blick ins Archiv: Fonds und Fondssparen
- Optionen für Fortgeschrittene 8 - Die Griechen (Teil I)
- Optionen für Fortgeschrittene: „In, Out & At the Money“-Optionen
- Leserfrage: Sinnvolles Fondssparen - Überhaupt noch möglich?
- Kurz-Tipp: Wenn Ihnen Ihre Bank zu Fondssparplänen rät...
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Gierig (08.01. 2010 19:05 Uhr):
Ein paar Beispiel-WKNs wären nett gewesen (nein - keine direkte Kaufempfehlung). Sonst wird auch nicht so viel Zurückhaltung geübt. Ansonsten klingt das eher nach heißer Luft, zumal das Interesse für Nicht-Profis riesig sein dürfte.
Antworten - Kommentar von Alexander Hahn (09.01. 2010 01:30 Uhr):
Gierig: Kommt doch alles noch. :-) Nächste Woche werde eine kleine Serie machen, in der ich ein paar Fonds vorstelle. Diese Woche ging es mir erst einmal um das Grobkonzept. Beste Grüße Alexander Hahn
Antworten