Fondsdepot: Die kurz- und mittelfristige Seite (Fortsetzung)
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Fonds
vom 30. August 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
heute möchte ich den Artikel zum Thema "Eine Möglichkeit, ein Fondsdepot aufzubauen" beenden.
Was wir noch nicht betrachtet haben ist die kurz- und mittelfristigere Seite des Depots.
Am Freitag schrieb ich Ihnen in allgemeinen Grundzügen, wie ich beim Aufbau eines Fondsdepots im langfristigen Bereich vorgehen würde und auf welche fundamentalen Trends bzw. Komponenten ich dabei setzen würde.
Dies möchte ich heute ein wenig vervollständigen, indem ich ein paar Gedanken zum kurz- und mittelfristigeren Bereich mit Ihnen teile.
Die kurz- und mittelfristigere Komponente im Portfolio: Performance-Beschleuniger und Performanceglättung
Keine Frage, ein Megatrend kann Anleger relativ leicht mit erfreulichen Gewinnen belohnen und ggf. sogar sehr reich machen.
Doch jeder Trend hat auch einmal Konsolidierungs- und Korrekturphasen, in denen er eher langweilig verlaufen bzw. gar underperformen kann. Um solche Phasen etwas zu dämpfen (etwa während Korrekturen) oder auch um lukrative kurzfristigere Entwicklungen mitnehmen zu können, kann es ganz sinnvoll sein, im Portfolio auch einen kleineren Teil für kurz- und mittelfristigere Operationen zu reservieren.
Möglichkeiten hierfür gibt es sehr viele. Ich möchte dies einmal am Beispiel einer Korrektur ausführen und Ihnen zeigen, wie Sie diese für sich nutzen können.
Effektiv Korrekturen ausnutzen und Rückschläge im Fondsdepot vermeiden
Die meisten Anleger kaufen Fonds in der Regel zu einem ungünstigen Zeitpunkt (relativ auf der Spitze) und laufen dann in eine Korrektur hinein, stürzen ab und verkaufen dann die Fonds am Boden.
Dieses Szenario möchte ich einmal außen vor lassen. Stellen wir uns viel mehr vor, wir hätten zum richtigen Zeitpunkt (der Einfachheit halber hier im Beispiel jetzt nur) in einen Fonds investiert, dieser hat Buchgewinne erwirtschaftet und ist nun etwas heiß gelaufen bzw. der Markt droht mit einem Gesamtrückschlag.
Welche Möglichkeiten gäbe es, hier zu reagieren?
Ein paar Beispiele möglicher Handlungsoptionen
- 100% Gewinnmitnahme
- Teilgewinne realisieren
- Stop Loss setzen
- Kombination aus 1-3
- Position halten
- Hedgen (d.h. durch eine weitere entgegengesetzte Position das Risiko Ihrer Fondsposition reduzieren)
Natürlich macht nicht immer jede Variante wirklich Sinn.
Ein paar Ideen zum Thema Hedging in Korrektursituationen
Bei kleineren Korrekturen ist es gerade bei Megatrends meist das Beste, nichts zu tun und diese einfach auszusitzen und an Tiefphasen nachzukaufen, so lange der Trend intakt ist. Solche Phasen gehören dazu und sind völlig normal.
Anders hingegen würde ich die Lage betrachten, wenn der Gesamtmarkt ebenfalls gut hochgelaufen ist und eine Korrektur im Gesamtmarkt droht, Ihnen die Buchgewinne zu verhageln oder der Gesamtmarkt sich gar in einer Topphase befindet.
Eine kleine Checkliste zur Situationsbestimmung könnte wie folgt aussehen:
- Betrachten Sie den Gesamtmarkt auf Tages- und auf Wochenbasis. Liegt eine bestimmte Chartformation vor, welche Ihnen einen Hinweis darauf geben könnte, wie stark eine Korrektur ggf. ausfallen könnte? Wo liegen die Widerstände?
- Gibt es Extremstände in den gängigen Indikatoren (RSI, MACD)?
- Wo stehen Ihre einzelnen Fonds bzgl. ihrer langfristigen Trendlinien oder der 200-Tage-Linie? Drohen Trendbrüche im Falle von Korrekturen?
- Bei wie viel Punkten steht der NYSE BP Index? Steht er in einer X- oder in einer O-Spalte?
- Befindet sich der VIX im 2-Box-P&F-Chart im Aufwärtstrend?
Ein paar mögliche Alarmzeichen für eine stärkere Korrektur wären etwa eine Kombination aus beispielsweise bärischen Divergenzen im MACD und RSI gepaart mit einem Reversal im NYSE BPI von über 70 auf unter 70 und / oder einem VIX im mittelfristigen Aufwärtstrend.
In solchen Fällen empfiehlt sich schon eher der Einsatz von bärischen Instrumenten. Dies kann ein bärischer ETF oder ein doppelt gehebelter ETF sein oder ein Derivat mit höherem Hebel (etwa Put-Optionsscheine). Wenn Sie gar mit Optionen arbeiten, bietet sich natürlich auch der VIX-Index an.
Wenn Sie derartige Absicherungen richtig anwenden, glätten Sie nicht nur Ihre Performance, sondern Sie beschleunigen diese auch noch, denn ein Absturz an den Märkten erfolgt natürlich weitaus schneller als Phasen von Kursgewinnen.
Ein paar Worte zum Schluss
Natürlich können sämtliche Überlegungen zu einem Fondsdepot wie hier in den letzten Artikeln angestellt nur sehr allgemein bleiben, da ja jeder Anleger einen unterschiedlichen Handelsstil hat und sich viele Dinge auch erst in den entsprechenden Situationen vollständig beurteilen lassen (etwa bei Korrekturen).
Ich hoffe jedoch, ich konnte gerade dem ein oder anderen Anfänger unter Ihnen vielleicht die ein oder andere grundsätzliche Idee geben, wie man solch ein Depot aufbauen und überwachen könnte, und dass es eben durchaus Sinn machen kann, eine Portfoliostrategie zu haben und nicht wahllos einfach ein paar Fonds zu kaufen.
Grundsätzliche Regeln, wie etwa dass jede Position maximal 3% Ihres Portfolios risikieren sollte, gibt es eben nur in beschränkter Zahl.
Wie auch immer Sie vorgehen, ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei.
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