Fonds

Das Märchen vom bösen Hedgefondsmanager

Jürgen Nowacki in Investoren Wissen zum Thema Fonds
vom


Mein Freund Axel, ein Dr. Ing., baut Autos. Ein echter Kumpel, mathematisch ein Genie und ein Typ, der zu allem seinen Senf dazu gibt, immerhin ist er Techniker mit Promotion. Er weiß natürlich genau, wie alles in unserer Welt funktioniert beziehungsweise was alles so schief läuft, zum Beispiel in der Wirtschaft. Sein Lieblingsthema ist das Bankenbashing. Also das Abwatschen der Banker, die in einer Branche arbeiten, die nichts schafft und nur kassiert - im Gegensatz zur Zunft der Techniker, die seiner Meinung nach einem ehrenwerten Beruf nachgehen.


Er hält mir also wieder einmal einen Vortrag darüber, dass es ja wohl nicht mit rechten Dingen zugehen kann, wenn ein Hedgefondsmanager, wie jetzt kürzlich in einer großen Wirtschaftszeitung zu lesen war, im großen Stil gegen den Euro wettet. Dazu muss ich etwas genauer auf den Zeitungsartikel, den Sie bestimmt auch gelesen haben, eingehen.

Das Blatt beruft sich auf einen Insider, demzufolge John Paulson angeblich mit seinen milliardenschweren Fonds, die er verwaltet, gegen europäische Staatsanleihen wettet. Er verkaufe Staatsanleihen leer und kaufe zur Absicherung CDS, also Kreditausfallversicherungen. Ganz konkret sprach der Informant, der nicht genannt werden wollte, davon, dass Paulson auf einen Anstieg des Risikoaufschlages spanischer Staatsanleihen spekuliere.

Ich habe meinem Freund Axel dann erklären müssen, dass dieser redaktionelle Artikel mangels stichhaltiger Fakten überhaupt keinen Sinn ergibt und man sich fragen müsse, warum ein Fondsmanager seine Strategie offenlegen sollte, wenn doch jeder Anfänger weiß, dass er sich und seinem Fonds damit keinen Gefallen tut. Oder würdest Du, habe ich Dr. Ing. Axel gefragt, in der Nachbarschaft verbreiten, dass Dein Auto ständig Probleme macht und Du einen Dummen suchst, der Dir die Karre abkauft?

Der Hedgefondsmanager ist normalerweise daran interessiert, für seine institutionellen Kunden bei reduziertem Risiko und völlig geräuschlos eine Überendite zu erzielen.

Er wird dazu einen Schutzwall aus Optionen und Leerverkäufen um seine Investments installieren, damit seine Anleger - egal ob es rauf unter runter geht - eine etwas höhere Rendite erzielen, als sie mit deutschen Staatsanleihen zur Zeit verdienen können.

Also ein Beispiel, lieber Axel: Deine Lebensversicherung hat aufgrund der etwas höheren Zinsen in spanische Staatsanleihen investiert. Jetzt, wo das Risiko immer größer wird, dass Spanien Zins und Tilgung vielleicht bald nicht mehr aufbringen kann und sich ein Desaster wie in Griechenland widerholen könnte, wird der Manager einen Teil seines Risiko absichern, indem er CDS, Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen) kauft, und das ist ein Hedge.

Ein Manager aber, der auf den Zusammenbruch einer Währung spekuliert, wie seinerzeit der legendäre Georg Soros mit seinem Quantum Fonds gegen das Britische Pfund, sollte nicht als Hedgefondsmanager bezeichnet werden. Soros ging gewaltige, mit Kredit finanzierte Risiken ein und bei solchen gehebelten Geschäften bleiben etwa 50 Prozent aller Anleger auf der Strecke. Hier greift die Formel: Was ein Spieler gewinnt, muss ein anderer Spieler verlieren, ähnlich wie am Roulettetisch (wenn wir die 0 einmal unberücksichtigt lassen.)



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