"Folgen des schwachen Dollar" und andere Bill Bonner-Beiträge
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. Mai 2007 07:30 Uhr
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*** Die Wiederaufnahme des iranischen Nuklearprogramms
Brent-Öl kletterte Ende letzter Woche wieder auf über 70 Dollar. Die Iraner haben augenscheinlich ihr Urananreicherungsprogramm wieder aufgenommen und sorgen so für eine Gänsehaut, die die gesamte geopolitische Wirbelsäule hinabläuft.
„Iran wird sein Nuklearprogramm nie aufgeben“, berichtet mir Dan Amoss von Strategic Investment.
Irans Präsident Mahmoud Ahmadinedschad erzählt auch weiterhin jedem, dass das Programm ausschließlich für die friedliche Nutzung zur Stromerzeugung gedacht ist – und die meisten denken, dass er unverhohlen lügt.
„So zu denken ergibt natürlich Sinn”, fährt Dan fort, “warum braucht man schließlich Kernenergie, wenn man auf den größten Ölvorkommen weltweit sitzt? Und deswegen geht man davon aus, dass er Nuklearwaffen bauen will.“
“Ob das nun stimmt oder nicht, eine Sache ist jedenfalls sicher: Iran braucht Kernenergie, um die Wirtschaft in Gang zuhalten. Denn die iranischen Ölvorkommen gehen ihrem Ende zu – mit einer Geschwindigkeit von 3 - 3,5 Millionen Barrel am Tag.“
„Das dreckige kleine Geheimnis auf dem Ahmadinedschad sitzt ist, dass die Ölindustrie seines Landes Tag für Tag darum kämpft, die Ölproduktion bei 3 - 3,5 Millionen Barrel täglich zu halten.“
„Also wissen wir, dass Ahmadinedschad ehrlich der Welt gegenüber ist, wenn er sagt, sein Land braucht Kernenergie. Das bringt uns zu der Frage, ob er auch ehrlich ist, wenn er sagt, dass das Nuklearprogramm des Landes nur zur friedlichen Nutzung dient – oder ob er auch gleichzeitig Atomwaffen anstrebt.“
*** Folgen des schwachen Dollar
“Ein schwacher Dollar ist die treibende Kraft hinter der weltweiten Liquidität”, schreibt Alan Ruskin in der Financial Times. Ruskins Argument ist genau dasselbe, dass ich auch ungefähr einmal pro Woche auf den Tisch bringe. „Die USA haben eine Technologie“, wie Ben Bernanke sagt, „die nennt sich Druckerpresse.“ Und in der letzten Zeit haben die USA sie so ausgiebig verwendet, dass schon die Griffe abfallen. Der Dollar kommt ganz heiß aus der Presse ... und noch ehe er abgekühlt ist, ist er schon auf dem Weg über die großen Ozeane ins Ferne Kathai ... wo davon Luxusartikel gekauft werden, die das Heimatland nicht produzieren kann.
In der Financial Times wurde Ende der Woche beispielsweise berichtet, dass ein chinesischer Computerhersteller sagt, er würde so viel Geld verdienen, er wüsste kaum noch, was er damit machen soll. Lenovo – der Computerhersteller, der von IBM vor zwei Jahren gekauft wurde, berichtet, dass die Gewinne während des gesamten Jahres in den Himmel geschossen seien.
Amerikanische Emissionen aus Papiergeld verursachen eine Art Kettenreaktion der Entwertung. Kein Land will erleben, dass die eigene Währung schneller fällt als der Dollar – und ganz besonders nicht die Hauptanbieter Amerikas. (Wir bezeichneten sie einst als „Handelspartner“. Aber der Ausdruck scheint auf traurige Weise aus der Mode gekommen zu sein, da der Handel fast ausschließlich in eine Richtung vonstatten geht. Die Länder, die Dollar empfangen, scheinen ihre eigenen Druckerpressen anzukurbeln ... und legen verschiedene Schichten bunter Tinte auf geduldige Papierstücke, die sie verwenden, um die amerikanische Währung kaufen zu können.
Ergebnis Nr. 1: Allerorten mehr Papiergeld.
Ergebnis Nr. 2: Geringere Zinssätze.
Ergebnis Nr. 3: Ein gewaltiger Liquiditätsboom.
Ergebnis Nr. 4: Ein großer Anlauf auf die Preise von Vermögenswerten ... viel Aktivität im Bereich der Fusionen und Aufkäufe ... weltweit Blasen ... ein Clown bezahlt 71 Millionen Dollar für einen Warhol.
Und sicherlich gibt es auch noch ein Ergebnis Nr. 5.
Nur was? Mindestens wird es – wie Mr. Greenspan sagt – eine Korrektur voller Dramatik in den meisten der betroffenen Märkte sein. Und im schlimmsten Falle wird es etwas sein, das die vier Reiter der Apokalypse nachahmt: Weltweite Wirtschaftskrisen, Revolutionen, Kriege und Gerüchte über Kriege.
*** Spaziergang in London
Ich spazierte kürzlich nach dem Mittagessen zurück. London ist eine großartige Stadt für Spaziergänge. Man kann normalerweise immer durch einen Park oder über eine grünen Flecken laufen. Und jetzt kann man, entlang des Südufers, meilenweit am Ufer entlang spazieren. Mein Rückweg führte mich von The Eye gegenüber von Westminster bis zur Blackfriars Bridge.
Bummelnd kam ich an verschiedenen Cafes vorbei, in denen man draußen sitzen konnte, an Jongleuren, an Geigern und klassischen Gitarristen. Es war ein so schöner Tag – eine Seltenheit in London – es wirkte so, als sei jeder draußen. Paare entspannten sich auf den Bänken und blickten über den Fluss. Andere spazierten Arm in Arm unter den Platanen. Und unten am Hauptsitz von ITV standen einige schöne Frauen auf dem Bürgersteig und bereiteten sich auf eine Show vor, mit Kameraleuten, Technikern und Lakaien, die überall waren.
Ich lauschte den Unterhaltungen während ich vorbeiging, sie enthüllten die Stimmung unserer Zeit.
“Ich habe zu ihm gesagt, dass er besser eine Entscheidung trifft. Ich meine ... warum sollte ich mir ein solches Wischiwaschi bieten lassen?“ sagte die junge Frau zu ihrer Freundin.
“Anne … ja … würdest du Freddie bitte sagen, dass der Deal in Ordnung geht”, sagte eine junge Geschäftsfrau, die allein saß und in die Luft sprach. „Der Preis ist in Ordnung ... aber er sollte besser den Abschnitt mit dem Schadensersatz in Ordnung bringen.“
„Wer könnte sich leisten zu kaufen?“ sagte eine reife Frau, die einen Geschäftsanzug trug, zu einem Mann mit einem offenen Kragen. „Sie sind entmutigend, die Preise, die sie in Croydon verlangen. Ich hätte vor 10 Jahren kaufen sollen ... als ich mich scheiden ließ. Aber damals hatte ich kein Geld.“