Folgen der jüngsten Zinssenkung
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 28. September 2007 07:30 Uhr
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Die Zentralbank traf die Märkte mit einer Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt. Der S&P ist stärker nach oben geschossen als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt seit der Invasion im Irak im März 2003. Und jetzt erfahren wir in den Zeitungen, dass Goldmans Erträge im vergangenen Quartal um 79% gestiegen sind ... und Abu Dhabi hat 18 Milliarden in ein großes Private Equitty-Unternehmen gesteckt, Carlyle.
Die Investoren müssen glauben, dass die Interventionen der Zentralbank am Kreditmarkt so effektiv sein werden wie die Interventionen der Bushregierung in Mesopotamien. Und sie haben vermutlich Recht.
In keinem Fall bringt die Kampagne von Angst und Schrecken garantierte Ergebnisse. Einige Probleme bieten sich einfach nicht dazu an, dass man sich von außen einmischt.
Im Falle der amerikanischen Wirtschaft bieten die Zinssenkungen der Zentralbank den Kreditnehmern mehr Kredit zu geringeren Kosten. Aber es ist nicht so, dass es in der amerikanischen Wirtschaft einen Mangel an Krediten gegeben hätte. Der Gesamtkredit in den Vereinigten Staaten ist von 150% des Bruttoinlandsprodukt im Jahr 1971, als der Dollar vom Gold getrennt wurde, auf ungefähr 340% des Bruttoinlandsprodukt heutzutage gestiegen. Das, liebe Leser, bezeichnet man als Kreditexpansion. Das ist es, was die amerikanische Wirtschaft zu dem werden ließ, was sie heute ist ... und es ist der Grund, warum die Senkung des Leitzinssatzes vermutlich nicht so effektiv sein wird, wie sich die Investoren erhofft haben.
Die Finanzvertreter haben Recht – was die amerikanische Wirtschaft (und damit auch dei Weltwirtschaft) braucht, sind mehr Ausgaben. Ausgaben sorgen dafür, dass das Geld fließt. Aber wer hat noch Geld zum Ausgeben?
Die Reichen natürlich. Der Luxusmarkt ist schon seit vielen Jahren sehr profitabel. Aber ich erhalte Berichte, in denen es heißt, dass sich heute sogar die Reichen immer zögerlicher von ihrem Geld trennen. Sie warten ab, was die Hedgefonds tun werden ... und was mit der amerikanischen Wirtschaft passiert. Es braucht heute länger, Häuser im Wert von Millionen Dollar zu verkaufen, besagen die Quellen. An anderen Märkten der Reichen – bei Uhren, Autos, Booten – verhält man sich nicht ganz so sorglos und extravagant, wie noch vor drei Monaten.
Aber die Reichen brauchen keine Kredite, um Geld auszugeben. Sie haben richtiges Geld.
Dummerweise sind es die nicht-ganz-so-Reichen, die die Wirtschaft antreiben, denn es gibt so viele von ihnen. Solange die Kredite weiter expandieren, haben die einfachen Leute mehr Geld, mit dem sie um sich werfen können. Unvermeidlich erreichen sie einen Punkt, an dem sie nicht mehr weitermachen können. Die Rechnungen stapeln sich. Früher oder später kann ein Kreditnehmer seine monatlichen Zahlungen nicht mehr leisten.
Und dann wird er, wenn die Zentralbank kommt, und niedrigere Zinssätze anbietet, vermutlich zweimal darüber nachdenken. Er will vielleicht gern mehr Geld leihen ... aber er kann es sich nicht leisten.
“Die Wohnkosten drängen die Arbeitsklasse an den Abgrund”, lautet eine Schlagzeile der Financial Times.
Das wahre Problem ist nicht der Mangel an Kredit, es ist der Mangel an Kaufkraft. Die Leute haben nicht genug Einkommen, um weiter Geld leihen zu können. Hohe Kosten für das Haus, hohe Energiekosten, hohe Lebensmittelkosten ... was soll der arme Mensch tun?
“Geisterstädte”, nennt die New York Times einige neue Bauprojekte. Während die geringen Zinssätze die Konsumenten dazu verführten, Häuser zu kaufen, die sie sich nicht leisten konnten ... haben die Verkaufszahlen die Bauunternehmer dazu verführt, diese Häuser zu bauen. Jetzt stehen sie leer ... und warten auf den Tag, an dem die bereitwilligen Verkäufer wieder mit fähigen Käufern übereinkommen können.
Momentan sind die Käufer nicht in der Lage, die aktuellen Preise zu bezahlen ... und die Verkäufer sind nicht bereit, die Preise auf ein Niveau zu senken, dass sie dazu wieder in die Lage versetzen würde. Der Immobilienmarkt braucht, im Gegensatz zum Weizenmarkt, eine gewisse Zeit bis zum Ausverkauf. Ich gehe davon aus, dass die Anpassungen einige Jahre dauern werden.