Folge der Finanzkrise: Kokain billiger als Bier
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Value Analyse
vom 25. Februar 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Die Finanzkrise hat interessante Folgen.
Nehmen wir Großbritannien. Bekanntlich gehört dieses Land zu den von der Finanzkrise am härtesten getroffenen Industrienationen dieser unserer (doch irgendwie schönen?) Welt.
Ist klar: London ist der größte Finanzplatz der Welt, und im für Großbritannien wichtigsten Wirtschaftszweig Dienstleistungen dominieren die Finanzdienstleistungen (Banken, Versicherungen).
Und gerade dieser Sektor der „Finanzdienstleistungen" wurde in den letzten Monaten hart getroffen, da erzähle ich Ihnen nichts Neues. Banken, Broker, Hedgefonds, Vermögensverwalter, Versicherer - alle mussten leiden, und beinahe ging die drittgrößte Bank Europas (Royal Bank of Scotland) Pleite.
Dies wäre auch für uns als Trader wichtig gewesen, denn die Royal Bank of Scotland ist der neue Eigentümer der Zertifikate-Abteilung des wichtigen Emittenten ABN Amro. Der britische Staat übernahm die Aktien-Mehrheit der Royal Bank of Scotland, damit sichert er zumindest indirekt auch die Zertifikate-Abteilung.
So oder so wurden in der Londoner „City" (das ist der kleinste Londoner Stadtteil, in dem sich der Finanzsektor konzentriert, mit Hunderttausenden Beschäftigten) Zehntausende entlassen. Es traf Vermögensverwalter genauso wie Hedgefonds-Manager. Darunter Tausende der sogenannten „Yuppies", und auch einige, mit denen ich wahrscheinlich wenig Mitleid hätte. (Ein Bekannter von mir lebt in London und arbeitet in der Finanzindustrie, hält mich auf dem Laufenden.)
*** Nun zum eigentlichen Punkt.
Den „interessanten Folgen" der Finanzkrise.
Der britische „Telegraph" berichtet: Der Preis von Kokain ist drastisch gefallen.
Das britische Innenministerium vermeldet demzufolge, dass der Preis für ein Gramm Kokain auf 20 bis 40 Pfund je Gramm gefallen ist. Vor zehn Jahren lag der Preis bei ca. 74 bis 77 Pfund je Gramm. (Angaben aufgrund polizeilicher Ermittlungen festgestellt.)
Nun ist es so: Aus einem Gramm Kokain kann man 10 bis 20 sogenannte „Lines" bauen. Also gewissermaßen „Linien", welche dann geschnupft werden. Im Yuppie-Jargon auch „sniffen" genannt. (Ich habe da keinerlei Erfahrungen, kenne aber jemanden, der diese hat.)
Also: Bereits für 2 bis 2,50 Pfund kann man derzeit in der Londoner City eine „Line" Kokain erhalten. Und damit ist der Preis für Kokain unter den für Bier gefallen - denn meinen Informationen zufolge liegt der Preis für ein großes Bier (1 Pint = ca. 0,57 Liter) bei 2,75 Pfund.
Mit anderen Worten: Es ist billiger geworden, Kokain zu konsumieren, als Bier!
Was für interessante Folgen die Finanzkrise doch hat!
*** Als grundsätzlich wirtschaftlich denkender Mensch (homo oeconomicus mit erfahrungsgemäß irrationalen Bestandteilen) würde ich in London also vor die Wahl gestellt sein, meinen Bierkonsum zugunsten des Kokainkonsums zurückzustellen, aus finanziellen Erwägungen.
Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Ich würde diesen Wechsel niemals durchführen und rate auch den in London lebenden Mitgliedern der Trader´s Daily-Gemeinde davon ab!
Wenn es um Rauschmittel geht, dann beschränke ich mich auf legale Dinge (siehe Rosenmontag). Und wenn mir Gott eines Tages einen Sohn schenken sollte, dann möchte ich diesem mit auf den Weg geben: „Mein Sohn, halte Dich an Bier. Das ist legal, leicht verfügbar, bezahlbar, macht einen schönen Rausch und es wird in vielen Ländern der Welt hergestellt. Meide hingegen illegale Rauschmittel jeder Art."
So möge es sein.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
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