Flugverkehr
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 22. April 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
der europäische Flugverkehr kehrt langsam wieder zur Normalität zurück. Ich finde es sehr bemerkenswert, dass wir in einer hochtechnisierten Welt noch immer so abhängig von Naturphänomenen sind. Dieses Ereignis zeigt eindrucksvoll, dass die Natur und nicht der Mensch in Wahrheit den Lauf der Dinge bestimmt.
Die Auswirkungen eines einzigen Vulkanausbruchs am äußersten Rand von Europa waren gravierender als die Terroranschläge des 11. September 2001: 95.000 gestrichene Flüge mit Zielen auf der ganzen Welt, 7 Millionen gestrandete Passagiere, 80 Prozent der europäischen Flughäfen gesperrt. 1,26 Milliarden Euro betragen die geschätzten Kosten der Naturkatastrophe für die Airports, 1,3 Milliarden Euro belasten die Fluggesellschaften. Die Behörden und Unternehmen im Bereich der Flugsicherungen verloren nach Angaben des Branchenverbandes 25 Millionen Euro pro Tag. Europas größter Reiseveranstalter TUI bezifferte seinen Schaden alleine bis Sonntag auf 22,6 Millionen Euro. Wegen festsitzender Arbeitskräfte fuhr die Wirtschaft nach Angaben der Royal Bank of Scotland jeden Tag einen Produktivitätsverlust in Höhe von 500 Millionen Euro ein. Gut, dass das nun vorbei ist.
In Anbetracht der enormen Kosten Belastungen fielen die Kursverluste für die betroffenen Unternehmen an den Aktienmärkten erstaunlich mild aus und sind zum Teil bereits wieder aufgeholt. Anscheinend rechnet die Börse mit staatlicher Unterstützung und einem teilweisen Wiederaufholen der Ausfälle. Zudem herrscht ohnehin gerade gute Stimmung und die lassen sich die Anleger nicht so schnell vermiesen. In einem Börsenumfeld wie 2008 hätte der Markt sicher völlig anders reagiert. Aber daran sehen Sie wieder einmal, wie launisch Börse sein kann. Manchmal ist das auch ganz gut so.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Werner Bläser (22.04. 2010 10:36 Uhr):
Solche Reaktionen wie die des Marktes auf die durch die Aschewolke verursachten Probleme zeigen zuverlässiger als jede Charttechnik oder jede Sentimentanalyse die innere Marktverfassung an. (In diesem Fall: Der Dax "will" nicht nach unten. Noch nicht.) Deshalb muß man für solche Ereignisse und die zunächst vielleicht verwunderliche Marktreaktion dankbar sein.
Antworten - Kommentar von Dr Gunther Kümel (22.04. 2010 10:44 Uhr):
Das Phänomen der "Aschewolke" ordnet sich möglicherweise ein in die lange Reihe behördlicher Märchengeschichten wie 9/11, Krieg gegen Terror, den Tod der iranischen Demonstrantin (sehr lange Liste). Zu sehen war nur blauer Himmel, die Probeflüge der Lufthansa ließen keinerlei Störung erkennen. Englische Gesellschaften wußten lange vorher, daß die Gefährdung am 21.04. vorbei sein würde: zeitgleich mit dem Ende riesiger, kontinentweiter NATO-Luftmanöver. Was'n Zufall!
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