Flug in den Schwachsinn
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 15. September 2003 18:00 Uhr
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"Nur weil jedes Mitglied der Gesellschaft und der Regierung will, dass die Anleihen- und Hausbau-Inflation sich ohne Konsequenz fortsetzt, muss das nicht bedeuten, dass es auch passiert." – Michael J. Burry
In einer Krise flüchten sich die Investoren in Sicherheit; plötzlich wendet sich all ihre Aufmerksamkeit vom return ON investment zum return OF investment. Anleihenkäufer, die sich typischerweise an der Ertragskurve orientieren, wenden sich vom grauen Himmel der Investitionen ab und schwenken über zu den besseres Wetter bietenden Schatzbriefen. "Da kriegen wir zumindest unser Geld zurück," sagen sie sich dabei. Was auch immer passiert, der Staat wird zahlen ... ... selbst wenn er dafür Geld drucken muss.
Aktienkäufer flüchten sich währenddessen in Qualität, indem sie von spekulativen Aktien zu solchen wechseln, die Wert und Rendite bieten. Auf diese Weise wollen sie die Krisenzeit abwarten ... und die Dividenden kassieren.
Aber was ist mit dem Investor von heute? Er schaut um sich und sieht keine Gefahr, weder von den höchsten Haushaltsschulden in der Geschichte, noch von den Billionen in den Derivativen, noch von der steigenden Arbeitslosigkeit, noch von den sinkenden Gewinnen, noch von den hohen Aktienpreisen, noch von den größten Defiziten der Geschichte, sowohl dem des Staats als auch dem des Handels. Was sollte er tun?
Sich ein paar neue Augen besorgen, ist unsere Antwort.
Stattdessen hat er einen billigen Flug gen Mittelmäßigkeit gebucht ... und den ganzen Markt mit sich genommen.
Auf dem Anleihenmarkt favorisieren die Investoren Junk-Bonds vor Qualitäts-Bonds. Und auf dem Aktienmarkt hatten die spekulativsten Tech-Aktien bei weitem die beste Performance in diesem Jahr bis jetzt.
Es gibt kluges und dummes Geld. In normalen Zeiten unterscheidet es sich nur geringfügig, wie Republikaner und Demokraten. Eine Aktie, die für das 10fache der Einnahmen gehandelt wird, kann zu teuer, aber auch zu billig sein. Das erkennt man erst nach einiger Zeit.
Schlimm jedoch ist es, wenn dummes Geld klug aussieht, wie im Moment. Nichts hebt den IQ eines Investors mehr, als wenn er sieht wie seine Aktien steigen. Bis zum Beginn einer Krise denken sogar die dümmsten Investoren, sie seien Genies.
Wenn wir zurück auf die "Blasen-Jahre" 1997 bis 2000 schauen, erkennen wir, wer wer war. Das kluge Geld verkaufte Aktien, das dumme verkaufte sie. Das klügere Geld verkaufte Aktien, die es noch gar nicht besaß. Aber die echten Genies schufen die Aktien, die die Investoren kaufen wollten.
Nicht alles Geld, das in der ersten Phase des Bärenmarktes 2000 bis 20003 verloren ging, verschwand. Viele Unternehmen – allen voran Amazon.com – nutzten den Übermut der Investoren, indem sie Aktien schufen und verkauften. Die Investoren gaben ihr Geld ohne Vorbehalte. Die Unternehmen brauchten weder ihr Anlagevermögen, noch Gewinne, noch Dividenden, ja, nicht einmal einen Business-Plan auszuweisen. Das Geld war frei. Amazon und andere Unternehmen verdienten auf diese Weise Milliarden Dollars ... die ihnen ein fettes Geldpolster gaben, von dem immer noch einiges übrig ist.
Auf der anderen Seite kaufte das dumme Geld Amazon-Aktien auf dem Höhepunkt. Dümmeres Geld kaufte Aktien auf Kredit. Und das dümmste Geld überhaupt war in den Händen der Manager, die Geld liehen, um ihre eigenen überteuerten Aktien zurückzukaufen! Der Sinn des Spiels war, den Aktienpreis hochzutreiben, Millionen neuer Aktien aufzulegen und diese an die ahnungslosen Investoren zu verkaufen. Aber die Finanzzauberer missverstanden völlig, was sie taten. Anstatt vom dummen Geld zu profitieren, kauften sie die Aktien des dummen Gelds zurück – zu höheren Preisen. In diesem Fall war das Geld nicht bloß dumm, sondern so schwer zurückgeblieben, dass Sie ihm einen Gefallen getan hätten, wenn Sie ein Kissen über seinen Kopf gedrückt hätten.
Wo aber ist das dumme Geld jetzt ... und wie können wir davon profitieren?
Wir wissen es nicht; wir fragen bloß. Aber am Aktienmarkt scheint es eindeutig zu sein. Als generelles Prinzip gilt: Kluges Geld kauft billig und verkauft teuer, das dumme tut es umgekehrt.
Aber was ist mit den Leuten, die Geld zu den niedrigsten Zinsen seit 40 Jahren verleihen? Liefern sie nicht Kapital zu erstaunlich günstigen Konditionen? Sollten wir nicht auch leihen, bevor die Geldlieferer die mögliche Krise bemerken? Werden zum Beispiel die ausländischen Leiher nicht bald erkennen, dass sie wenig Gewinn von einer Anleihe mit 5 % Rendite haben, wenn der Dollar 10 % an Wert verliert?
Außerdem gibt es die Leute, die ihre Häuser für mehr beleihen, als sie wert sind. Was halten wir davon? Wer ist der größere Trottel, der Kreditnehmer oder der Geldverleiher? Es ist schwer zu sagen. Beide scheinen auf ein Desaster zuzusteuern.
In der Theorie ist der Verleiher der Kluge und der Kreditnehmer der Dumme. Aber auf ihrer Flucht in die Mittelmäßigkeit sind die Verleiher ein immer höheres Risiko eingegangen. Haben sie nicht eine Situation geschaffen, in der beide Seiten die Verlierer sein könnten?
Die Verleiher sind im Begriff, wegen der wachsenden Inflationsrate zu verlieren. Die Inflation würde den Wert einer festgelegten Hypothek zunichte machen.
Aber die Inflation ist keine sichere Sache. Der Hausbesitzer ist auch im Begriff zu verlieren. Jobs verschwinden. Das Lohnniveau stagniert. Deflation würde es noch schwerer für ihn machen, die Hypothekenzahlungen zu leisten. Und wenn sein Haus an Wert verliert, will er vielleicht gar nicht zahlen.
Ein regelbarer Zinsmechanismus würde den Verleiher vor der Inflation schützen ... aber nicht davor, dass der Kreditnehmer nicht zahlen kann.
Was ist mit Gold? Wer ist der Loser? Der Käufer oder der Verkäufer? Wir wissen es nicht, aber Dow-Aktien für 26 Unzen Gold zu bekommen, scheint fast ein Schnäppchen zu sein. Sie bekommen 26mal mehr für Ihr Geld als vor 23 Jahren. Damals war es das Dümmste, was Sie machen konnten, statt in Dow-Aktien in Gold zu investieren. Der Dow ist in den nächsten 20 Jahren um 1.100 % gestiegen, während sich der Goldpreis halbierte. Das war natürlich eine Krisenperiode, als die Investoren sich nach Qualität umsahen. Der Dow mag zwar billig gewesen sein, dachten sie, aber Gold war sicher.
Sie irrten sich. Und jetzt liegen sie wahrscheinlich wieder falsch, jedoch in der entgegengesetzten Weise. Nun gibt es überall Krisen, aber sie sehen sie nicht. Anstatt nach Qualität zu suchen, sind sie auf dem Weg zur Mittelmäßigkeit und zum Schwachsinn. Sie machen die schlechtesten Deals an der Wallstreet und lassen das Gold links liegen.