Fiskalischer Ausnahmezustand
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 16. März 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
Ich erkläre formell einen fiskalischen Ausnahmezustand
Liebe Leser,
„Drei Jahre lang Steuererhöhungen und ein sich verbesserndes wirtschaftliches Umfeld haben dazu geführt, dass sich die finanzielle Lage in allen außer in sechs Staaten verbessert hat.“
Dies ist ein Ausschnitt eines Associated Press Artikels vom 29.01.1984.
Damals hatten die Vereinigten Staaten die durch Ölmangel bedingte Rezession der späten 1970er überstanden, welche durch das neue Regime des Irans verursacht wurde. Und die Vereinigten Staaten waren zurück auf dem Weg in Richtung Wohlstand. 27 Staaten hatten einen Haushaltsüberschuss, sechs ein Haushaltsdefizit.
Bedauerlicherweise ist das heute nicht der Fall. Die ernüchternden Statistiken sprechen eine klare Sprache...
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten... und der überschuldeten Staaten
Laut der letzten Hochrechnung haben 44 Staaten ein Haushaltloch.
Die kalifornische Notlage ist gut dokumentiert. Obwohl der Staat schon eine Milliardendefizit vor sich hinschiebt, sind beinahe um 50% höhere Ausgaben als Einnahmen in diesem Haushaltsjahr geplant. Erschreckend.
Beinahe genauso so schlimm ist die Situation in den US-Staaten Arizona und Illinois, in denen das Budgetdefizit über 40% beträgt. (Arizona versucht sogar gerade seine Staatsgebäude für $700 Millionen zu verkaufen. Soviel zu verzweifelten Maßnahmen.)
Es sieht ebenfalls nicht gut für Alaska, Nevada, New Jersey und New York aus. Alle Länder sind mit Budgetlücken von mindestens 30% belastet.
Zurückgehende Steuereinnahmen sind hierfür die Gründe. Ungefähr 30 Staaten haben im letzen Haushaltjahr die Steuern erhöht und trotzdem sind die Einnahmen der ersten drei Quartale des Jahres 2009 auf den niedrigsten Stand seit 46 Jahren gefallen.
Wie soll das aus mathematischer Sicht funktionieren? Es funktioniert nicht. Ich erkläre Ihnen warum...
Keine Jobs... Keine Einkommen... Aber eine Bootsladung von Anleihen
Die Vereinigten Staaten haben seit Beginn der Rezession 8,4 Millionen Jobs verloren - der größte Jobverlust seit der Weltwirtschaftskrise.
Da mehr als 10% aller Arbeitskräfte daheim sitzen, ist es ganz egal, wie hoch Sie die Steuerschraube drehen, die Steuereinnahmen können nur sinken... und das dramatisch.
Wie CNN berichtet, haben die Staaten und die Kommunen schon 132.000 Jobs eingespart, um ihre Budgets zu entlasten. Und obwohl der bundesstaatliche Geldstimulus die Bundesstaaten zur Zeit noch etwas entlastet, werden diese Geldmittel ab der Jahresmitte immer weiter zurückgehen. (Ich kann heute schon die lokalen Abgeordneten nach Hilfe schreien hören.)
Und jetzt wird es für die Investoren interessant...
Um die enormen Defizite finanzieren zu können, geben die Kommunen und Bundesstaaten eine Vielzahl von Anleihen aus. Analysten gehen davon aus, dass weitere Anleihen im Wert von $400 Milliarden noch dieses Jahr ausgegeben werden.
Und gegenwärtig gibt es kaum Angst vor Zahlungsausfällen. Das ist verrückt.
Angesichts der jetzt schon finanziell angeschlagenen Emittenten, ist es nur eine Frage der Zeit, bevor Zahlungsausfälle auftreten. Darauf können Sie sich verlassen.
Es wird Zeit, dass das gefährliche bundesstaatliche Wettstreiten verboten wird
Die kommende wirtschaftliche Erholung ist das beste Heilmittel. Aber Bundesstaaten, welche ihre Budgets ausgleichen wollen, werden dafür einen langen Weg zurücklegen müssen. Zwar haben viele Staaten Schuldenbeschränkungen in ihrer Verfassung verankert, aber diese werden so gut wie nie eingehalten.
Genauso angeraten wäre es, wenn dem bundesstaatlichen Wettstreiten um große Unternehmen ein Riegel vorgeschoben werden würde. Diese Gepflogenheit ist idiotisch und führt meist nur dazu, dass das Defizit noch größer wird.
North Carolina ist dafür das Paradebeispiel. Der Bundesstaat lockte mit finanziellen Anreizen die Techgiganten Google und Apple an, so dass diese neue Datencenter für 1,6 Milliarden in diesem bauen.
Jedoch deuten die Zahlen darauf hin, dass solch kolossale Fördergelder sehr gewagt sind.
Tatsächlich ist erst vor kurzem solch ein großer Deal schief gegangen. Letzten Herbst hat Dell verkündet, dass es eine Produktionsfabrik für Computer schließen werde, welche in Winston-Salem, in North Carolina steht. Im Rahmen eines Abkommens aus dem Jahre 2004 erhielt das Unternehmen jedoch $280 Millionen an Fördergeldern für die Werke.
Wenn dieser Trend anhält, sind die Staaten dem Untergang geweiht. Und wenn Ihnen das genauso viel ausmacht wie mir, dann verhindern Sie, dass Ihr lokaler Abgeordneter die gleichen „Dammbruchargumente“ verbreitet (sofern Sie in den USA wohnen sollten und dies hier lesen).
Viel Erfolg,
Robert Williams
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