Firley-Indikator gegen „optimales“ Trading
Tom Firley in Investors Daily
vom 27. April 2010, 18:00 Uhr
ENL5454
heute werden wir den Indikator-Gedanken vom letzten Donnerstag fortführen. Zahlreiche Leser baten mich, noch einmal etwas konkreter auf den Firley lang einzugehen. Da mich auf der Finanzmesse Invest in Stuttgart (wie gestern berichtet) ebenfalls viele Leser um eine Konkretisierung baten, komme ich diesem Wunsch gerne nach. Zur Wiederholung:
Wir zimmerten einen Indikator, in dem wir den 256-Tage-GD (=Jahresdurchschnitt) und den 20-Tage-GD (=Monatsdurchschnitt) miteinander „in Verbindung brachten".
Ein Kaufsignal ist dann gegeben, wenn der kurze 20-Tage-GD den langen 256-Tage-GD nach oben schneidet. Analog ist ein Verkaufsignal gegeben, wenn der kurze GD den langen GD nach unten schneidet.
Signale werden also dann generiert, wenn die Differenz von langem GD und kurzem GD gleich Null ist und sich (mithin) diese GDs überkreuzen.
Im nächsten Schritt haben wir diese beiden GDs (bzw. deren Differenz) als Indikator dargestellt. Schauen wir hierfür noch einmal auf den Chart vom Donnerstag:
Chart Dax
Im unteren Chartteil sehen Sie diesen oben angesprochenen Indikator. Dieser Firley lang kreuzt die Null-Linie genau dann (nach oben oder unten), wenn sich auch die beiden GDs überkreuzen.
Ergebnis mit dem Firley lang auf den Dax
Überprüfen wir einmal, welches Ergebnis dieser Firley lang auf den Dax gebracht hätte. Hierbei lassen wir das Fehlsignal (siehe blauer Pfeil) außer Acht... meinetwegen können Sie vom Endergebnis auch 100 Punkte abziehen. Dies wäre in etwa der entstandene Verlust gewesen. Also, schauen wir uns die Phasen mit Hilfe der folgenden Tabelle an.
Bei der Trade-Richtung bedeutet
„short": Verkaufsignal (auf fallende Kurse setzen) und
„long" Kaufsignal (auf steigende Kurse setzen).
Trades und Ergebnis mit dem Firley lang
| Datum | Trade-Richtung | Dax-Kurs | Ergebnis in Punkten |
| 22.01.2000 | short | 6510 |
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| 18.07.2003 | Glattstellung | 3387 | 3123 |
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| 18.07.2003 | long | 3387 |
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| 24.01.2008 | Glattstellung | 6821 | 3434 |
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| 24.01.2008 | short | 6821 |
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| 03.08.2009 | Glattstellung | 5426 | 1395 |
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| 03.08.2009 | long | 5426 |
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| aktuell |
| 6300 | 874 |
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| Endergebnis |
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| 8826 |
Der Firley lang hätte also seit dem 22. Januar ein End-Ergebnis von aktuell 8.826 Punkten. Was bedeutet das?
Angenommen, Sie handelten nach diesem „System" (z.B. über CFDs) und hätten jeweils einen Euro je Punkt riskiert, dann läge das Ergebnis aktuell bei plus 8.826 Euro. Zum Verständnis und ganz einfach ausgedrückt:
Über CFDs können Sie „einstellen" wie viel (Euro) Sie je Punkt riskieren wollen. Wenn Sie zum Beispiel im Dax long gehen und 10 Euro „einstellen", dann gewinnen Sie 10 Euro je Punkt, den der Dax steigt... Die Crux: Sie verlieren 10 Euro für jeden Punkt, den Sie falsch liegen; und wenn der Dax auf einmal 50 Punkte fällt, dann sind Sie ganz schnell.... Na?.... Richtig: 500 Euro im Minus. Zurück zum Thema:
Das hört sich ja zunächst einmal nicht schlecht an. Vergleichen wir einmal mit einem „Extrem-Szenario". In der folgenden Tabelle habe ich die „optimalen" Punkte für einen Trendwechsel (also die jeweiligen optimalen Tiefs und Hochs im Dax) eingegeben. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Trader beim absoluten Rekordhoch am 16.7.2007 (auf Schlusskursbasis bei 8.105 Punkten) auf fallende Kurse gesetzt hätte.
Freilich, diese Trades sind keinem (normalen) Menschen gelungen; dies also nur zur Veranschaulichung.
Optimale Trades und Ergebnisse
| Datum | Trade-Richtung | Dax-Kurs | Ergebnis in Punkten |
| 22.01.2000 | short | 6510 |
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| 12.03.2003 | Glattstellung | 2202 | 4308 |
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| 12.03.2003 | long | 2202 |
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| 16.07.2007 | Glattstellung | 8105 | 5903 |
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| 16.07.2007 | short | 6821 |
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| 06.03.2009 | Glattstellung | 3666 | 3155 |
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| 06.03.2009 | long | 3666 |
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| aktuell |
| 6300 | 2634 |
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| Endergebnis |
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| 16000 |
Das optimale Ergebnis lautet also: 16.000 Punkte (übrigens wirklich Zufall, dass dies in der Tat genau 16.000 Punkte sind). Das bedeutet:
Das optimale Ergebnis schneidet etwas über 80% besser ab, als das Ergebnis mit dem Firley lang.
Weint jetzt ihr eben entflammtes Trader-Herz?
Nein, das muss es nicht. Aus drei Gründen:
1.) Ein Trendfolge-System kann nie zum optimalen Zeitpunkt einsteigen; einfach weil es dem Trend folgt und nicht voraus läuft.
2.) Die optimalen Einstiegspunkte findet kein Trader der Welt zweimal hintereinander.
3.) Sie haben 8.826 Punkte Gewinn gemacht.
Dennoch: Es fällt auf, dass der Firley lang beim letzten Trendwechsel viel zu spät „reagiert" hat. Während „der optimale Trader" (den es nicht gibt, wäre aber ein klasse Name für einen neuen Börsendienst... kleiner Scherz) bereits am 6. März 2009 von short (Verkauf) auf long (Kauf) wechselte, blieb der Firley lang-Indikator beharrlich bis zum 3. August 2009 auf der Shortseite. Damit hat der Indikator logischerweise ein schlechteres Ergebnis als der optimale Trader, wenn auch einen Gewinn.
Und darauf kommt es an. Morgen feilen wir noch ein bisschen an diesem System.
Viel Erfolg an der Börse
Tom Firley
PS: Falls Sie sich übrigens für die Anlage in Öl interessieren, habe ich hier etwas für Sie: Öl-Studie.
