Firley-Indikator: Eine Erklärung
Tom Firley in Investors Daily
vom 22. April 2010, 18:00 Uhr
ENL5454
auf vielfachen Wunsch und wie gestern angekündigt, werde ich heute und in der nächsten Ausgabe noch einmal meinen Firley-Indikator darstellen und die genauen Einstellungen verraten. Gehen wir schrittweise vor:
Gleitender Durchschnitt (GD) als Basis
Wie Sie vielleicht wissen, lege ich ein großes Augenmerk auf den 256-Tage-GD. Der 256-Tage-GD ist so etwas wie ein Gleitender Jahresdurchschnitt. Die krumme Zahl „256" resultiert ganz einfach aus der durchschnittlichen Anzahl der Börsen-Handelstage in einem Jahr. Schauen wir uns dies einmal im Dax-Chart an:
Dax-Chart langfristig
Wie Sie im langfristigen Dax-Chart erkennen, „glättet" der (blaue) Gleitende Durchschnitt den Dax-Kurs. Je höher der Zeitraum für den Gleitenden Durchschnitt gewählt wird (in diesem Falle also 256 Tage), desto später reagiert der jeweilige GD auf Trendwechsel, insbesondere bei heftigen Kursbewegungen (nach oben oder unten).
Handelssignale werden erzeugt, wenn der 256-Tage-GD den Kurs schneidet. Steigt der Dax-Kurs über den 256-Tage-GD wird ein Kaufsignal generiert, fällt der Dax-Kurs unter den 256-Tage-GD sollte der Investor über einen Ausstieg nachdenken (oder auf fallende Kurse setzen). Der Gedanke hinter dieser Vorgehensweise ist eigentlich recht simpel. Mit einfachen Worten könnte sich der Investor denken, sobald der Kurs über den 256-Tage-GD steigt :
„Der Dax-Kurs steigt gerade über den (gleitenden) Jahresdurchschnitt. Also scheinen die Dinge momentan für den Dax (bzw. die darin enthaltenen Unternehmen) ganz gut zu laufen." Umgekehrt natürlich:
„Der Dax fällt gerade unter den (gleitenden) Jahresdurchschnitt... irgendwas ist da faul. Ich reduziere meine Positionen vorsichtshalber oder ziehe meine Stopps recht eng nach."
Stärken und Schwächen des 256-Tage-GD
Wie Sie im Chart erkennen, hat diese Analyse-Form natürlich - wie jeder Indikator - seine Stärken und Schwächen.
Einerseits wurden mit dem 256-Tage-GD recht gute Ein- und Ausstiegspunkte angezeigt (siehe grüne Kreise). Andererseits aber reagierte dieser GD nach heftigen Kursbewegungen - wie gesagt - oft sehr spät und neigt in Seitwärtsphasen logischerweise zu zahlreichen Überkreuzungen. Streng betrachtet können Sie solche Überkreuzungen (wenn daraus Verluste resultieren) auch als Fehlsignale bezeichnen. Diese Schwächen habe ich im Chart schwarz eingekreist.
Bereit für den nächsten Schritt?
OK.
Die Verknüpfung von zwei Gleitenden Durchschnitten
Da mir (zumindest gedanklich) die Häufung von Fehlsignalen in Seitwärtsphasen zu schaffen machte, überlegte ich mir den 256-Tage-GD etwas „unsensibler" zu gestalten.
Daher legte ich einfach über den 256-Tage-GD einen weiteren (ganz kurzen) Gleitenden Durchschnitt, und zwar einen 20-Tage-GD. Das bedeutet:
Kaufsignale werden dann befolgt, wenn der kurze 20-Tage-GD den langen 256-Tage-GD nach oben schneidet. Verkaufsignale werden befolgt, wenn der 20-Tage-GD den 256-Tage-GD nach unten schneidet.
Angelehnt an das MACD-Modell (auch ein technischer Indikator) wird also dann ein Signal generiert, wenn die Differenz zwischen 256-Tage-GD und 20-Tage gleich Null ist (mithin sich beide GDs also überkreuzen). Überprüfen wir dies einmal am folgenden Dax-Chart:
Dax-Chart mit Firley lang
Betrachten Sie bitte zunächst den unteren Chartteil. Hier sehen Sie den so genannten Firley lang-Indikator. Schwarz eingekreist ist hier das Überschreiten der Null-Linie (hier wurde also ein Kaufsignal generiert).
Genau derselbe Zeitpunkt ist auch im oberen Chartteil schwarz eingekreist. Und Sie erkennen hier, dass eben (logischerweise) genau hier der 20-Tage-GD den 256-Tage-GD von unten nach oben geschnitten hat.
Gehen wir noch einmal zurück zum unteren Chartteil:
Firley lang = Differenz zweier GDs
Der Verlauf im unteren Chartteil ist also nichts anderes als der Abstand zwischen 256-Tage- und 20-Tage-GD. Nebenbei bemerkt:
Meinem Ziel, den 256-Tage-GD etwas zu ent-sensibilisieren, bin ich etwas näher gekommen. Im Chart sehen Sie auch zwei rosa farbene Kreise, bei denen der 256-Tage-GD den Kurs gekreuzt hat. Da der 20-Tage-GD aber noch relativ weit entfernt lag, wurden diese „Signale" ignoriert. Schauen wir uns den Firley lang einmal in einer längeren Darstellung an:
Chart Dax langfristig mit Firley lang
Die Phasen, in denen der Firley lang auf Kauf stand, wurden in beiden Chartteilen (oben und unten) mit grünen Rechtecken visualisiert. Analog wurden die neutralen oder auch Verkauf-Phasen mit roten Rechtecken gekennzeichnet.
Leider mussten wir (in den letzten 9,5 Jahren) auch ein Fehlsignal hinnehmen (siehe blauer Pfeil). Ansonsten sieht das Ergebnis, zumindest im Chart, doch gar nicht so schlecht aus. Beachten Sie bitte:
Die Ausstiegssignale kamen zufrieden stellend rechtzeitig. Allerdings kamen die Kauf-Signale (schwarz eingekreist) doch relativ spät.
Fazit: Für die mittel- und langfristige Trenderkennung (und Trend-Bestätigung) ist der beschriebene Indikator sicherlich sehr hilfreich. Für die etwas kürzerfristige Signal-Generierung müssen wir am Firley lang noch etwas „feilen".
Und dies geschieht in der nächsten Ausgabe.
Viel Erfolg an der Börse
Tom Firley
PS: Da ich zur Finanzmesse Invest 2010 nach Stuttgart fahre, kann ich Sie morgen leider nicht mit dem Investors Daily versorgen. Als kleines Trostpflaster habe ich Ihnen im nächsten Beitrag die Option für eine Freikarte zu dieser Veranstaltung mitgebracht... falls Sie mich (bzw. den Investor Verlag und die anderen Aussteller) kurzentschlossen einmal in Stuttgart „besuchen" wollen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Nikolaus Kiefer (22.04. 2010 19:53 Uhr):
Wie erhalte ich denn die beiden gleitenden Durchschnitte? Muß man die selbst errechnen oder kann mann sie irgendwo nachschauen?
Antworten- Antwort von Tom Firley (23.04. 2010 08:42 Uhr):
Das werde ich in der nächsten Ausgabe (Montag) erläutern. Viele Grüße Tom Firley
- Antwort von Tom Firley (23.04. 2010 08:42 Uhr):
- Kommentar von Rudolf Schulze (22.04. 2010 21:29 Uhr):
Die Artikel als Summery in einen pdf-Booklet zum Downlaoad wären doch eine feine Sache?
Antworten- Antwort von Tom Firley (23.04. 2010 08:47 Uhr):
In der Tat. Eine sehr gute Idee. Vielen Dank für den Hinweis, ich arbeite dran. Tom Firley
- Antwort von Tom Firley (23.04. 2010 08:47 Uhr):
- Kommentar von Böhnke Gerhard (23.04. 2010 07:46 Uhr):
zum Chart Dax langfristig mit Firley lang können Sie mal genau erkkären wie man den unteren Tel des Charts bekommt ( der der an den MACD ähnelt.Also diesen Teil ( Betrachten Sie bitte zunächst den unteren Chartteil. Hier sehen Sie den so genannten Firley lang-Indikator. Schwarz eingekreist ist hier das Überschreiten der Null-Linie (hier wurde also ein Kaufsignal generiert).Den MACD kenne ich ,auch wie man ihn etwas andert ( bei Tradesignal) aber wie bekomme ich die Einstellungen hin die sie beschreiben? Warscheinlich habe ich und auch andere genau diesen Teil noch nicht genau verstanden.Darum bitte noch etwas genauer Erklären .Zu Beispiel die Skalierung 1000 und 0; sowie -1000.Oder wie den bezug zu GD 20 und GD 256 in der Histogramm Darstellung.Das ist für mich der Knackpunkt.Sonst ist der zusammenhang schon verständlich erklärt. MFG G. Böhnke
Antworten- Antwort von Tom Firley (23.04. 2010 08:57 Uhr):
Vielen Dank für den Hinweis. Ich werde noch mal drauf eingehen. Die Skalierung variiert übrigens je nach zu betrachtendem Aktivposten. Viele Grüße Tom Firley
- Antwort von Tom Firley (23.04. 2010 08:57 Uhr):
- Kommentar von Rolf Baertschi (23.04. 2010 10:40 Uhr):
Sehr geehrter herr Firley, Ihr Artikel zum Firley-Indikator ist sehr interssant und lehrreich. der Indikator sollte täglich oder wöchentlich abrufbar sein. Viele Grüsse
Antworten - Kommentar von eckstein (23.04. 2010 11:14 Uhr):
gibt es eine Seite wo ich einen chart so wie beschrieben konfigurieren kann oder brauche ich dazu ein chart-programm
Antworten


