Finger weg von diesem Depfa-Papier!
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 9. Dezember 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Thema „Depfa Papier" (hatte ich letzte Woche "behandelt").
Da hatte ich um Mithilfe der Trader´s Daily-Gemeinde gebeten. Und in der Tat, auf die ist Verlass. Es schrieben mir einige Experten auf diesem Gebiet, darunter z. B. ein kundiger Rentenhändler.
Mein Dank geht besonders an die Gemeinde-Mitglieder Oliver O., Klaus B. und Ralf B.
Zur Sache:
Die angesprochene Depfa-Anleihe ist keine „normale Anleihe", sondern ein Tierchen. Genauer gesagt: Kategorie „Tier 1". Der Rentenhändler brachte es auf den Punkt: „Das ist schlechter als Nachrang und auch noch schlechter als Genüsse."
Als Gläubiger steht man mit diesen Tierchen ganz hinten in der Reihe. Hinter Anleihen- und Genussschein-Besitzern. Nicht gut.
Dann: Es gibt keine feste Laufzeit „des Tieres", nenne ich diese Art Anleihe jetzt mal einfach.
Der Emittent kann ab Juni 2011 kündigen. Dann müsste er zum Nennwert von 1.000 Euro zurückzahlen. Doch warum sollte er das tun, wenn der Börsenwert unter 150 Euro je Tier beträgt?
Und Zinsen zahlen muss der Emittent auch keine.
Es ist fraglich, wann und ob die Zinszahlungen wieder aufgenommen werden.
Wahrscheinlich ist es deshalb, dass der Emittent die Tierchen einfach Jahrzehntelang weiterlaufen lässt, ohne zu kündigen. Ist billiges Kapital, welches er so erhalten hat.
Eine Chance gibt es: Wenn doch überraschend wieder Zinsen gezahlt werden sollten, dann dürfte der Kurs schnell bei mindestens 20-30% des Nennwertes stehen. Wäre immerhin eine Verdoppelung. Ist mir aber zu unwahrscheinlich.
Und noch ein Totschlag-Argument in Bezug auf Investment in dieses Tierchen:
Derzeit handelt „es" (das Tier) noch mit Stückzinsen! Stückzinsen, kennen Sie ja wahrscheinlich. Zusätzlich zum Kaufpreis müssen Sie beim Kauf die aufgelaufenen Zinsen mitbezahlen.
Bei normalen Anleihen macht das Sinn, damit jemand nicht einfach ein paar Tage vor dem Zinstermin eine Anleihe kauft. Er zahlt dann Stückzinsen, und erhält entsprechend nur für die gehaltene Dauer auch Zinsen.
Hier allerdings ist das ein Problem! Denn Sie würden bei einem Kauf Stückzinsen zahlen, aber beim Zinstermin voraussichtlich gar nichts erhalten.
Laut einer „informierten Quelle" verkündet der Vorstand im März oder April, dass auch 2010 auf das Tierchen keine Zinsen gezahlt werden.
Dann könnten die Stückzinsen wegfallen - und Käufer hätten diese bezahlt, würden sie aber bei einem Verkauf nicht erhalten. Ein mieses Geschäft.
Mein Fazit: Schon die Bibel warnt vor dem Tier. Auch wenn da „wohl eher nicht" dieses Tierchen hier gemeint ist...
...dank den aussagekräftigen Informationen aus der Gemeinde komme ich zu dem Schluss: Finger weg!
Bleiben Sie wachsam.
Ihr
Michael Vaupel