Finanzwerte weiter unter Druck
Tom Firley in Investors Daily
vom 16. September 2008, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
leider konnte Goldman Sachs keine wirkliche Beruhigung an den Finanzmärkten hervorrufen.
Goldman Sachs
Die US-Investmentbank brachte um 14.30 Uhr folgendes Zahlenwerk für das dritte Geschäftsquartal (Juni bis August) heraus: Der Überschuss sank von 2,85 Milliarden auf 845 Milliarden, ein Rückgang von 70 %. Erwartet wurde ein Überschuss von 857 Milliarden. Die Nettoerträge lagen bei 6,04 Milliarden (nach 12,33 Milliarden). Hier wurden 6,231 Milliarden erwartet.
Jetzt sehen ja die Unterschiede zwischen Ergebnissen und Erwartungen nicht so exorbitant groß aus (das liegt unter anderem daran, dass die Experten bereits im Vorfeld die Schätzungen nach unten geschraubt hatten).
Allerdings wurde der Markt dennoch enttäuscht, da einfach die „Hoffnungen" höher gesteckt waren. Aber wie jeder weiß: Das Prinzip Hoffnung hat an der Börse nichts zu suchen... Die Goldman-Sachs-Aktie gibt kurz nach Eröffnung über 12% ab, kann aber im weiteren Verlauf kräftig aufholen. Immerhin: Der Pleitegeier scheint momentan nicht über Goldman Sachs zu kreisen...
AIG mit wilden Kursbewegungen
Zunächst eine weitere Hiobs-Botschaft des gestern angesprochenen, massiv unter Druck geratenen Versicherers American International Group. Nachdem die Aktie gestern bereits um 60% gefallen war, muss sie heute im frühen Handel weitere 65% abgeben. Da passt nun wirklich meine gestrige Börsenfloskel: Kein Kurs kann ausgeschlossen werden! Allerdings:
Aber auch wie gestern, als sich der Kurs zwischenzeitlich intraday von 3,5 Dollar auf 7 Dollar verbessern konnte, sehen wir heute wildeste Kursausschläge (vom Tief bei 1,47 Dollar kurz nach Eröffnung schnellte der Kurs bis 17.00 Uhr wieder auf über 4,00 US-Dollar - schon wieder mehr als 100% für mutige Zocker... und landeten kurz danach wieder bei 2,50 US-Dollar).
Weitere 50 Milliarden in den Geldmarkt
Minütlich kann sich hier die Situation ändern. Nämlich dann, wenn es AIG gelingt, die dringend notwendige Liquidität aufzutreiben oder „ein Retter in der Not" auftritt. Fraglich, ob da die (weiteren) 50 Milliarden US-Dollar helfen, die die US-Notenbank (Fed) in den Geldmarkt jagt... ausgerechnet am Tag der Fed-Sitzung und dem Zinsentscheid, der um 20.15 Uhr bekannt gegeben wird.
Insgeheim hoffen einige Marktteilnehmer auf eine Zinssenkung, in der Hoffnung, dass dadurch der Markt etwas beruhigt wird. Sie wissen, was ich über „Hoffnung" denke (siehe oben) und Sie wissen auch, dass sich übereilte und zu heftige Aktionen der Fed gerne auch ein paar Tage später „rächen".