Finanzkrisen kommen und gehen
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 9. Juni 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
Die Folge war die Einstellung des Schuldendienstes gegenüber ausländischen Gläubigern. Nach dem Zusammenbruch der festen Weltwährungsordnung von Bretton Woods war die Lateinamerikakrise somit die erste große internationale Finanzkrise.
Nachdem alle Sparpläne zur Konsolidierung scheiterten, entwarf Nicholas Brady einen Plan, in dem er Umschuldungen zu günstigen Zinsen vorsah und sie mit Staatsgarantien verband, sodass es für alle Beteiligten zu einer Win-Win-Situation kommen sollte.
Definition: Ein Brady-Bond ist eine in US-Dollar denominierte Staatsanleihe, die von einer Regierung damals in Lateinamerika emittiert und durch US-Zero-Bonds (Null-Kupon-Anleihe) garantiert wurde. Das Finanzierungskonzept wurde nach dem US-Finanzminister Nicholas Brady benannt, der mit dieser Initiative den lateinamerikanischen Entwicklungsländern half, ihre Finanzprobleme zu lösen.
Bradys Plan in drei Schritten:
1. Teilweiser Schuldenerlass, Reduzierung der Schuld um 50 Prozent.
2. Schritt: Verlängerung der Laufzeit auf 15 bis 20 Jahre.
3. Schritt: Umtausch der faulen Staatsanleihen in US-Brady-Bonds (Zerobonds, staatsverbürgt mit 30 Jahren Laufzeit, Rating AAA), die von den Kreditgebern sofort am Markt gehandelt, also verkauft oder für strukturierte Bankprodukte hinterlegt werden konnten.
Das Brady-Bond-Konzept ist kein Allheilmittel, um Staatsfinanzen zu reparieren. Aber so, wie es derzeitig aussieht, könnte der Vorschlag ernsthaft zur Diskussion gestellt werden, um Griechenland zu helfen, seine Finanzkrise zu überwinden. In diesem Fall müsste das Konzept auf Euro-Zerobonds mit 20- bis 30 Jahren Laufzeit geändert werden.
Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen
Jürgen Nowacki
Coach Sales and Trading
Zum ersten Teil von: Sind Brady-Bonds eine Option?