bevor ich nun wie gestern angekündigt zu der konjunkturellen Lage Europas komme, um die andere Seite des EUR/USD-Währungspaares zu beleuchten, möchte ich noch kurz auf die gestern veröffentlichten US-Daten eingehen.
US Finanzkrise
bevor ich nun wie gestern angekündigt zu der konjunkturellen Lage Europas komme, um die andere Seite des EUR/USD-Währungspaares zu beleuchten, möchte ich noch kurz auf die gestern veröffentlichten US-Daten eingehen.
ein treuer Leser schrieb mir folgenden Kommentar zum Wave Daily vom 8.
Was die Preisentwicklung in den USA angeht, so besteht für die US-Notenbank locker Spielraum um einzugreifen, sollte sich die Schwäche der US-Wirtschaft fortsetzen.
Etwas Außerordentliches ist passiert... Wegen des Mutes von einigen depressiven Amerikanern sind weder die Götter noch Terroristen eine größere Bedrohung für sie als sie es für sich selbst sind.
das Vor-Ort-Interview beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), über welches ich Ihnen am vergangenen Freitag berichtet
Alle Jahre wieder wird ja in Aachen der Internationale Karlspreis ( www.karlspreis.de )zu Aachen vergeben. Auch heuer war dies wieder am gestrigen Feiertag Christi Himmelfahrt der Fall.
seit mir der FID-Verlag vor etwa zwei Wochen die Möglichkeit eingeräumt hat, in meinem Börsendienst DAX Profits alles zu handeln, was auf der Welt Rendite bringt (und liquide aus Deutschland handelbar ist), tobe ich mich gern auch am US-Markt aus.
bevor ich nun wie gestern angekündigt zu der konjunkturellen Lage Europas komme, um die andere Seite des EUR/USD-Währungspaares zu beleuchten, möchte ich noch kurz auf die gestern veröffentlichten US-Daten eingehen.
Am Anfang des Dramas stand Bear Stearns, die inzwischen insolvente Investmentbank. Dazu kamen zwei ihrer Hedgefonds mit den kryptisch klingenden Namen High-Grade Structured Credit Enhanced Leveraged Fund und High-Grade Structured Credit Fund.
Die beiden Fonds hatten sich auf dem sogenannten Subprime-Hypothekenmarkt (=Hypothekenkredite an Schuldner mit mittelmäßiger und schlechter Bonität) verspekuliert. Damit traten sie eine Lawine an weiteren Hiobsbotschaften los. Diese sollte die Welt die kommenden Jahre bis heute in wiederholten Phasen des Schreckens in Atem halten. Im Folgenden werde ich Ihnen Gründe und Meilensteine der Finanzkrise in den USA erläutern.
Das Problem an der Subprime-Krise war, dass Hypothekenbanken in den USA zahlungsschwachen Schuldnern beim Kauf von Häusern und Wohnungen zu weit beistanden. Schuldner konnten in den "Spitzenzeiten" bis zu 100 Prozent des Immobilienwertes borgen. Dabei war der Zinssatz anfangs niedrig (sogenannteteaser rates), später glitt er jedoch. Denn er orientierte sich an der Zinsrate der Tagesgelder der Fed (der prime rate).
Diese stieg jedoch auf 5,25 Prozent an und brachte damit viele Amerikaner in ernste Zahlungsnöte. Damit stürzte ein ganzes Hypothekenmarktsegment in die Krise.
Erschwerend kam hier hinzu, dass der Subprimemarkt in den USA völlig überzogene Dimensionen angenommen hatte. Dank deregulierender Gesetzgebung war das Subprime-Geschäft auf ein absurdes Ausmaß angewachsen. Beispiele für eine derartige Gesetzgebung war etwa die Abschaffung des Glass-Steagall-Acts in den 1990ern durch Bill Clinton. Dieses Gesetz sah eine Trennung von Einlagen- und Kreditgeschäft und Investmentbanking vor. Nur ein Fakt, der die US-Finanzkrise begünstigte.
Ein Grund dafür: Hypothekenbanken konnten nun ihre Kredite als Sicherheit für Wertpapiere benutzen und diese weiterverkaufen. Durch diese mortgage-backed securities (MBS) konnten Hypothekenbanken das Kreditrisiko an andere Teilnehmer auf dem Finanzmarkt weiterreichen. Dies verminderte den Anreiz, die Bonität der Kreditnehmer kritisch zu prüfen. Damit war ein wesentlicher Risikokontrollmechanismus im Markt nicht mehr gegeben.
Das Spiel am Hypothekenmarkt ging eine ganze Zeit lang gut und die Akteure freuten sich über hohe Gewinne. Dann kam der Tag der Wahrheit und das Kartenhaus begann zusammenzufallen.
Die Situation begann für die Öffentlichkeit mit dem Kollaps der Bear Stearns Hedgefonds. Dies sollte der Auftakt für die nächsten Jahre sein. Zahlreiche Pleiten und Schockbotschaften folgten, die Sie inzwischen kaum alle mehr in einem Artikel aufzählen können. Dennoch:
Die Öffentlichkeit wird auf die Situation am amerikanischen Hypothekenmarkt aufmerksam (in Wirklichkeit war dies schon vorher für Kenner relativ deutlich absehbar, im Juli 2007 ließ sich jedoch nichts mehr verstecken)
Rest des Jahres 2007 bis Sommer
Nach der Hiobsbotschaft von Bear Stearns treten weltweit zahlreiche weitere Finanzinstitute an die Öffentlichkeit, die zunehmend in Schieflage geraten. In Deutschland sind z.B. Landesbanken betroffen, welche Hypothekenpapiere gekauft hatten; in Großbritannien muss die britische Regierung die bekannte Bank Northern Rock verstaatlichen.
Bekannte Investmentbanken wie Lehman Brothers kollabieren und die Börsen befinden sich in freiem Sturzflug.
Im Oktober 2008 gelang dem Finanzsektor (allen voran der amerikanischen Wall Street), die Politik davon zu überzeugen, dass für manche Banken die Prinzipien der Marktwirtschaft (Koppelung von Risiko und Gewinn) nicht mehr gelten dürften. Die Begründung hierfür: Diese seien „too big to fail“ (dt. etwa „systemrelevant“). Hierbei arbeiteten die Betroffenen mit allen Mitteln. Sie malten Schreckszenarien aus und setzten Politiker massiv öffentlich unter Druck, dem umstrittenen Maßnahmenpaket zuzustimmen.
Infolge dessen und unter enormen Druck begann die Politik unter Henry Paulson, dem damaligen US-Finanzminister und ehemaligen hohem Goldman Sachs Mitarbeiter, ab dem Oktober 2008 in den USA immense Mengen an Steuermitteln aufzubringen, um den Banken zur Hilfe zu eilen.
Damit war der Meilenstein zu einem neuen Kapitel der Finanzkrise in den USA gelegt. Dem Übergreifen des Schuldenproblems auf den Staatshaushalt.
Seitdem sind wir weltweit immer weiter in einer „Rettungsspirale“ angelangt. Gab es ein Problem, wurde die letzten Jahre fleißig medienwirksam „gerettet“. Dies weitete die Politik in den USA sogar auf Bereiche außerhalb des Finanzsektors aus, um die Konjunktur „anzukurbeln“.
Heute ist die Schwierigkeit, dass die verantwortlichen Politiker all die Schuldenberge zunehmend auf die Staaten umluden und demzufolge die Ratingagenturen begannen, die Kreditwürdigkeit dieser Länder (bald wohl auch Deutschland) zunehmend herabzustufen.
Damit wurde die Banken- zur Finanzkrise und es bleibt spannend, welche Lösung die Verantwortlichen der Weltöffentlichkeit in Zukunft vorstellen möchten. Die bisherigen Maßnahmen waren primär darauf ausgerichtet, Zeit zu gewinnen und die Schuldenprobleme auf die Staatshaushalte umzuverschieben.
Auf übergeordneter Ebene ergeben sich aus der oben beschriebenen Krise zwei wichtige Konsequenzen. Früher oder später werden die Zinsen, welche Staaten zahlen müssen, um sich zu refinanzieren immer weiter ansteigen. Damit geraten zwansläufig die entsprechenden Anleihenkurse unter Druck.
Positiv wirkte sich die ganze Krise bisher auf den Goldpreis aus. Dies dürfte in Zukunft anhalten, da eine ernsthaft erfolgversprechende Lösungsidee der Finanzkrise bisher nicht existiert. Beziehungsweise werden die Politiker diese kaum umsetzen, da dies für viele Betroffene unangenehm würde. Insofern können Sie davon ausgehen, dass die amerikanische Politik weiterhin auf Zeit spielen wird und weiterhin mit staatlichen Stützungsmaßnahmen (bzw. über die amerikanische Notenbank) Symptome kuriert.