Finanzkrise Teil II und NASDAQ 100 Analyse
Rüdiger Maass in Wave Daily
vom 30. September 2008, 13:00 Uhr
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Lieber Wave Daily Leser,
das Thema Banken- bzw. Finanzkrise möchte ich heute weiterführen. . In den Medien wird die Insolvenz von der viertgrößten Investmentbank Lehman Broth. von vielen Seiten beleuchten. Zu allem Überfluss überweist die Kreditanstalt für Wiederaufbau kurz vor Veröffentlichung der Insolvenz 350 Millionen Euro an die Bank in den USA. Das Rettungspaket in Höhe von 700 Milliarden Dollar wurde vom US-Abgeordnetenhaus abgelehnt. Der NASDAQ 100 verlor 10,5 Prozent an einem Tag.
Eine Geschichte möchte ich mit den Ursachen der Finanzkrise verbinden.
Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts lebte ein Mann auf einer einsamen Rinderfarm. Während des Winters erkannte er, dass er nicht genug Futtervorräte für seine Rinder hatte und besuchte seinen einzigen Nachbarn. Der Mann schilderte seinem Nachbarn seine Situation und bat ihn um Hilfe.
Der Mann fragte: Verkaufst Du mir Heu, damit meine Tiere nicht hungern müssen"?
Der Nachbar antwortete:" Klar, ich verkauf Dir Heu - soviel wie Du benötigst"! Ihm war völlig klar, dass der Mann keine andere Möglichkeit hatte, Heu für seine Tiere zu beschaffen.
Er fügte hinzu: Aber es kostet doppelt soviel wie gewöhnlich".
Der Farmer bezahlte, ohne etwas zu sagen, belud seinen Wagen und fuhr mit seinem Gespann nach Hause.
Einige Jahre später ging es dem Nachbarn genauso. Er hatte nicht genug Heu, um seine Tiere den ganzen Winter zu füttern. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als den Farmer zu besuchen, den er so schändlich behandelt hatte. Er bat ihn um Heu für seine Tiere.
Nein", sagte der Farmer, ich verkaufe dir nichts." Der andere wollte sich niedergeschlagen abwenden und seinen langen Weg nach Hause antreten, als er plötzlich zurückgerufen wurde. Ich sage Ihnen was ich mache. Sie erhalten von mir so viel Heu wie Sie brauchen und ich fahre es Ihnen mit meinem Sohn hinüber".
Glauben Sie, dass der so freundlich beschenkte Mann ein zweites Mal den Preis für das Heu verdoppelt, wenn sein Nachbar in Not ist? Dieser Man hat eine Krise in seiner direkten Umgebung verhindert. Seine Handlung hat Weitblick. Hätte er mit gleicher Münze zurückgezahlt, wären letztendlich beide Bauern in einer weiteren Notlage zugrunde gegangen.
Nach meiner Auffassung hat die jetzige Finanzkrise eine ähnliche Ursache. In einer Niedrigzinsphase wurden Familien mit geringem Einkommen Immobilienfinanzierungen mit variablem Zins angeboten, allerdings nur unter der Vorraussetzung, dass ein erhöhter Zinssatz vertraglich vereinbart wird, weil die Bonität der Kreditnehmer ein erhöhtes Risiko darstellt.
In der ersten Zeit konnten Tilgung und Zinsen bezahlt werden. Die Banken freuten sich über die überhöhten Erträge, die sie von Familien einnahmen, die von einem kleinen Einkommen leben mussten.
Die Kredite wurden verbrieft und damit handelbar. Internationale und deutsche Banken sahen eine ausgezeichnete Chance mit Immobilienkrediten einen überdurchschnittlichen Profit zu erzielen. Immobilien waren über Jahrzehnte eine sicherer Kapitalanlage.
Einige Banken finanzierten die Sub Prime Papiere mit Fremdkapital. Auf diese Weise entsteht ein Leverage - Effekt und Profite sollten maximiert werden. Die Manager hatten nur vergessen, dass man mit der gleichen Methode die Verluste ebenfalls maximieren kann.
Die Zinsen stiegen und die finanzschwachen Familien konnten die monatlichen Raten nicht mehr aufbringen. Sicherlich hätte man viel Not von den Familien abwenden können, wenn die Zinsen gesenkt worden wären. Das geschah nachdem die Immobilienkrise ein hohes Ausmaß erreicht hatte.
Hätte der gewinnsüchtige Bauer keine Hilfe in der Not erhalten, wäre er auch zugrunde gegangen.
Die Banken haben den armen Familien nicht geholfen, sondern die Notlage ausgenutzt. Einige Banken sind zu Grunde gegangen, andere haben schwere Verluste hinnehmen müssen. Am 29.09. wurde im US-Abgeordnetenhaus gegen das milliardenschwere Rettungspaket gestimmt.
Das Gleichnis mit dem Bauern wird immer deutlicher. Im ersten Schritt wollen die Banken von den finanzschwachen Familien hohe Zinsen und damit Profit machen. Der Gewinn bleibt natürlich in der eigenen Tasche. Wenn es schief geht, soll der Staat helfen unter Umständen wären die armen Familien ein zweites Mal für die Sanierung der Banken herangezogen worden, nämlich über die Steuer.
Weil Menschen sich eigensüchtig und unbeherrscht verhalten, funktioniert das Elliott Wave Prinzip. Die fünfte Welle in einem steigenden Trend ist die Marktbewegung der Überheblichkeit. In der fünften fallenden Welle in einem Trend entsteht Panik.
Profitmaximierung in der fünften Welle ist jedes Mal mit starken Verlusten verbunden, weil nach einer fünften Welle ein Trend endet.
Der Chart vom S&P 500 verdeutlicht die Marktreaktion nach einer fünften Welle. Übrigens - Die Finanzkrise kommt nicht überraschend. Bereits Ende 2007 und bei einem Daxstand von ca. 8000 Punkten erwartete ich fallende Kurse bis 4800 Punkte. Das bisherige Tief wurde beim F-DAX bei 5575 gehandelt.