Finanzkrise: Griechenland pleite
Tom Firley in Investors Daily
vom 29. April 2010, 18:00 Uhr
ENL5454
mittlerweile kann sich wohl jeder ausrechnen, dass Griechenland pleite sei oder zumindest ein massives finanztechnisches Problem hat (damit auch die EU). Jetzt möchte ich nicht auf den Griechen bzw. auf der griechischen Regierung in Athen rumkloppen. Das Kind ist nun mal in den Finanzkrisen-Brunnen gefallen und eine Lösung muss geschaffen werden. Hierzu einmal ein etwas anderer Gedanke:
Das Europäische Haus
Stellen Sie sich ein großes Haus mit vielen Zimmern vor. Jedes (sehr große) Zimmer wird jeweils von einem Landsmann aus den EU-Ländern bezogen. Ziel dieser großen Wohngemeinschaft:
1.) Harmonisches Zusammenleben
2.) Wohlstand und (wirtschaftliches) Wachstum bzw. Fortschritt
Um Punkt 1 zu erreichen, müssten eigentlich nur verschiedene Regeln beachten werden (Küche nach Gebrauch aufräumen, keine Zigarettenkippen aus dem Fenster werfen, nach Alkoholgenuss nicht gröhlend durchs Treppenhaus ziehen... usw. )
Punkt 2 ist da natürlich schon etwas schwieriger zu erreichen. Aber sagen wir mal so: Jeder einzelne Zimmer-Bewohner würde ein Unternehmen führen (der eine im Bereich Maschinenbau, der andere macht Stadt-Führungen, wieder ein anderer verkauft Möbel etc.). Und jeder einzelne dürfte sogar Schulden machen, um sein Unternehmen ggf. auszubauen. Einzige Regel: Die Schulden (böses Wort, sagen wir lieber: das entliehene Investitions-Kapital)... also, das entliehene Kapital darf niemals 60% des Jahresumsatz des einzelnen Zimmergenossen überschreiten.
Die Bewohner des europäischen Hauses leben in einem verhältnismäßig friedlich-freundlichen Miteinander (ist ja auch nicht immer ganz so einfach die verschiedenen Mentalitäten unter einen Hut zu bringen... vor vielen Jahren hatte ich einmal eine gute Bekannte in einem Kölner Studenten-Wohnheim..., ich weiß also von was ich rede) und einige Zeit vergeht.
Regelmäßig wird berichtet, wie die jeweiligen Unternehmen so laufen. Bei den einen läuft es besser, bei den anderen schlechter. Das ist per se nicht ungewöhnlich.
Dann jedoch wird bei einem Mitbewohner klar, dass er sein Unternehmen nicht wirklich gut geführt hat (und einige weitere stehen auf der Kippe). Das entliehene Investitionskapital übersteigt den Umsatz, den das Unternehmen erwirtschaften kann. Mit anderen Worten: Das Unternehmen (oder der Mitbewohner) ist faktisch bankrott.
Was tun?
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten für die anderen Mitbewohner:
1.) Den Mitbewohner rauswerfen und seinem Schicksal überlassen.
Das wäre wohl die kapitalistischste Lösung
2.) Dem Mitbewohner noch etwas Karenzzeit lassen, (Geld) sammeln gehen und hoffen, dass der Mitbewohner das Unternehmen doch noch irgendwie in den grünen Bereich bringt.
Das wäre wohl die naivste Lösung
3.) Die unternehmerisch besten Mitbewohner schauen sich das offensichtlich marode Unternehmen des Pleite-Kandidaten an und analysieren die Gründe für den Bankrott. Danach würden rigide Regeln aufgestellt, um das Unternehmen wieder raus aus der Insolvenz in die Gewinnzone zu bringen. Der Unternehmer hätte sich diesen Regeln bedingungslos zu unterwerfen... schließlich scheint er von Unternehmensführung wenig Ahnung zu haben. Sollte er die Regeln brechen, fliegt er aus dem Europäischen Haus.
Das wäre einerseits sicherlich eine sinnvolle, andererseits eine (hoffnungsvoll) kapitalistische und leider auch (aus meiner Sicht) eine naive Lösung...
Sagen wir mal so: In dem beschriebenen Haus (also tatsächlich mit 27 Unternehmern) würde Lösung 3 vermutlich funktionieren. Der insolvente Pleitegeier würde mit der Zeit in der Tat lernen und die anderen - offensichtlich besseren Unternehmer - kopieren.
Die große Frage
Fraglich ist allerdings - bezogen auf die EU - wer tatsächlich die besseren Unternehmer seien, wer am besten mit den zweifellos aufzubringenden Milliarden-Beiträgen am besten haushalten kann und wer Griechenland wirklich nachhaltig (!) vor einem Staatsbankrott bewahren kann. Es warten ja schließlich noch weitere Kandidaten wie Portugal oder Spanien...
In meinem Kopf wabern jetzt noch unzählige Seiten Text (und Verbesserungsvorschläge für die aktuelle Lage), jedoch möchte ich Sie mit meinen idealistischen Vorstellungen nicht langweilen.
Eine überaus praktikable, mit gesundem Menschenverstand ausgestattete Lösung zu diesem Thema hat übrigens mein lieber Kollege Michael Vaupel heute in seinem kostenlosen Newsletter Traders Daily veröffentlicht. Die ersten Zeilen habe ich im folgenden Beitrag „angerissen". Es lohnt sich auf jeden Fall die ganze Story zu lesen und sich an der laufenden Diskussion in Form von Kommentaren zu beteiligen.
Viel Erfolg an der Börse
Tom Firley
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Günter Götz (29.04. 2010 18:49 Uhr):
GR sollte zu einer Gläubigerversammlung nach Athen einladen und ein Verlängerung aller Staatsanleihen um 5 Jahre sowie Zinsaufschub oder Teilverzicht von allen Gläubigern verlangen.AlternatiV. ca. 40% Abschreibungen ihrer Forderungen verlangen. Wie bei einer normalen Firmeninsolvenz. Aktuelle Liquidität können EZB und IWF befristet liefern, falls notwendig. Staatshilfen von D, F u.a. sind nicht nötig. Jedes Land kann, falls notwendig, sein involvierten Banken stützen - alles viel Billiger als dei EU- und IWF-Hilfe. Vorallem erzieherischer für die Nachfolger mit Staatsbankrott in den Warmwasserländern P, SP und I. Langfristig sollten aufgrund der immensen ökonomischen und finanzpolitischen Mentalitätsumnterschiede der Warmwasserländer und Mittel-u.Nordeuropa diese mit den Balkanstaaten, Türkei, Ukraine bis Georgien eine Süd-Union mit eigener Währung gründen. Eien Währungsuniopn erfordert Gleicjklang in Wirtschafts- und Finanzpolitik. Diese wird es niemals geben. Die Mentalitätsspanne ist zu groß, die Zentralkontrolle müsste eine riesige EU-Regierung übernehmen. Alle EU-Staaten müssten ihr eigenes Budgetrecht und Tarifrecht aufgeben. Das wird es niemals geben. Das deutsche Grundgesetz und BVerfG steht dem enteggen.
Antworten - Kommentar von Richard Hau (29.04. 2010 22:02 Uhr):
Was erwarten Sie von einem Land in dem die "Regierenden" seit 50 Jahren - oder mehr? - entweder Papandreu oder Karamanlis heissen? Man lässt eben für sich nicht anbrennen. Die anderen werden's schon richten. So gesehen wäre ein "Ende mit Schrecken" einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen. Oder glauben Sie wirklich, die Zahlen stimmen? Wahrscheinlich kommt am Ende das Doppelte heraus - wenns reicht. Mit freundlichen Grüßen
Antworten- Antwort von hartmut nottrott (30.04. 2010 16:30 Uhr):
sie haben recht, vollkommen recht. Ein zahlungsunfähiger Bürger sowie Staat sollten kein Recht erhalten Geld auszugeben !!! Am besten wäre eine neue Stunde 0, zu der Kopfgeld verteilt wird und alle Gläubiger leer ausgehen, es ist eh nur UNWERTPAPIER.
- Antwort von hartmut nottrott (30.04. 2010 16:30 Uhr):