Fin der Bubble 2005, Teil 1
Bill Bonner in Investors Daily
vom 29. Juni 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Gestern schwebte die Hitze über London wie ein heißes Bügeleisen. Alle Falten gingen raus, die Stadt sah so flach und welk aus, wie eine alte Hose.
Ich bin in Southwark am Fluss entlang gegangen und habe mich auf eine der Bänke gesetzt, von denen man auf den Charing Cross Bahnhof auf der anderen Seite gucken kann. Der Wasserstand war niedrig. Jeder schleppte sich daran entlang wie eine schwerfällige Flut. Es bildeten sich Schlangen von Leuten, die in die Restaurants wollten. Spaziergänger liefen ineinander. Auf einem der Schiffe auf dem Fluss gab es eine Party. Der Klang eines Jazzsaxophons trudelte wie Treibgut über den Fluss.
Plötzlich hatte ich wieder das gleiche Gefühl, wie in den späten Neunzigern ... das Fin de Bubble Gefühl ... dass es zu viele Leute gab, die zu viel Spaß hatten. Wir haben uns in ein Cafe am Straßenrand gesetzt, in dem man sich selbst bedienen muss. Wir hatten beide einen Salat und ein Glas Wein. Die Rechnung belief sich auf 26 Pfund – oder fast 50 Dollar. Meine bescheidene Junggesellenwohnung in der Nähe kostet im Monat 3.000 Dollar. Elizabeth sucht nach einer Wohnung, sie fürchtet, dass es fast 15.000 Dollar im Monat kosten wird, mit der ganzen Familie nach London zu ziehen. Woher kommt das ganze Geld der Leute?
Eine weitere Fin de Bubble Halluzination ist, dass das Geld immer da sein wird, wenn man es braucht.
Amerikaner erleiden Täuschungen über das Mittelmaß. Ich habe das schon früher bemerkt. Ich werde es noch einmal tun, weil die Dinge, die vor einem Jahr noch außerordentlich waren, heute noch außerordentlicher sind. Dinge, die noch eine Generation zuvor für absurd gehalten hätte, werden heute einfach hingenommen.
Während sich die Blase ausdehnte, sind die Feierlichkeiten, die mit kleinen Sektempfängen angefangen hatten, in wilde Partys ausgeartet, bei denen die Gäste auf den Tischen tanzen und sich vor der Tür übergeben. Bald haben alle die Kontrolle verloren.
Und zum Ende der Blase hin nehmen die Täuschungen und Verzerrungen groteske Ausmaße an. Die Leute scheinen bereit, alles zu glauben, solange es zu ihren Phantasien passt. Die Halluzinationen werden so extravagant, dass sie explodieren.
So berichtet zum Beispiel der Economist, dass "vor kurzem eine Untersuchung unter den Käufern in Los Angeles gezeigt hat, dass sie damit rechnen, dass ihre Häuser im nächsten Jahrzehnt jährlich um 22 Prozent im Wert steigen. Dadurch würde der Preis für ein mittleres Haus auf drei Millionen Dollar steigen. Bei den aktuellen Wachstumsraten beim Einkommen hätte eine durchschnittliche Familie dann ein Einkommen von 54.000 Dollar.
Wie soll eine Familie, die 54.000 Dollar im Jahr hat, ein Haus für drei Millionen Dollar kaufen können? Selbst wenn das ganze Ding mit fünf Prozent finanziert würde, lägen die monatlichen Zahlungen immer noch bei 12.500 Dollar, oder fast beim Dreifachen des monatlichen Einkommens. Kann es dazu kommen? Nein. Nur ein Dummkopf würde darauf setzen. Und doch scheint es so, als würden die Leute das nicht nur in Betracht ziehen, sie setzen auch noch ihre gesamte finanzielle Zukunft darauf.
Auf der Titelseite einer Daily Mail vergangener Woche fand sich die Geschichte eines Mannes, der die Leute davon überzeugen konnte, dass er ein Spion sei, dass sie in Gefahr schwebten und dass sie ihn zu ihrem Schutz vor Terroristen bräuchten. Dann hat er Geld von seinen Opfern genommen – und hat es so angeblich zu zwei Millionen Dollar gebracht. Fortsetzung siehe Beitrag unten!