Ferienzeit in Frankreich
Tom Firley in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. August 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Ich bin in den Ferien. Das Gleiche gilt für den Rest Frankreichs. Die kleine Kirche war gestern überfüllt, überwiegend waren es Leute aus Paris und ihre Kinder. Es war auch der 50. Hochzeitstag eines Freundes... eines Oberst der Armee und seiner Frau. Aber die Angelegenheit wurde von mehr Trauer als Freude begleitet. Nur drei Wochen zuvor war einer ihrer Söhne bei einen Verkehrsunfall getötet worden. Er tat mir so Leid, ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich wünschte, er hätte sich stattdessen Gedanken um den Aktienmarkt machen können - oder über das monetäre System... oder über den Krieg in Ossetien - aber all das ist nicht mehr als das lästige Brummen einer Fliege im Vergleich zum Verlust eines Kindes. Eigentlich hätten wir ihre Goldhochzeit feiern sollen, aber wer hätte mehr anzubieten gehabt als leere Worte?
"Oui, mon vieux...Ja, mein armer, alter Freund", war alles, was ich sagen konnte. Ich habe ihn umarmt und nicht mehr gesagt.
Ja, ich bin in Ferien... aber das ist immer noch ein täglicher Rundbrief. Und es gibt immer etwas, mit dem man sich auseinander setzen muss. Etwas Wichtiges. Etwas Triviales. Etwas Heiliges. Etwas Profanes.
Aber sobald um ein Uhr mittags die Glocke zum Essen läutet, stehe ich vom Computer auf und fasse ihn bis zum nächsten Tag nicht mehr an. Und nach dem Mittagessen sammle ich meine Mannschaft unfreiwilliger Helfer ein - meine drei Jungs - und mache mich an die Arbeit. Es müssen ungefähr 125 Fensterläden abgeschliffen und angestrichen werden.
„Ach Dad, warum müssen wir das machen? Ich meine, andere Leute machen richtig Ferien... ich habe gerade ein Woche Ferien mit Paul und seiner Familie verbracht. Sie waren wirklich in Ferien... und wir arbeiten einfach nur."
Henry hat auch einige Berechnungen angestellt. „Abgesehen davon, wenn man die Kosten aufaddiert, die nötig sind, um dieses Haus zu unterhalten, dann ist es für uns vermutlich günstiger, wenn wir anderswo Ferien machen ... irgendwo, wo ein anderer die Fensterläden streicht..."
Ich sage Ihnen später, was ich darauf geantwortet habe... aber zuerst gibt es noch die triviale Welt der Finanzen, mit der ich mich auseinander setzen muss.
Es ist nicht so, dass ich viel dazu zu sagen hätte. Der Dow ist in der vergangenen Woche binnen eines Tages um 302 Punkte gestiegen. Der Ölpreis ist gefallen. Und nach so vielen Wochen der stürmischen, deprimierenden und auf einen Abwärtstrend verweisenden Nachrichten... war es wieder an der Zeit für Sonne und blauen Himmel.
Die Aktienmärkte steigen weltweit. Selbst die Finanzaktien... und die Autohersteller... und die Fluggesellschaften - scheinen sich alle zu erholen.
Es gibt eine große Ausnahme - China. Der Shanghai-Index ist am vorvergangenen Freitag um mehr als 4% gefallen... und danach ging es weiter bergab.
Außerhalb von Shanghai gibt es Gerüchte, dass das „Schlimmste hinter uns liegt." Sie vergleichen die Situation mit den Siebzigern und stellen fest, dass nachdem die Inflation den Gipfel überschritten hatte, die Aktien stark gestiegen und Gold eingebrochen ist. Um genau zu sein, war die Zeit zwischen 1982 und 2000 vermutlich die angenehmste finanzielle Phase im Leben der meisten von uns. Der Dow ist um das Elffache gestiegen, während Gold gegenüber seinem Gipfel um mehr als ein Drittel gefallen ist. Die Zinssätze fielen anfallartig während dieser gesamten Phase, und haben den Tiefstwert erst 2003 erreicht. Was hätte besser sein können? Die Anlagewerte sind im Preis gestiegen während die Kreditkosten gefallen sind. Das war die Zeit der Globalisierung, der Freihandelsabkommen, der günstigen Transportkosten - was alles dazu beitrug, die Kosten für viele Produktionsgüter zu senken. Was war das für eine phantastische Zeit für die Investoren.
Aber die Leser dieser Seiten sind gewarnt: Der Aktienmarkt hat nicht losgelegt, ehe die Aktien nicht auf sehr niedrige Preise geprügelt waren - mit KGVs von 5 bis 8 (aktuell liegen sie noch zwischen 14 und 18) Anleihen haben nicht losgelegt, ehe sie nicht mit 15% den Gipfel überschritten hatten (aktuell bringt eine Anleihe über 10 Jahre 3,95%). Und damit will ich sagen... dass die Kosten für Kredite nicht gefallen sind, ehe es fast unmöglich geworden war, Geld zu leihen. Und die Inflationsrate hat sich nicht zurück bewegt, ehe sie nicht 14% im Jahr erreicht hatte.
Die Moral hinter dieser Geschichte ist sehr einfach. Mann muss erst gefallen sein, ehe man sich wieder aufrichten kann.
Eine weitere große Geschichte aus der Finanzpresse hat den Dollar zum Titelhelden. Die grünen Scheinchen waren um ganze drei Pennies gegenüber dem Euro gestiegen und hatten damit 1,50 Dollar für einen Euro erreicht. Ja, der Dollar kommt auch zurück - oder zumindest könnte man das meinen.
Zum Wechselkurs Dollar/Euro habe ich keine Vorhersagen zu machen. Es ist wie bei einem Buchstabierwettbewerb, bei dem beide Wettkämpfer unter einer Lese-Rechtschreibschwäche leiden. Weder die Herren des Euro noch Ben Bernanke wissen, wie man „solides Geld" schreibt. Die Europäische Zentralbank verleiht ihr Geld für einen doppelten Zinssatz gegenüber der amerikanischen Zentralbank. Aber die Europäer lassen die Geldmenge schneller wachsen.
Verglichen mit den Dollar und den Euros ist Gold ein wahres Wörterbuch. Jedes Wort ist hier perfekt geschrieben. Ich gehe davon aus, dass sowohl der Dollar als auch der Euro gegenüber Gold an Boden unter den Füßen verlieren werden. Auch hier gehen viele Kommentatoren davon aus, dass die Spitze des Goldpreises schon hinter uns liegt. Gold ist gegenüber dem kurzfristigen Gipfel um fast 15% gefallen. Aber auch hier wirkt es so - und vielleicht auch nur auf mich - dass die Trends im Stile der Siebziger ihre beste Zeit hinter sich haben. Die Aktien müssen immer noch zerschlagen werden. Die Inflation muss immer noch weiter steigen, als auf eine offizielle Inflationsrate von 5%. Die Erträge müssen höher liegen als bei 4%.